Vorsichtiger Start wichtiger denn je

Sicajas Mahnung zur Vernunft

Tino Weingarten
26. Mai 2021, 09:00 Uhr

Dragan Sicaja mahnt zur Vorsicht, sobald Amateurvereine wieder auf den Platz dürfen. Foto: Charlie Rolff

Lange Pausen, Quarantäne, unzählige Englische Wochen. Die Fußballvereine der Regionalliga Südwest finden sich in dieser Saison immer wieder neuen Situationen gegenübergestellt. Entsprechend beschäftigen sich die Teams mit gänzlich neuen Themen.

Was auf viele Vereine und Spieler demnächst zukommen wird, kreist bei den Regionalligisten aufgrund einer Mammut-Saison seit einem Jahr in den Köpfen. Eine Spielzeit mit 42 Spielen, allein seit Jahresbeginn absolvierten die Spieler des TSV Eintracht Stadtallendorf 25 Partien. Im April stand alle drei Tage ein Spiel an. Eine nie dagewesenen Herausforderung für eine Mannschaft, deren Spieler nicht professionell Fußball spielen, sondern tagsüber ihrem Beruf nachgehen. „Diese Erfahrung hat noch keiner gehabt, das war für uns alle etwas Neues“, blickt Eintracht-Trainer Dragan Sicaja auf die vergangenen Monate zurück.

„Die Quarantäne Anfang März hat uns das Genick gebrochen“, sagt Sicaja. Unzählige Englische Wochen waren die Folge, die körperlich ihre Spuren hinterlassen haben. Als die Corona-Infektionen auftraten – sieben Spieler waren infiziert –, suchte der Verein Rat bei Kardiologen. Bevor die betroffenen Spieler wieder ins Training eingegliedert wurden, standen entsprechende Untersuchungen an, und Ärzte checkten die Spieler von Kopf bis Fuß durch. „Die einen haben es schnell verkraftet, andere fanden wochenlang nicht zurück zu ihrer Form“, berichtet der 54-Jährige.

Gerade die Wochen seit Anfang März seien eine erhebliche Herausforderung für Verein und Spieler gewesen. Auswärtsfahrten unter der Woche nach Elversberg oder Balingen, bei denen man erst nach Mitternacht wieder zuhause angekommen ist – den Spielern blieben da nur noch wenige Stunden, ehe der Wecker für den Job klingelte. An ein regionalligataugliches Training war in dieser Zeit nicht zu denken. Überlegungen, wie die Belastung im Training mittels Rotation gesteuert werden könne, wurden Sicaja durch die Vielzahl der Spiele abgenommen.

Saisonvorbereitung vorsichtiger angehen

Er betont, dass sich seine Mannschaft dennoch in einer glücklichen Situation befinde, überhaupt trainieren und spielen zu können. Bereits die Oberligisten, die kommende Saison wieder zu den Gegnern des TSV gehören, sind seit sieben Monaten nicht einmal im Training. „Daher sind zweieinhalb Monate Vorbereitung ein Muss, in die man vorsichtig hineingehen muss. Einfachste Bewegungen gilt es wieder zu erlernen. Es wird ein sehr langer Prozess, bis die Spieler auf dem Level von vor der Pandemie sind“, mahnt Sicaja mit Blick zur Vernunft.

Rechnet der Eintracht-Trainer eine solch lange Vorbereitungszeit für die Vereine ab der Oberliga abwärts vor, sieht die Meinung mit Blick auf sein Team anders aus: „Wir betteln darum, endlich Pause zu haben.“ Seine Spieler will er nach Saisonende sechs Wochen in den Urlaub schicken. Für eine Erholung, die nach 42 Spieltagen und dann 28 Partien seit Neujahr für die Gesundheit notwendig geworden ist.

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