Hessenliga: Rodlers klare Statements

Ein No-Go und ein Prinzip

05. November 2020, 17:58 Uhr

Dem FC Eddersheim ging es schon besser: sportlich und finanziell. Foto: Charlie Rolff

Der FC Eddersheim kränkelt: sportlich wie finanziell. Sportlich, weil der Vorjahresdritte als Hessenliga-Aufstiegskandidat gehandelt wurde, sich nun aber am vorletzten Platz wiederfindet. Finanziell, weil durch Zuschauerbegrenzung und Geisterspiele Geld in der Kasse fehlt. Der Sportliche Leiter Erich Rodler ist um klare Statements nicht verlegen.

Erich Rodler über...

... die sportlich verfahrene Situation.

Die ist leicht analysiert. Wir haben personell wirklich gelitten: Mit Daniel Henrich und Patrick Hilser haben unsere zwei regionalligaerfahrenen Sechser zusammen nur zwei Spiele bestritten, auch ihr erster Ersatz Hendrik Dechert konnte quasi nicht spielen. Dazu hatte sich Torjäger Turgay Akbulut schon im ersten Training der Vorbereitung verletzt, somit in der Vorbereitung nicht trainiert und konnte entsprechend durch die vielen Spiele nie die notwendige Fitness erlangen. Und als dann in den Spielen gegen Dreieich und Fernwald binnen weniger Tage noch zweimal der Ausgleich mit der letzten Aktion fiel, kam zu dem Spielpech auch noch der Kopf hinzu.

... die Entlassung von Rouven Leopold.

Rouven hat vier Jahre lang tolle Arbeit geleistet. Das wissen wir sehr zu schätzen. Wir können aber nicht tatenlos zusehen und auf Zeit spielen. Vielleicht bleiben uns nur noch sieben Spiele, um die Liga zu halten, falls tatsächlich nur die Hinrunde gewertet würde. Wenn ich wüsste, dass wir 38 Spiele Zeit für das Erreichen des Klassenerhalts hätten, wäre die Trainerentscheidung sicherlich anders ausgefallen. So aber mussten wir handeln.

... einen Leopold-Nachfolger.

Wir sind keineswegs in der Situation, dass wir sofort handeln müssen. Die Corona-Pause hat uns sicherlich drei, vier Wochen mehr Zeit eingeräumt. Zudem ist es Fakt, dass wir mit Marcel Kaffenberger und Peter Rufa zwei wirklich erfahrene Männer im Trainerteam wissen und entsprechend keineswegs handlungsunfähig sind. Wir haben jetzt erst einmal die Geschichte mit Rouven sauber über die Bühne gebracht und jetzt harren wir ein wenig der Dinge, die wir überhaupt nicht voraussehen können.

... eine mögliche Saisonfortsetzung.

Ich bin auch kein Hellseher, kann keinesfalls sagen, wie die Situation im Frühjahr sein wird. Dass es kaum möglich sein wird, die noch ausstehenden 27 Spiele durchzubringen, weiß auch ich. Allerdings sehe ich es als absolute Ungerechtigkeit an, würde eine Saison, die eigentlich 38 Spiele umfasst, nach 19 Spielen mit dann insgesamt sechs Absteigern gewertet. Ich weiß auch gar nicht, ob so etwas rechtlich wirklich haltbar wäre. Fakt ist, dass ich schon vor der Saison ein Verfechter war, die Liga zu teilen, dann hätten wir es jetzt leichter. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, die Hinrunde zu Ende und anschließend Play-offs und Play-downs zu spielen. Das wäre etwas gerechter.

... die finanzielle Situation.

Wir haben schon in den ersten beiden Heimspielen gegen Barockstadt und Zeilsheim tausende Euro verloren, weil wir nur 250 Zuschauer zulassen durften. Später waren es dann nur noch 100 und als in Hünfeld noch 750 gegen Barockstadt zuschauen durften, hatten wir schon Geisterspiele. Ich brauche niemandem zu erzählen, dass uns das richtig Geld gekostet hat, aber wir arbeiten hart und werden garantiert durch die Saison kommen.

... Spiele ohne Zuschauer.

Die sind für mich ein absolutes No-Go und bereiten keinen Spaß. Ich habe erlebt, wie unsere zweite Mannschaft das Gruppenliga-Derby schlechthin gegen Diedenbergen auf unserem Kunstrasen spielte, dann bestimmt 150, 200 Leute hinter dem Zaun standen und ihr mitgebrachtes Bier tranken, wir aber keinen Cent verdienten und noch den Schiedsrichter zahlen mussten. Auch die Atmosphäre ist für mich völlig ernüchternd. Ich schaue auch keine Bundesliga mehr am TV. Es fehlt alles.

... weitere Geisterspiele in der Rückrunde.

In der jüngsten Videokonferenz der Hessenliga hörte ich heraus, dass es vielleicht tatsächlich Hessenligisten gibt, die so etwas mittrügen. Können wir in der Rückrunde keine Zuschauer zulassen, dann würden wir abmelden. Nicht, weil wir es uns nicht leisten können, sondern weil es dann ums Prinzip gehen würde. Das Geld könnte sich der Verein sparen.

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