27.06.2020

Die Anfänge des TSV Künzell

Acht Jahre nach Vereinsgründung startete die Fußballabteilung

Eine Spielszene aus dem Jahr 1938: Hier ist der Künzeller Richard Vollmar zu sehen. Gegner und Spielort dieser Partie sind allerdings nicht mehr bekannt. Foto: Verein

Der Sprung in die Hessenliga ist dem TSV Künzell zwar nie gelungen, aber dennoch ist es auch der Fußballabteilung zu verdanken, dass der Verein zu den namhaftesten der osthessischen Region zählt.

In den vergangenen 60 Jahren spielte der Club fast immer auf dem Niveau der Verbands- oder Gruppenliga. Mit nur zwei Ausnahmen: Von 1993 bis 1996 sowie in der Saison 2000/2001 rutschte Künzell in die Kreisoberliga ab. Eine Erfolgsgeschichte, die man bei der Gründung des Vereins im Jahr 1911 so nicht absehen konnte.

Bei der Vereinsgründung des Turnvereins TV Künzell hatten die Turner zunächst klar die Oberhand, die sogar während des ersten Weltkrieges den Verein am Leben hielten, weil immer wieder – sobald ein Vorstandsmitglied in den Krieg eingezogen wurde – Neuwahlen angesetzt wurden. Aber auch im Turnverein wurde bereits etwas Fußball angeboten. So ab 1914 soll es erste sogenannte „wilde Spiele“ gegeben haben, die nicht angemeldet waren. Als dann 1918, zum Ende des ersten Weltkrieges, der Turneifer deutlich nachließ, übernahmen mehr und mehr die Fußballer die Oberhand. Zunächst in einer Jugendabteilung. 1919 wurde offiziell die Fußball-Abteilung gegründet.

Am 10. Juli 1920 kam es zu einer Versammlung, auf der kontrovers diskutiert wurde. Auf der einen Seite des Saals standen die Turner, auf der anderen die Fußballer. Es wurde so heftig gestritten, dass dies zahlreiche Vereinsaustritte zur Folge hatte. Die Umbenennung in Turn- und Sport Verein (TSV) Künzell wurde beschlossen, jetzt wurde auch offiziell der erste Spielbetrieb angemeldet. Die erste Mannschaft der Künzeller bestand aus Spielern wie Torwart Aloys Mackenrodt, Josef Erb, Hermann Böhm, August Heil, Otto Schmidt, Ferdinand Schultheis, Alfred Böhm, Eduard Diel, Josef Fischer, Adalbert Erb, Clemens Zink, August Heil und Otto Schmidt.

Um den Vereinsnamen gab es im Laufe der Jahrzehnte übrigens immer mal wieder Irritationen. So tauchte direkt nach dem zweiten Weltkrieg in der Presse immer wieder die Bezeichnung SG Künzell auf. Auch Tuspo wurde der Künzeller Verein immer wieder genannt. Vereinsmitglied Kurt Diegelmann entgegnet aber: „Der Verein hieß niemals SG Künzell. Nach dem Krieg wurden viele Vereine in den Zeitungen als SG benannt, was aber nicht stimmte. Und Tuspo ist eine andere Abkürzung für Turn- und Sportverein. Aber auch das traf nie auf unseren Verein zu. Wir hießen seit 1919 immer TSV Künzell.“

Im Krieg fielen 32 Mitglieder

Die Heimat der Künzeller Fußballer war seit eh und je das Gelände rund um die heutigen „Tannen“, auch wenn es zunächst in den „Stöcken“ hieß. Der erste Platz war übersäht mit Wurzelstöcken, hatte eine Neigung von 45 Grad. Für heutige Verhältnisse nahezu undenkbar. Doch mit viel Fleiß schafften es die Fußballer und erschufen ein bespielbares Feld. „Weil die ganzen Stümmel herausragten, hieß das Gelände damals in den Stöcken. Der Wald ging damals bis hinunter zur Kirche“, erklärt Diegelmann, der ein Urgestein des Vereins ist.

Mehrfach wurde der Platz nach dem zweiten Weltkrieg neu hergerichtet, verändert und modernisiert. „Unter dem Vorsitz von Werner Henning wurde Ende der 1950er-Jahre der Platz unter Hilfe einer amerikanischen Pioniereinheit verbreitert. Etwas später wurde der Bereich hinter dem Tor aufgefüllt“, sagt Diegelmann, der damit die Stelle – vom Clubhaus aus gesehen – rechts beschreibt. „Da war hinter dem Tor eine tiefe Schlucht von einigen Metern. Die wurde komplett aufgefüllt und begradigt“, so Diegelmann. 1966 kam dann rund um das Feld eine 400-Meter-Asche-Laufbahn neu dazu und das Clubhaus samt erster Stehtribüne wurde errichtet. Dazu bekamen die Künzeller 1962 das Trainingsgelände am „Noppen“ zugewiesen. 2007 schließlich entstand das Gelände, wie man es heute kennt, als das Sportlerheim saniert und die Tribüne neu errichtet wurde.

Zurück zur Zeit vor dem Krieg und zum sportlichen Werdegang: 1931 holten sich die Künzeller die erste Meisterschaft in der A-Klasse. Als dann der Aufstieg im damals noch notwendigen Aufstiegsspiel gegen den SV Rothenkirchen mit einem 3:1-Sieg eingetütet wurde, da zeigten die Künzeller schon mal, wie gut sie feiern können. Die Blaskapelle Petersberg holte den Aufsteiger ab und begleitete ihn mit musikalischer Unterstützung auf seinem Nachhauseweg.

Da ahnte noch niemand, dass die nächste bittere Zeit in Form des zweiten Weltkrieges rasch folgen sollte. Hier fielen sage und schreibe 63 Mitglieder des TSV Künzell, darunter fast die komplette erste Mannschaft. Und dennoch: An Aufgabe dachte in Künzell niemand. Bereits am 15. Oktober 1945 sollte der Verein wiedergegründet werden. Und fortan läuft der Spielbetrieb seit nunmehr 75 Jahren ohne weitere Unterbrechung reibungslos.

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