Tino Jäger und der ESV Hönebach

Ehrlichkeit, Wohlfühlfaktor und gestiegenes Interesse

20. Dezember 2020, 08:59 Uhr

Tino Jäger ist nach Romeo Andrjiasevic dienstältester Trainer in der Gruppenliga und hat noch lange nicht genug vom ESV Hönebach. Foto: Oliver Müller

Tino Jäger ist nicht mehr wegzudenken beim Gruppenligisten ESV Hönebach. Der 39-Jährige geht im Sommer in seine sechste Spielzeit bei den Eisenbahnern. Wie die aktuelle Stimmungslage im Verein und bei ihm selbst ist, beantwortet uns der Erfolgstrainer im Interview.

Tino, im Februar 2016 hast du beim ESV Hönebach angeheuert. Kannst du dich überhaupt noch an das damalige Team erinnern?

Allerdings. Ich bin vollkommen unwissend und unbefleckt im Verein angekommen, hatte nahezu keine Infos. Ich habe aber ein Umfeld angetroffen, welches absolut intakt und familiär war. Ich beschreibe es gerne als kuschelig. Es hatte seinen Charme. Aber nicht nur das Umfeld, sondern auch die Mannschaft war super. Von Beginn an war es ein verschworener Haufen. Ein Riesenvorteil war und ist nach wie vor, dass viele Jungs direkt aus dem Ort kommen. Ein fußballerisch starker Jahrgang prägt den ESV und mit diesem kann ich super arbeiten. Außerdem lief es damals schon, ich habe Hönebach in der Halbserie als Tabellenführer übernommen.

Du sprichst es an. Damals stand die A-Liga, mittlerweile mit einem Großteil der Mannschaft die Gruppenliga.

Dass wir solche Sprünge machen, hätte wohl niemand im Verein vor fünf Jahren gedacht. Zuvor hat Hönebach zwischen der Kreisober- und A-Liga gependelt. Wir wollten es schaffen, dass sich der Club in der Kreisoberliga etabliert. Jung, talentiert und entwicklungsfähig waren die Spieler ohne Frage. Dass wir diese Entwicklung nun genommen haben, ist harte Arbeit. Da stelle ich aber nicht mich in den Vordergrund, sondern die Jungs. Gruppenliga zu spielen, hat sich jeder von ihnen mal erträumt oder gewünscht. Nun haben sie es mit ihrem Heimatort geschafft.

Entsprechend euphorisch ist das Umfeld nach wie vor?

Absolut. Das zeigt sich in unseren Zuschauerzahlen. Dreimal waren wir ausverkauft, in den anderen drei Partien waren wir nah dran. Dabei hatten wir unsere Bedenken, weil von auswärts nicht die großen Massen mitkommen. Dafür aber kommen aus der Region immer wieder Leute. Sie sind ob unserer Leistungen erwartungsfroh. Die älteren Zuschauer denken gerne an frühere Zeiten zurück, als Hönebach schon einmal auf einem ähnlichen Level gespielt hat. Unterm Strich ist alles sehr positiv, wir haben uns interessanter gemacht.

Sportlich war fast klar, dass du bleibst. Hast du dennoch überlegt aufzuhören?

Gedanken in jegliche Richtungen macht man sich natürlich immer. Ich betone stets, dass die Familie und der Beruf wichtig sind und dass anschließend der Fußball kommt. Und in Hönebach lässt sich nach wie vor alles perfekt miteinander vereinbaren. Den ESV macht nicht nur der Fußball aus, sondern noch andere Dinge, die nebenher passieren. Sportlich ist es so, dass der Vorstand und ich noch eine weitere Entwicklungsstufe in der Mannschaft sehen. Diese wollen wir gemeinsam erreichen. Und wenn wir ehrlich sind, war das Kalenderjahr 2020 fast wie eine Art Pause.

Hättest du einen anderen Weg einschlagen können?

Anfragen gab es, aber es ist nichts davon konkret geworden. Mein erster Ansprechpartner ist immer der ESV. Der Wohlfühlfaktor ist für mich wichtiger als ein paar Euros.

Hast du eine Zauberformel, dass es nach fünf Jahren noch immer läuft?

Das Wichtigste, und das habe ich den Jungs vom ersten Tag an vermittelt, ist die Ehrlichkeit. Ich bin gegenüber der Mannschaft ehrlich, also erwarte ich es andersherum genauso. Gleiches gilt beim Umfeld. Und ich denke, das funktioniert sehr gut. Sonst würde der Erfolg wohl nicht so aussehen. Zwar ist Ehrlichkeit nicht immer der schönste Weg, aber der beste.

Das hört sich an, als sei auch nach dem sechsten Jahr noch nicht Schluss?

Was passiert, lässt sich schwer vorhersagen. Zum jetzigen Stand kann ich es mir vorstellen, noch länger zu bleiben. Allerdings müssen beide Seiten schauen, wie die kommenden Monate laufen. Seit 2016 erleben wir eine Phase, in der wir stetigen Erfolg haben. Was passiert also, wenn einmal Misserfolg eintritt? Das wird eine neue Herausforderung, wenngleich ich denke, dass wir charakterlich stark genug dafür sind. An oberster Steller steht nun, dass wir Hönebach in der Gruppenliga etablieren. Außerdem muss eine Weiterentwicklung stattfinden. Nicht nur auf, sondern ebenfalls neben dem Platz. Solange es allen Spaß macht, machen wir sicherlich weiter.

Kommentieren