15.03.2019

Die letzte „Schwarzbacherin“ sagt Adios

Karolin Hahn-Schwalbach hört im Sommer beim SC Soisdorf auf

Karolin Hahn-Schwalbach war eine Spätstarterin, nun hört sie mit dem Fußball erst einmal auf. Foto: Johannes Götze

Erst mit 16 Jahren trat Karolin Hahn-Schwalbach in einen Fußballverein ein, baute den SC Soisdorf mit auf, spielte später Bundesliga mit dem FSV Schwarzbach und leitet nun seit fast neun Jahren die Soisdorfer Frauen an, die in der Verbandsliga spielen. Im Sommer hört die Grüsselbacherin nun auf.

Sie werde ihre Mädels missen, das weiß die 47-Jährige schon jetzt, denn sie liegen ihr doch sehr am Herzen. Aber alles habe eben nunmal seine Zeit. Nachdem mit dem SCS im vergangenen Jahr der Aufstieg in die Verbandsliga gelang, und dort der Kampf um den Klassenerhalt tobt, will sie nun das aktive Dasein an der Seitenlinie hinter sich lassen. Vor neun Jahren hatte sich Hahn-Schwalbach zwei Tage Bedenkzeit erbeten, bis sie den Job zusagte. Und seither entwickelte sie in Soisdorf eine funktionierende Frauenmannschaft, in der noch immer Potential schlummert und der Klassenerhalt keinesfalls ein utopisches Ziel ist.

Dass nun dennoch Schluss sein wird, hängt sicherlich auch mit dem extremen Zeit- und Kraftaufwand zusammen, den eine Trainerin im Verbandsliga-Bereich der Frauen opfern muss. Da wäre der Samstag: Als Optikerin beim Hünfelder Traditionsunternehmen Sedelmayr ist dies ein regulärer Arbeitstag. Steht ein Auswärtsspiel an, bleibt nach Dienstschluss kaum mehr Zeit, um noch einmal in die Heimat nach Grüsselbach zu fahren, vielmehr geht es sofort an den Sportplatz. Und dort wartet Arbeit, schließlich organisiert sich eine Frauenmannschaft meist selbst, ist in Vereinen eher das fünfte Rad am Wagen. „Das ist aber nicht nur in Soisdorf so, das gilt eigentlich für alle Mannschaften. Bei uns wird zumindest der Platz abgestreut, was bei vielen anderen Mannschaften nicht so ist“, erklärt Hahn-Schwalbach. In Schwarzbach, als sie Mitte der Neunziger für zwei Saisons Bundesliga spielte, sei das freilich anders gewesen. Hahn-Schwalbach ist die einzige der weiland gefeierten Schwarzbacherinnen, die noch aktiv ist. „Verrückt“, findet sie das, weil doch nicht nur sie den Fußball liebt.

Seinerzeit spielte sie unter Michael Schäfer und Stefan Dresel, von denen sie sich eine Menge für ihre heutige Trainerarbeit abgeschaut habe. Damals wie heute wird deutlich, was für eine Ausbildung die Spielerinnen genossen haben. „Ich würde jedem Mädchen empfehlen, zunächst in einer Jungenmannschaft zu spielen. Die Unterschiede sind recht deutlich“, sagt sie und spielt vor allem auf die körperliche Robustheit an, die Mädchen mit Jungenmannschafterfahrung voraus seien. Das Akklimatisieren falle im Frauenbereich entsprechend leichter, auch wenn Mädchen aus reinen Mädchenmannschaften meist technisch besser ausgebildet seien.

Was Fußball für Hahn-Schwalbach ausmacht, liegt auf der Hand: „Kameradschaft, die Lust auf Bewegung, zu sehen, wie sich die Mädels weiterentwickeln“, sagt sie und weiß, „dass es mir die aktuelle Mannschaft als Trainerin auch verdammt leichtmacht.“ Die Trainingsbeteiligung sei hervorragend, die Stimmung gut, der Wille stets vorhanden. Auch das wird Karolin-Hahn Schwalbach ab Juni missen.

Autor: Johannes Götze

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