Trainerausbildung: Osthessen letzter

Die Kloppos des Amateurfußballs

28. April 2021, 10:00 Uhr

Immer mehr Sportler streben eine Trainer-Lizenz an. Die Terminbücher des HFV sind voll. Foto: Charlie Rolff

Ausgebildete Trainer sind das Beste, was Vereinen und Spielern passieren kann – gerade im Amateurbereich. In puncto lizensierte Trainer hat die Region Osthessen allerdings Nachholbedarf.

Die Sache mit dem Ehrenamt: Betreuer hier, Ordner dort – Vereinen fehlt es an allen Fronten. An der Trainerfront aber lichtet es sich. In Hessen ist gar ein Hype um Trainerausbildungen entstanden, erklärt Frank Illing, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung beim Hessischen Fußball-Verband (HFV). Ein positiver Aspekt in solch schweren Zeiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Trainer im Seniorenbereich hohe dreistellige Summen verdienen, ab der Gruppenliga teilweise über 1000 Euro im Monat.

Doch woher kommt plötzlich dieser Hype? Da sind zum einen die Vereine, die mit lizensierten Trainern werben. Oft finanzieren sie die Ausbildung. Im Umkehrschluss verpflichtet sich der potenzielle Trainer, dem Verein die Treue zu halten. „Mittlerweile schauen Eltern nicht mehr wo der nächste Sportplatz ist, sondern wo ihr Kind die beste Ausbildung genießt“, sagt der 52-jährige Illing. Auch werte eine Ausbildung den Lebenslauf – neben dem Spaßfaktor – zum Selbstzweck auf. „Das Engagieren im Verein macht sich sehr gut im Lebenslauf und kommt bei Personalchefs gut an“, betont der Vorsitzende, der aus Gelnhausen stammt.

Doch die hohe Nachfrage kommt nicht von ungefähr. Der HFV erntet nun die Früchte, die er vor Jahren gesät hat. Nicht selten kommt es vor, dass sich Teilnehmer aus anderen Landesverbänden in Hessen ausbilden lassen. „Bei der Trainerausbildung gehören wir zu den Top drei Landesverbänden in Deutschland“, zeigt sich Illing selbstbewusst. Seiner Meinung nach der größte Trumpf: die Mundpropaganda. Einen weiteren Aspekt liefert das Land Hessen. Für die Aus- oder Fortbildung können Arbeitnehmer bezahlten Sonderurlaub beantragen, um in dieser Zeit die Trainer-Lizenz zu absolvieren.

Aktuell ist die Nachfrage sogar höher als die zur Verfügung stehende Kapazität. Mit Corona hat diese Entwicklung nur bedingt etwas zu tun. Eine Region aber schwächelt: die Fußballregion Osthessen. „Der Abstand zum Vorletzten ist nicht gering. Umso mehr haben mich die zahlreichen Anmeldungen in der Vergangenheit erfreut“, sagt Illing. Insgesamt 49 Personen haben sich für die C-Lizenz aus Osthessen angemeldet.

Aufgeblendet: Aus der Pyramide wird eine Treppe

Im „Projekt Zukunft“ nimmt die Trainerentwicklung eine wichtige Rolle ein. Auch auf Amateurebene wird sich einiges ändern, verdeutlicht Frank Illing vom HFV. In den Fokus ist die Arbeit mit Jugendlichen gerückt. „Es ist unser Ziel, dass künftig kein Trainer Kinder trainieren darf, ohne ein sogenanntes Kinder-Trainer-Zertifikat zu besitzen“, sagt der 52-Jährige. Die Ausbildung soll 20 Lerneinheiten dauern und wurde explizit von den Vereinen ins Gespräch gebracht. Auch wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, auf direktem Wege die B-Lizenz zu erhalten. Voraussetzung soll die C-Lizenz sein. Apropos C-Lizenz. Im Bereich dieser Trainerausbildung soll sich einiges verändern. Für die Kreisoberliga zum Beispiel reicht besagte C-Lizenz aus. „Das Ziel ist es, dass sich Trainer ligaabhängig weiterbilden können, ohne unbedingt die nächst höhere Lizenz machen zu müssen.“ So sollen spezifische Fortbildungen wie für den taktischen Bereich auf entsprechender Ebene angeboten werden. „Aus der Pyramide wird in der Trainerausbildung eine Treppe.“

Übersicht der Lizenzen

Für die Regionalliga würde Barockstadts Trainer Sedat Gören die A-Lizenz benötigen. Foto: Charlie Rolff

In der aktuellen Pyramide der Trainer-Lizenzen können fünf Trainerscheine erworben werden. Jede Lizenz ist nach Erhalt für drei Jahre gültig. Für die Verlängerung der Lizenz muss im letzten halben Jahr der Gültigkeitsdauer ein Antrag gestellt werden und ein Nachweis über die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen im Umfang von 20 Lerneinheiten eingereicht werden. Der Erwerb einer höheren Lizenzstufe verlängert automatisch die niedrigere(n) Lizenzstufe(n).

Trainer C-Lizenz

Die C-Lizenz unterliegt wie die B-Lizenz der Zuständigkeit der Landesverbände. Auf die Teilnehmer warten 120 Lerneinheiten. Eine Lerneinheit umfasst 45 Minuten. Zielgruppe sind Trainer von Kinder-, Jugend- und Erwachsenenmannschaften auf Kreiseben

Trainer B-Lizenz

Die C-Lizenz ist für die Teilnahme an der B-Lizenz – noch – nicht zwingend nötig. Die Ausbildung beinhaltet 120 Lerneinheiten. Aufgeteilt ist das Ganze in eine Grundlagenausbildung und eine Schwerpunktausbildung. In der Schwerpunktausbildung konzentriert sich der Auszubildende wahlweise auf den Erwachsenen- oder den Jugendfußball. Inhaber der B-Lizenz dürfen bis einschließlich Hessenliga/Oberliga, Frauenteams unterhalb der 2. Bundesliga, Nachwuchsmannschaften unterhalb der A- und B-Junioren-Bundesliga sowie alle Juniorinnen-Mannschaften trainieren.

DFB-Elite-Jugend-Lizenz

Eine Anmeldung zur Elite-Jugend-Lizenz ist nur möglich, wenn die B-Lizenz mit einer Gesamtnote von mindestens zehn Punkten abgeschlossen wurde. Zudem ist die aktive Mitarbeit an einem DFB-Stützpunkt im Umfang von 20 Trainingseinheiten sowie eine mindestens einjährige Trainertätigkeit mit B-Lizenz nachzuweisen. Die Elite-Jugend-Lizenz und alle Trainer-Lizenzstufen darüber liegen komplett in der Verantwortlichkeit des DFB.

Trainer A-Lizenz

Die letzte Stufe vor dem Lehrgang zum Fußball-Lehrer. Die A-Lizenz-Ausbildung hat 100 Lerneinheiten. Das Augenmerk richtet sich hier klar auf den Seniorenbereich (ab 20 Jahre). Trainer mit A-Lizenz können bei den Männern in der Regionalliga sowie bei den A-Junioren, B-Junioren und Frauen bis einschließlich Bundesliga hauptverantwortlich tätig sein.

Fußball-Lehrer

Nach elfmonatiger Ausbildung dürfen die Absolventen des Lehrgangs anschließend in den höchsten Spielklassen aller UEFA-Mitgliedstaaten tätig sein. Jährlich vergibt der DFB maximal 25 Plätze für die Ausbildung.

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