Timo Wlodarczak

„Ein Privileg, jetzt Teil des Fußballs zu sein“

13. Januar 2021, 14:14 Uhr

Foto: Charlie Rolff

Sportler aus Osthessen, die aktuell ihrer Leidenschaft im Wettkampf nachgehen dürfen, sind fast an einer Hand abzuzählen. Drei dieser vermeintlichen Glückspilze sind die Regionalliga-Schiedsrichter Joshua Herbert (Schwarzbach), Dennis Meinhardt (Flieden) und Timo Wlodarczak (Weiterode). Mit Wlodarczak, der sogar als Drittliga-Assistent aktiv ist, haben wir über das Privileg und die Hindernisse gesprochen.

Wie oft wurdest du in den vergangenen Monaten auf das Corona-Virus getestet?

Bestimmt 15- bis 20-Mal. Ich habe daher eine relativ gute Kontrolle darüber, wie mein Gesundheitszustand hinsichtlich des Virus ist.

Und warum wurdest du so oft getestet?

Wie jeder andere Teilnehmer eines Spiels in der 3. Liga, muss ich vor dem Spiel einen negativen Test vorweisen können. Wenn ich also samstags ein Spiel in der 3. Liga habe, muss ich mich freitags testen lassen.

Also mal schnell zum Arzt?

Von wegen! Das ist mit ziemlichem Aufwand verbunden. Weil ich in Bebra wohne und sich kein Verein der 1., 2. oder 3. Liga in der Nähe befindet, muss ich schon etwas weiter reisen. Mittlerweile bevorzuge ich Jena, dort gibt es ein Labor, in dem ich mich testen lassen darf. Das heißt für mich, dass ich vor der Arbeit nach Jena fahre, den Test machen lasse und wieder zurückfahre. Bevor ich im Büro sitze, habe ich schon 300 Kilometer Autofahrt und zehn Sekunden Test hinter mir.

Das gilt aber nur für die 3. Liga?

In der Regionalliga gestaltet sich das etwas anders. Dort lassen wir Schiedsrichter uns mittlerweile ebenfalls testen, haben hierbei die Möglichkeit, dies am Tag vor dem Spiel gemeinsam mit einem Regionalliga-Team durchführen zu lassen. Da führt mich die Reise zum KSV Hessen Kassel. Das ist etwas kürzer als Jena.

Klingt nach einer Menge zusätzlichem Stress. Was ist in der Spielvorbereitung noch anders?

So gut es geht, versuche ich bei An- und Abreise auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten. Manchmal ist das nicht möglich, aber wenn es sich anbietet, reise ich mit dem PKW an. Zusätzlich versuche ich Übernachtungen vor und nach den Spielen zu meiden. Ich bin beispielsweise nach einem Wochentagsspiel in Kaiserslautern spätabends noch nach Hause gefahren. Das Motto ist, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Und wo liegen die Unterschiede im Stadion?

Es gibt keine Schiedsrichterbetreuung. Zudem herrscht Maskenpflicht an allen Ecken und Enden, obwohl nur Menschen vor Ort sind, die einen Negativtest vorweisen können. Und natürlich ist die Atmosphäre eine andere, wenn statt 25.000 Zuschauern auf dem Betzenberg kein einziger ist.

Macht es deshalb weniger Spaß?

Was heißt weniger Spaß? Wir Schiedsrichter und Assistenten werden vor die exakt gleichen Herausforderungen wie sonst gestellt. Aber ganz klar: Wir Schiedsrichter laufen genauso wie die Spieler lieber in ein volles Stadion ein. Und zumindest ich empfinde es als absolutes Privileg, dass ich in der aktuellen Zeit meiner Leidenschaft nachgehen darf. Es wird deutlich, dass Dinge, die lange selbstverständlich schienen, es schlichtweg nicht mehr sind. Deswegen bleibt der Wunsch, dass die Inzidenzzahlen schon bald wieder Amateurfußball und Zuschauer in den Stadien zulassen.

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