Pepic-Einsatz schlägt Wellen

Ein irrwitziger Rechtsfall

14. September 2020, 20:58 Uhr

Niko Pepic kann wohl am wenigsten für die missliche Situation.

Pokalspiele sind Pflichtspiele. Das weiß ein jeder Fußballfunktionär und erst recht die Sportgerichtsbarkeit? Nein, wie ein aktueller Fall zeigt, der hohe Wellen schlagen könnte.

Niko Pepic, Akteur der SG Festspielstadt, sah im Kreispokalfinale in Bebra Ende August Rot und wurde für zwei Spiele gesperrt. Spiel eins saß er am ersten Spieltag der neuen KOL-Nord-Saison ab, Spiel zwei hätte auch aus Sicht der Hersfelder am vorvergangenen Sonntag gegen die SG Dittlofrod/Körnbach folgen sollen. Festspielstadts Trainer Thorsten Hüter sagt, dass er Pepic nicht am Zettel hatte für das Spiel gegen Dittlofrod, bis er von einer Whats-App-Nachricht des Sportgerichtsvorsitzenden Wilfried Olschewski proaktiv darüber informiert worden sei, Pepic einsetzen zu dürfen. Spanisch sei ihm das vorgekommen, weswegen er sich telefonisch bei Olschewski rückversichert hätte. Hüter schenkte dem Funktionär Glaube, trug Pepic im Spielbericht nach und wechselte ihn ein. Pepic half mit, dass die Aufholjagd mit einem Punkt belohnt wurde.

Tags später fragte Dittlofrod/Körnbach bei Klassenleiter Karl-Heinz Blumhagen nach, ob Pepic spielberechtigt gewesen sei. Blumhagen leitete den Vorgang an Olschewski weiter, der am gleichen Tage eine Antwort an die SG versandt. In der teils widersprüchlichen Begründung schreibt Olschewski, dass Kreispokalspiele keine Pflichtspiele seien, um im nachfolgenden Satz zu erklären, dass Pepic in jenem Finale eine Sperre von zwei Pflichtspielen erhalten hätte.

Spielordnung spricht andere Sprache

Olschewski begründet den seiner Meinung nach rechtmäßigen Einsatz von Pepic damit, dass er das erste Spiel im ersten KOL-Spiel und das zweite Spiel im ersten Spiel der zweiten Mannschaft abgesessen hätte. Dies führt er darauf zurück, dass bei Sperren aus Freundschaftsspielen entweder eine Zeitsperre greift oder aber zur Ableistung der (in diesem Fall zwei) Spiele alle Meisterschaftsspiele des Vereins im Seniorenbereich zu zählen seien – also auch das B-Liga-Spiel. Die Spielordnung sagt jedoch etwas anderes, dort ist in §88 geregelt, dass Pokalspiele Pflichtspiele sind. An anderer Stelle steht zudem, dass Sperren bei dem Team abzusitzen sind, bei dem sie fällig wurden. In diesem Fall bei der ersten Mannschaft.

Dies rief nun wieder die SG Dittlofrod/Körnbach auf den Plan, die den Verband zur Klärung einschaltete. Eine Nachfrage unserer Zeitung bei Tim Stehl, Referent für Recht und Sportgerichtsbarkeit, ergab, dass ein „Verfahren wegen des Verdachts auf Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers eingeleitet wurde“. Und da es sich um einen Fall aus der KOL handle, sei das dortige Sportgericht zuständig. Also: Wilfried Olschewski mit seinem Team.

"Wir sollten auf die Funktionäre vertrauen können"

Eine Nachfrage bei Olschewski ergab wenig Neues: „Meine Rechtsauffassung habe ich Dittlofrod/Körnbach in dem Schreiben erläutert. Mehr kann ich dazu nicht sagen, da ich auch nicht mehr zuständig bin.“ Ob Olschewski zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass seinem Sportgericht der Fall übertragen wurde, oder ob er den Fall bereits an eine andere Instanz abgegeben hat, was möglich ist, ist offen.

Die Konsequenzen scheinen aber schon jetzt klar: Da die Spielordnung eine deutliche Sprache spricht, wird das Spiel mit hoher Wahrscheinlichkeit für Dittlofrod/Körnbach gewertet. Gleichzeitig muss die SG Festspielstadt bangen, schließlich könnte nicht nur der Punkt weg sein, sondern neben einer Geldstrafe für den Verein auch Pepic eine neuerliche Sperre drohen. „Bitter enttäuscht“ ist Hüter, der sagt, „dass ich mit dem Punkt Abzug noch leben könnte, mich aber frage, was ist, wenn wir wirklich noch eine Strafe und weitere Sperre kassieren. Da können wir doch eigentlich aufhören. Es sollte so sein, dass wir auf die Aussagen der Funktionäre vertrauen können.“

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