Ursachenforschung

Eine Frage der mentalen Stärke

Hessenliga: Barockstadt-Bezwinger Dreieich nun Jäger statt Opfer

07. Oktober 2019, 10:00 Uhr

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die beiden Dreieicher Abwehrleute Ghani Wessam Abdul (links) und Denis Streker nehmen ihren total blassen Ex-Kollegen Yves Böttler in die Mangell. Foto: Christian Halling

Irgendwo zwischen fehlender Einstellung, Müdigkeit und Unterschätzen des Gegners hat am Samstag der Auftritt der enttäuschenden Barockstadt-Mannschaft gelegen, die im Hahn Air Sportpark zu Dreieich völlig verdient ihre erste Saisonniederlage bezog.

So gut behütet wie die Zuschauer auf dem Sportgelände waren sich wohl auch die Fuldaer Spieler während der 90 Minuten vorgekommen: Gefühlt 50 Security-Kräfte – diese übertriebenen Standards rühren wohl noch aus dem Regionalligajahr her – hatten ein Auge auf die gerade mal 336 Besucher, während sich die jeder einzelne Akteur der SG Barockstadt fast immer zwei Gegenspielern ausgesetzt sah. Das Bittere daran aus Gästesicht: Letztgenannter Eindruck erhärtete sich ab der 19. Minute, obwohl in diesem Augenblick der Dreieicher Mateusz Malkiewicz nach grobem Foul an Patrick Broschke vertretbarerweise die Rote Karte von Referee Gahis Safi gesehen hatte.

Die schlecht in die Saison gestarteten Hessen durften sich vom Unparteiischen aus Erlensee, der die Karten locker sitzen hatte, vor allem im ersten Durchgang schon ein wenig benachteiligt fühlen. Es wäre daher ein Leichtes für die Heimelf gewesen, sich – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – in die Opferrolle zu fügen. „Ich will aber von den Jungs, dass wir wie Jäger agieren. Und heute waren wir das endlich“, freute sich der siegreiche Trainer Lars Schmidt, dessen Spieler den Frust ob Unterzahl aus ihrer Sicht richtig kanalisierten und fortan noch energischer jedem Ball und Gegner hinterherjagten.

Fulda hingegen war schon nicht gut ins Spiel gekommen und spielte mit Elf gegen Zehn noch schlechter. Bei den Gegentoren von Tino Lagator und Toni Reljic wurde naiv verteidigt, mit Ball agierte die Elf von Sedat Gören zu lethargisch. Nach dem Platzverweis war das Vertikalspiel gegen die dann sehr tief stehenden Hausherren gar nicht mehr existent. Neben dem an ihn selbst verursachten Foulelfmeter des Ex-Dreieichers André Fließ brachten die Gäste nur zwei weitere Chancen durch Broschke und Fuß zuwege. Yves Böttler, abermals für den weiterhin angeschlagenen Dominik Rummel in vorderster Front aufgeboten, war gänzlich abgemeldet.

„Das war bei uns nicht flüssig, Dreieich war in Unterzahl immer fünf bis zehn Schritte schneller. Im mentalen Bereich waren wir nicht hundertprozentig da“, hatte Sedat Gören erkannt. Gewarnt habe er seine Mannschaft schon vor dem Gegner – ungeachtet des Dreieicher Pokal-Aus zwei Tage zuvor in Weidenhausen: „Die Hälfte der Mannschaft sind Spieler, die vor zwei Jahren Hessenmeister wurden.“ Ob es ein Fehler war, nur zwei Tage nach dem kräftezehrenden 2:2 in Eddersheim wieder genau die gleiche Elf gebracht zu haben, anstatt hier und da zu rotieren? Möglich, wobei der SGB-Coach betonte, „dass wir genügend Spieler haben, die ihre Qualität während einer englischen Woche imstande sind abzurufen.“

Autor: Christian Halling

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