01.02.2018

Die gute Seele: Ein Verein wie eine zweite Familie

Andreas Schmitt ist aus Künzell nicht mehr wegzudenken

Andreas Schmitt (links) ist aus Künzell nicht mehr wegzudenken. Foto: Viktoria Goldbach

20 Jahre lang haben die kleinen Bälle den Mittelpunkt des Lebens von Andreas Schmitt bestimmt. „Ich habe lange Jahre im Vorstand des MGC putter Künzell mitgearbeitet und mich damals aktiv dem Minigolfsport verschrieben, bis ich irgendwann den Fußball für mich wiederentdeckte“, berichtet der 47-Jährige. Irgendwann war konkret im September 2002, als Schmitt seinen Neffen zum Fußball beim TSV Künzell begleitete und seitdem vom Verein nicht mehr loskommt.

Zunächst als Zuschauer und Fan, dann als F-Junioren-Trainer und ab März 2003 als Schriftführer im Verein. „Im Mai 2004 habe ich dann den Posten des Jugendleiters besetzt und die Nachfolge von Andreas Bettendorf angetreten. Ich habe mich schnell für die Aufgabe begeistern können und diese Entscheidung nicht eine Sekunde lang bereut“, verrät Schmitt, der früher selbst von der E- bis zur C-Jugend an den Tannen kickte, sich dann aber für das Minigolfen entschied. „Rückblickend war das ein Fehler“, ist Schmitt ehrlich und verweist dabei ausdrücklich auf die Werte, die ein Kind in einer Mannschaftssportart vermittelt bekommt. „Du bist Teil einer Mannschaft, knüpfst Freundschaften zu Gleichaltrigen und bist ganz anders verwurzelt, als wenn du auf dem Minigolfplatz stehst und dich selbst motivieren musst. So eine Mannschaft kann dir unheimlich viel Rückhalt geben.“

Jede Menge Spaß hat Schmitt beim Minigolfen dennoch gehabt, auch wenn der Aufwand damals auf Dauer zu groß gewesen sei. Neben dem aktiven Spiel war er auch hier auf Landesebene für die Jugend verantwortlich. Für ein sonntägliches Auswärtsspiel in der damals drittklassigen Regionalliga sei man nicht selten bereits am Freitagmorgen angereist. „Dann musstest du dir einen Tag Urlaub nehmen und hast den Freitag und Samstag den ganzen Tag auf der Anlage zum Trainieren verbracht. Sonntagnachmittags kamst du dann spät nach Hause, weil die Auswärtsspiele nicht gerade um die Ecke, sondern in anderen Bundesländern waren. Das wurde mir auf Dauer einfach zu viel und war mit dem Fußball nicht mehr zu vereinbaren“, berichtet der 47-Jährige.

Viel mehr Zeit hat Schmitt als Jugendleiter inzwischen aber auch nicht am Wochenende. „Von den D- bis A-Junioren sowie unseren Seniorenmannschaften verpasse ich – sofern es keine zeitlichen Überschneidungen gibt – eigentlich keine Partie“, so Schmitt, der sich nicht nur um die Abwicklung des Spielbetriebs oder die Gestaltung des Vereinsheftes kümmert, sondern seit einigen Jahren stets mit einer Fotokamera auf den Sportplätzen zu finden ist und Bilder für die Facebook-Seite des TSV schießt. „Die Jungs freuen sich über die Fotos, da mache ich es doch gerne, zumal es mir großen Spaß bereitet“, sagt Schmitt bescheiden, der als zweites Hobby neben dem TSV Fernreisen angibt und im September Südafrika erkunden möchte.

Nur 9 von 61 Spielern sind keine Eigengewächse

Doch nicht nur wegen Fotos, sondern auch ziemlich jeder anderen Angelegenheit ist Schmitt erster Ansprechpartner im Verein. „Spieler und Eltern wissen, dass sie mit einem Problem immer zu mir kommen können und ich ihnen helfe.“ Hilfestellungen, die Verein und Spieler wertzuschätzen wissen. Denn auch außerhalb der Gemeinde genießt Schmitt einen ausgezeichneten Ruf. Erst vor einigen Wochen äußerte sich Ex-Spieler Mohammed Sharif zu seinem Abgang in Künzell, vergaß dabei aber nicht seinen langjährigen Weggefährten und bedankte sich explizit bei Schmitt für die tolle Zusammenarbeit.

„Diese hohe Wertschätzung im Verein und der enge Draht zu den Spielern ist für mich ein Antrieb. Zu sehen, wie die Jungs in einem Verein groß werden und sich fußballerisch sowie menschlich weiterentwickeln, ist einfach toll. Wenn man dann sieht, dass die Jungs irgendwann im Seniorenbereich Fuß gefasst haben, dann ist das nicht in Worte zu fassen. Es sind in den vergangenen Jahren viele Freundschaften und tolle Anekdoten entstanden“, berichtet Schmitt. In letztere Kategorie gehört beispielsweise die Verpflichtung von Stephan Fröhlich vor einigen Jahren als A-Junioren-Trainer.

„Er hatte damals das letzte Saisonspiel unserer C-Junioren gepfiffen. Danach kam unser damaliger Coach Andreas Heitz mit ihm ins Gespräch und fragte ihn, wieso er denn jetzt eigentlich Schiedsrichter sei. Stephan erzählte, dass er den Schiedsrichterschein für die Trainerausbildung benötige und dabei bemerkt hätte, dass ihm das Pfeifen Spaß mache. So führte im Gespräch eins zum anderen und noch am selben Abend sagte Stephan uns zu, dass er in der kommenden Saison unsere A-Junioren trainieren wird“, erinnert sich Schmitt gerne an die Zeit zurück. Einer der Höhepunkte sei auch der Aufstieg in die A-Junioren-Hessenliga im Sommer 2004 unter Josef Breunung und Karl-Heinz Bunzenthal gewesen.

„Am meisten geben mir aber die engen Beziehungen und Freundschaften zurück, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Das geht bis in das Private hinein. Der Verein ist für mich eine zweite Familie, weil den Spielern auch etwas am Verein liegt. Einige Seniorenspieler könnten sicher höher spielen und mehr Geld verdienen, aber das ist für sie gar nicht das wichtigste. Das familiäre Umfeld, das stets gut gefüllte Vereinsheim und die enge Bindung zum Verein sowie zu den Mitspielern und Verantwortlichen ist unseren Spielern eben auch wichtig.“ Vereinstreue wird in Künzell nämlich besonders großgeschrieben. „Nur 9 von 61 Akteuren der Senioren haben nicht bei uns in der Jugend gespielt. Darauf können wir schon sehr stolz sein. Das ist mir auch wichtiger als eine Meisterschaft oder ein Pokalgewinn im Juniorenbereich. Es geht um die Nachhaltigkeit für den Verein“, sagt Schmitt, der sich um 14 Jugendteams kümmert und derzeit die Winterpause genießt. „Allzu lange sollte sie aber nicht gehen. Schon nach ein, zwei Wochen kribbelt es wieder und dann freue ich mich auf die anstehenden Hallenturniere.“ Langweilig wird es Andreas Schmitt mit seinem TSV Künzell aber ganz sicher nicht.

Autor: Max Lesser

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