14.10.2015

"Die vielleicht beste Entscheidung meines Lebens"

Hendrik Hilpert berichtet über die ersten zwei Monate in den USA - Fotostrecke

Hendrik Hilpert fühlt sich in den Staaten pudelwohl. Foto: privat

Nach acht Wochen in den Vereinigten Staaten hat Hendrik Hilpert sich für unser Online-Portal Zeit genommen, um die ersten Monate Revue passieren zu lassen. Der 19-jährige Eiterfelder, der in der vergangenen Spielzeit noch für die U23 von Eintracht Braunschweig spielte, hat ein Stipendium an der Syracuse University (US-Bundesstaat New York) angenommen und berichtet von seinen Eindrücken.

Denn der sportliche Start im Land der unbegrenzten Möglichkeiten war alles andere als verheißungsvoll. "Ich habe mir in der zweiten Trainingswoche einen Muskelabriss im Oberschenkel zugezogen und war sechs Wochen zum Zuschauen verdammt", berichtet Hilpert, der inzwischen aber wieder für das College-Team zwischen den Pfosten steht - wenn auch unter Schmerzen. "So richtig verheilt ist es noch nicht, aber ich habe es im Griff und kann spielen", sagt der Wirtschaftsstudent, der von seinen Teamkollegen super aufgenommen wurde.

"In keiner meiner vorherigen Mannschaften haben so viele verschiedene Nationen miteinander gespielt. Hier merkst du, dass der Sport keine Herkunft, Sprache oder Hautfarbe kennt. Es war für mich aber ungewohnt, dass in der Kabine plötzlich englisch gesprochen wurde. Mit der Sprache habe ich aber zum Glück keine Probleme ", erzählt der 19-Jährige.

Auch das Trainingszentrum habe ihn beeindruckt. Und Hilpert muss es wissen: Schließlich wurde er in den Nachwuchsleistungszentren von Hoffenheim, Braunschweig und Jena ausgebildet und ist einiges gewohnt. Drei Rasen- und zwei Kunstrasen- unter freiem Himmel sowie zwei weitere Kunstrasenplätze in einer Halle stehen der Universität zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es kleineres Stadion (circa 3000 Plätze), indem auch die Fußballer spielen. und den "Carrier Dome", eine Arena, die über 49 262 Plätze verfügt und den modernsten Ansprüchen gerecht wird. Hier werden die Spiele des Football- und Basketball-Teams ausgetragen.

"Campus so groß wie Hünfeld"

Denn anders als in Deutschland ist in den USA Fußball nicht die Sportart Nummer eins. "Der Fußball steht hier mit anderen Sportarten im Wettstreit, ist aber immer mehr im Kommen. Selbst Sportarten wie Lacrosse sind hier sehr populär und angesehen", so Hilpert. Denn während die Heimspiele seines College-Soccer-Teams im Schnitt circa 1000 Fans verfolgen, sind beispielsweise bei den Auftritten der Football-Mannschaft mehrere Zehntausend im Stadion.

Zwischen den Sportlern gebe aber es keinerlei Reibungen, wessen Sportart die Nummer eins sei. Ganz im Gegenteil: "Die Teams unterstützen einander und kennen sich, auch von gemeinsamen Vorlesungen. Überhaupt ist der Zusammenhalt innerhalb der Universität außergewöhnlich gut. In der USA schafft man es, der Uni eine Identität zu geben, zu der jeder unbedingt dazu gehören möchte." So sei es völlig normal, dass die Studenten regelmäßig die Klamotten der Fakultät tragen.

Überhaupt sei das amerikanische Studentenleben überhaupt nicht mit dem deutschen vergleichbar. An der Syracuse University, deren Campus "ungefähr so groß wie Hünfeld ist", studieren circa 25 000 angehende Akademiker. Die Vorlesungen werden aber mit 30 bis 40 Studenten in einem Hörsaal sehr klein gehalten.

Shuttle-Service auf dem Universitätsgelände

"Fast alle Studenten leben auch auf dem Campus", sagt Hilpert. So gebe es auf dem Universitätsgelände einen Shuttle-Service, um von A nach B zu kommen. "Hier spielt sich alles auf dem Campus ab. Ich war wirklich überrascht, wie groß hier alles ist. Ich kannte die Uni ja nur von Bildern", ist der Ex-Braunschweiger, der sich mit einem aus New York stammenden Mannschaftskollegen in ein Apartment teilt, beeindruckt.

"Wir verstehen uns sehr gut, sehen uns über den Tag aber kaum", sagt Hilpert. Denn es sei sehr intensiv und zeitaufwendig, Studieren und Fußballspielen unter einen Hut zu bekommen. Der Tag beginne in der Regel mit Vorlesungen von 8 bis 13 Uhr Vorlesungen, ehe von 14 bis 18 Uhr Zeit für Individual- und Mannschaftstraining sei. Abends bringe er in der Regel noch vier Stunden dafür auf, Hausaufgaben zu machen und die Vorlesungen aufzuarbeiten.

Viel Freizeit bleibt daher nicht übrig: "Es ist extrem anstrengend, bereitet mir aber auch einen Riesenspaß. Wenn du nicht zu 100 Prozent hinter der Sache stehst, dann schaffst du es nicht", ist Hilpert sich sicher, der den Entschluss für drei Jahre in die USA zu gehen, keineswegs bereut. "Es ist die vielleicht beste Entscheidung meines Lebens gewesen. Was ich hier an Erfahrungen sammeln darf, ist eigentlich unbezahlbar."

Autor: Max Lesser

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