Gruppenliga-Analyse

Die Wachablösung blieb bislang aus

14. Dezember 2020, 08:16 Uhr

Könnten die Meisterschaft unter sich ausmachen: Die Spvgg. Hosenfeld um Julian Erb (links) und Horas (rechts Askin Savran). Foto: Kevin Kremer

Nachdem die Gruppenliga in der vergangenen Saison wohl so eng wie nie war, gibt es in diesem Jahr gleich fünf Mannschaften, die einen besseren Schnitt haben als Meister Hosenfeld im Vorjahr. In unserer Torgranate-Analyse blicken wir zurück und voraus.

Die Lage:

Erstmals seit der Spielzeit 2013/14 - damals noch mit Vereinen wie Borussia Fulda, dem SV Neuhof und der SG Hessen/Spvgg. Hersfeld - spielt die Gruppenliga wieder mit 19 Mannschaften. Doch eines hat sich im Vergleich zur Vorsaison nicht verändert: Ganz oben steht weiterhin die Spvgg. Hosenfeld. Noch hat jede Mannschaft Minimum 24 Partien zu bestreiten, die meisten liegen vor Kressenbach/Ulmbach. Von den 36 Spielen hat der Neuling aufgrund von Corona-Quarantänen gerade einmal ein Viertel absolviert.

Top:

Zwei Aufsteiger mischen die Liga auf: Den spielstarken Horasern wurde schon im Vorfeld eine Menge zugetraut, mit den zweitmeisten Treffern und wenigsten Gegentoren steht der FVH zurecht auf Platz zwei. Die kampfstarken Hönebacher waren für viele dagegen die große Unbekannte: Doch schon nach wenigen Spielen wurde klar, dass niemand gerne gegen die Eisenbahner antritt. Eine Top-fünf-Platzierung ist die Folge. Dort sind überraschend auch Schlüchtern und Kerzell beheimatet, die beide in der Vorsaison wohl abgestiegen wären. Gerade die Helvetia beeindruckte zu Beginn der Saison mit dem unbekümmerten Fußball zahlreicher Eigengewächse.

Flop:

Hinter den Erwartungen zurück blieb bislang FT Fulda, dank prominenter Neuzugänge für viele einer der Top-Kandidaten auf die Meisterschaft. Nach zehn Spielen und einer ausgeglichenen Ausbeute bilanzierte Trainer Romeo Andrijasevic, der künftig in sein neuntes und zehntes Jahr bei den Turnern gehen wird: "Ich habe in diesem Jahr vermutlich so viele Fehler am Stück gemacht wie noch nie. Deswegen nehme ich die komplette bisherige Punktausbeute voll auf mich." Alles besser werden sollte auch in Künzell, nachdem der TSV wohl nur dank Corona die Liga im Sommer halten konnte. Doch nach sechs Niederlagen zum Start waren die Künzeller schnell am Boden der Tatsachen angekommen. Immerhin gab es anschließend den ersten Auswärtssieg seit zwei Jahren, den Kontakt zu den Nichtabstiegsrängen hat der Vorletzte hergestellt.

In Erinnerung bleibt:

Kurios war die bisherige Saison von Gundhelm/Hutten: Der Aufsteiger verlor erst neun Spiele am Stück, ehe ein 4:4 nach 1:4 gegen Elters/Eckweisbach/Schwarzbach die Wende und zwei Siege einleitete. Zudem werden das Eröffnungsspiel wohl nur die wenigsten vergessen. 250 Zuschauer und mehr hinter den Zäunen trotzten dem Regen, um das Spiel von Titelkandidat Bronnzell gegen Meister Hosenfeld zu sehen. 45 Minuten sah es nach einer Wachablösung aus - doch diese blieb aus, da Hosenfeld zurückschlug, ein 0:2 in ein 3:2 drehte und den Grundstein für eine weitere erfolgreiche Saison legte.

Zahlenspiel:

Apropos Hosenfeld: Trotz eines eher dürftigen Torverhältnisses von 23:18 - FT Fulda als Neunter weist eine bessere Differenz aus - überwintert die Truppe von Torsten Weber ganz oben. Vielen spät eingetüteten Siegen sei Dank. Vier der fünf treffsichersten Torjäger kommen zudem aus dem Fußballkreis Schlüchtern - nur Großenlüders Moritz Reith vertritt den Kreis Fulda. Oberzell/Züntersbachs Julian Ankert steht wie schon in der Vorsaison mit zwölf Toren ganz oben, dahinter folgt Benedikt Kreß. Dem Angreifer gelangt zudem das Kunststück, alle ersten zehn Treffer seiner SG Gundhelm/Hutten selbst zu erzielen.

Ausblick:

Ein Titelzweikampf zwischen Meister Hosenfeld und Herausforderer Horas scheint wahrscheinlich - wenngleich Schlüchtern ein gehöriges Wörtchen mitreden könnte, wenn die gute Form ins neue Jahr katapultiert werden kann. Auch Bronnzell - vom Punkteschnitt besser als Hosenfeld im Vorjahr - sollte man noch auf der Liste haben. Je mehr Spiele die Viktoria noch bekommt, desto mehr Zeit hat sie, um sich weiter zu finden und ganz oben ranzurücken. Viel wird also davon abhängen, ob die Saison ob Corona wirklich komplett zu Ende gespielt werden kann - genauso wie im noch viel schwieriger zu prognostizierenden Abstiegskampf. Bei 36 Spielen dürften selbst 40 Punkte nicht ausreichen, so dass sich sogar bisherige Überraschungsteams keineswegs ausruhen dürfen.

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