Barockstadt und Co. beraten

Die große Frage: Klagen oder nicht?

03. Mai 2021, 07:40 Uhr

Patrick Schaaf und die SG Barockstadt fragen sich: Kann eine Klage doch noch für den Regionalliga-Aufstieg sorgen? Foto: Charlie Rolff

Einige Tage nach der Entscheidung, keine Aufsteiger in die Regionalliga Südwest zuzulassen, sitzt der Stachel bei der SG Barockstadt noch tief. Nun stellt sich die Frage: Wird der Hessenligist mit anderen Oberliga-Aufstiegsanwärtern klagen?

Dass die bis Donnerstagnachmittag potenziellen Aufsteiger in die Regionalliga – neben der Barockstadt sind das Eintracht Trier, Wormatia Worms, SGV Freiberg und Stuttgarter Kickers – schon seit Monaten in Kontakt stehen, ist kein Geheimnis. Eine erste Telefonkonferenz brachte die Vereine nach der Entscheidung gegen sie an einen virtuellen Tisch. Nun wollen die einzelnen Clubs mit ihren Rechtsbeiständen klären, wie groß die Erfolgsaussichten auf eine Klage sind –um dann im nächsten Schritt womöglich allein oder gemeinsam vor ein ordentliches Gericht zu ziehen.

"Wir sind es unseren Spielern, Fans, Helfern, Sponsoren und uns selbst schuldig, alles rechtlich zu prüfen. Und wenn es einen Ansatz gibt, werden wir dagegen vorgehen", heißt es in einem von SGB-Manager Sebastian Möller auf der vereinseigenen Homepage verfassten Kommentar. Dort kritisiert der 38-Jährige zudem die unterschiedlichen Verbands-Lösungen in ganz Deutschland. Zum Beispiel meldet die Regionalliga Nordost einen Aufsteiger in die Dritte Liga, obwohl Viktoria Berlin sogar noch ein Spiel weniger als Barockstadt absolviert hat – und somit weiter entfernt ist von der 50-Prozent-Reglung der Regionalliga Südwest, die seit der jüngsten Spielordnungsänderung als Maßstab für einen Aufstieg gilt.

Da keine der Südwest-Staffel zugehörigen Oberligen ansatzweise auf die Hälfte der geplanten Begegnungen kommt, gibt es null statt vier Aufsteiger. Und zwei statt sechs Absteiger aus der Regionalliga Südwest, da laut Satzung bei fehlenden Aufsteigern die Liga durch potenzielle Absteiger aufgefüllt wird – eine seit Jahren gelebte Praxis und unabhängig von der 50-Prozent-Reglung zu betrachten. Eine Kompromisslösung, Mannschaften aufsteigen zu lassen und dafür niemanden absteigen zu lassen (was eine erhebliche Ligaaufstockung zur Folge hätte), kam nach unseren Informationen nicht in Betracht, da die Regionalliga-Saison zu Ende geführt wird und somit sportlich zu bewerten ist.

Experten sehen "keine Angriffsfläche"

Aber wie erfolgsversprechend wäre der Versuch, sich als Aufsteiger in die Regionalliga Südwest einklagen zu können, ergo die frisch geschaffene 50-Prozent-Regel wieder zu kippen? Die "Stuttgarter Zeitung" sieht fast keine Chance: "Ernsthafte Aussicht auf Erfolg gibt es im Normalfall nur bei willkürlichen Entscheidungen, die jeden Sachbezug vermissen lassen, bei schwerwiegenden Verfahrensfehlern oder bei Nichtanhörung von Beteiligten. Für all das bietet der betreffende Fall, laut Experteneinschätzung, keine Angriffsfläche."

Das bedeutet aber nicht, dass Vereine wie Freiberg oder Stuttgarter Kickers schon die Flinte ins Korn geworfen haben: "Wir werden das Ganze juristisch aufarbeiten und einen Fahrplan entwickeln, wie wir genau vorgehen", sagt Freibergs Sportdirektor Christian Werner, während der Sportliche Leiter der Kickers, Lutz Siebrecht, ergänzt, "dass wir nichts unversucht lassen werden". Barockstadt wird mögliche Erfolgsaussichten ebenfalls prüfen. Sollte der Verein in der Hessenliga bleiben, wird sich laut Möller jedenfalls eine Jetzt-erst-recht-Mentalität bilden: "Wenn es diese Saison nichts mit dem Aufstieg wird, dann greifen wir halt nächstes Jahr erneut an."

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