Werner Henkel ist SGSler durch und durch

"Durften uns nicht zu sehr verausgaben"

17. November 2020, 14:04 Uhr

Der Simmershäuser Sportplatz ist Werner Henkels zweites Zuhause. Foto: Verein

Es gibt keinen Verein, der ohne eifrige Menschen im Hintergrund überleben würde. Die guten Seelen des Vereins kennt meist kaum jemand, weshalb in unserer Serie jene Vereinsikonen im Rampenlicht stehen. Heute im Blickpunkt: Werner Henkel von der SG Simmershausen.

"Werner ist immer da und hat stets einen Rat parat", sagt Simmershausens Vorsitzender Johannes Schafsteck. Dass Henkel so ziemlich alles über die SGS weiß, kommt nicht von ungefähr. Sein ganzes Leben lang ist der mittlerweile 74-Jährige mit dem Verein verbunden. Zumindest so lange wie es den Verein gibt. Zwar 1929 gegründet, doch durch die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs wieder eingestampft: Simmershausen musste sich mit seinem Sportverein etwas einfallen lassen. Und 1967 schließlich kam die zündende Idee, denn Henkel und einige weitere Aktive gründeten die SG erneut. "Daher bin ich mit dem Verein so verbunden", frohlockt er. Und andere Clubfarben wollte er nie kennenlernen. "Bei uns läuft alles über die Kameradschaft. Nur so funktioniert ein gutes Miteinander. Selbst, wenn es sportlich mal nicht läuft", erzählt der frühere Betonbauer.

Nicht nur Henkel selbst ist seit eh und je dabei, auch seine Frau Walburga hält seit 41 Jahren das Vereinsheim sauber. Sohn Jürgen haben sie zudem die Leidenschaft einverleibt, auch er ist im Vorstand aktiv. So wie Henkel, der seit mehreren Jahrzehnten im Vorstand tätig ist – mittlerweile noch immer als Beisitzer. Begonnen hat der dreifache Großvater seine Laufbahn aber auf dem Rasen. Bei der Wiedergründung 1967 war er bereits 23 Jahre alt, hat dabei erst mit dem Fußball angefangen. Erfahrungen hatte er nur wenige, mit dem heutigen Fußball sei es aber nicht mehr zu vergleichen. "Training hatten wir kaum und entsprechend auch kaum Kondition. Wir mussten deshalb vor einem Spiel aufpassen, dass wir uns nicht zu viel verausgaben", sagt der damalige Rechtsverteidiger mit einem Grinsen.

Die Mannschaft sei allerdings immer ein Highlight gewesen, obwohl nicht allzu viele Simmershäuser mit von der Partie waren. "Wir waren nur drei aus dem Ort. Der Rest kam von außerhalb. Schwierig war, dass viele keinen Führerschein hatten. So mussten wir sie meist abholen und wieder nach Hause fahren. An sich kein Problem, aber es wurde immer getrunken. Das war sehr grenzwertig. Aber zum Glück waren die Kontrollen damals nicht so scharf", erinnert sich Henkel genauestens zurück. Genauso wie an einen großen Erfolg 1989, als die SGS nach einem 1:1 in Hettenhausen als Meister feststand und in die B-Liga aufstieg. "Die Rückfahrt war außergewöhnlich lang. Dann sind wir übers Köpfchen (Berg bei Simmershausen, Anm. d. Red.) gefahren und haben im Dorf schon die vier Cabrios gesehen. Es gab einen Autokorso und bei der Wirtschaft wurde in Windeseile ein Zelt aufgebaut. Das alles wurde improvisiert und war eine super Sache", sagt er rückblickend.

Lob kommt von Herzen

Henkel selbst war da allerdings nur noch bei den Alten Herren aktiv. Bereits zuvor engagierte er sich als Obmann bei der Ersten sowie als Platzwart. Seit 1972 – mit der einen oder anderen Unterbrechung – ist er für das Grün in Simmershausen zuständig. Die kurze Anreise von gerade einmal 150 Metern machen es ihm leicht. Dabei beginnt der Tag im Sommer gerne einmal um 5 Uhr morgens. "Da lege ich die Schläuche für die Bewässerung. Das ist bei uns alles etwas kompliziert und mühevoll", weiß er. Stunden noch und nöcher verbringt er am Sportgelände. "Wenn daheim das Telefon für mich klingelt und ich nicht da bin, sagt meine Frau immer, dass ich am Sportplatz anzutreffen bin", berichtet Henkel.

Die viele Arbeit – ob am oder neben dem Platz – macht der 74-Jährige jedoch liebend gern. "Die Zeit nehme ich mir", so Henkel. Und stolz macht ihn, wenn seine Arbeit honoriert wird. Nicht mit Geld, sondern vielmehr mit Schulterklopfern. "Es kommt bei den Leuten von Herzen. Das macht es aus", gibt er preis. Dass er gar noch als zweiter Kassierer lange und Ende der achtziger Jahre als Vereinswirt tätig war, geht bei den gesammelten Erlebnissen beinahe unter.

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