Kommentar zur HFV-Abstimmung

Eine Politik wie beim DFB

11. Juni 2021, 16:20 Uhr

Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann

Das Verhalten des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) in der Aufsteigerfrage zur Regionalliga ist äußerst fragwürdig. Das findet zumindest Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann, der die Verantwortlichen in einem Kommentar scharf kritisiert.

Was haben DFB und HFV gemeinsam? Bei beiden Verbänden steht nicht mehr der Fußball im Fokus, sondern politische Machtkämpfe. Da muss man sich nur den jüngsten Wechsel auf der Position des Hessenliga-Klassenleiters anschauen, wo Matthias Bausch regelrecht aus dem Amt gedrängt wurde. Außerdem ist das Bild, das DFB und HFV in der Öffentlichkeit abgeben, katastrophal.

Der HFV betonte stets, sich für seine Vereine einzusetzen. Doch als Barockstadt die Unterstützung des Verbands brauchte, blieb sie aus. Dass sich die Verantwortlichen dafür ausgesprochen haben, eine 50-prozentige Austragung der angesetzten Spiele als Bewertungsgrundlage für die Wertung der Regionalliga-Saison zu bestimmen, ist durchaus verständlich. Das haben Baden, Württemberg und Südbaden auch getan. Der Aufschrei dort war aber deutlich kleiner. Weil die Verbände dies recht offen kommuniziert hatten.

Im Gegensatz zum HFV. Noch schlimmer: Das Präsidium erklärte bis heute nicht, wie es zur Abstimmung kam. Hätte die SGB nicht geklagt, wären die Protokolle vor Gericht vielleicht nie offengelegt worden, und dann wäre der HFV gut davongekommen. Ist er jetzt aber nicht, ganz im Gegenteil. Verdient hätte er es, wenn jetzt in der Führungsebene ein ähnliches Stühlerücken ansteht wie beim DFB. Ein perfektes Bewerbungsschreiben für einen Posten in der Otto-Fleck-Schneise 6 haben die Verantwortlichen, die momentan in Hausnummer 4 ihre Arbeitsstelle haben, jedenfalls abgegeben.

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13.06.2021 - 09:24 - Dieter Elsenbast

Zudem Kommentar des Redakteurs Kollmann sowie den weiteren Ausführungen des früheren Klassenleiters Matthias Bausch sind einige Anmerkungen erforderlich.
In die Entscheidung zu dem Abstimmungsverhalten in der Gesellschafterversammlung der Regionalliga GbR für den HFV war der Verbandsvorstand nicht eingebunden, insoweit geht der Vorwurf an die Gesamtheit der ehrenamtlichen Mitarbeiter im HFV an den Gegebenheiten völlig vorbei. Es kann lediglich auf die Presseerklärung des Verbandes verwiesen werden.
Die wiederholten Unterstellungen, der vormalige Klassenleiter Matthias Bausch „sei regelrecht aus dem Amt gedrängt worden“ bedürfen allerdings einiger Erhellung, da hier ein „Opfermythos“ aufgebaut wird, der nicht den sachlichen Gegebenheiten entspricht. Matthias Bausch war als Regionalbeauftragter der Region Wiesbaden im zuständigen Ausschuss benannt und dort als stv. Ausschussvorsitzender gewählt. Er hat in dieser Funktion darauf hingewirkt, dass Verbandsklassen nur von Mitgliedern dieses Ausschusses geleitet werden können. In der Funktion als Regionalbeauftragter war er zudem Klassenleiter der Gruppenliga Wiesbaden.
Die in der Region durch die Kreisfußballwarte vorzunehmende Wahl des Regionalbeauftragten wird nach Ablauf der Amtszeit vor dem Verbandstag durchgeführt. Die Regionen Frankfurt und Kassel hatten diese Wahl bereits 2020 gewählt, die Regionen Darmstadt und Gießen/Marburg im April/Mai 2021. Da Matthias Bausch erklärt hatte, nicht wieder als Regionalbeauftragter zur Verfügung zustehen, da er beabsichtigte die Nachfolge von Jürgen Radeck anzutreten- was keineswegs gesichert gewesen wäre -,waren die Kreisfußballwarte der Region Wiesbaden gehalten, einen anderen Sportkameraden zu benennen. Die Wahl war zunächst für Oktober 2020 angesetzt, musste dann aus Krankheitsgründen verschoben werden. Es war insoweit schon seit Monaten bekannt, dass die Region Wiesbaden einen Regionalbeauftragten wählen wird, es war insoweit auch bekannt, dass mit einer Wahl die Funktionen des Sportkameraden Bausch in dem zuständigen Ausschuss ein Ende finden wird, was vom ihm auch so gefordert worden war. Die Wahl spätestens im Mai 2021 war notwendig, da für die Saisonvorbereitung der Gruppenliga Wiesbaden ein neuer Klassenleiter zeitnah bestimmt werden musste. Dies wurde dann umgesetzt. Nach der durchgeführten Wahl des Regionalbeauftragten sah sich Matthias Bausch gehalten von allen Ämtern zurückzutreten, deren er allerdings bereits durch die Wahl schon verlustig gegangen war. Der Präsident hat ihn einem Interview geäußert, dass im Präsidium beabsichtigt war, eine weitere Einbindung zu prüfen. Diese wurde durch die Aussage von Matthias Bausch hinfällig. Unwürdig ist es allerdings nunmehr in dieser Art und Weise „ nachzutreten“, war er doch über ein. Jahrzehnt in dem vom ihm nunmehr vehement kritisierten System in seiner Funktion ein wesentlicher Bestandteil.
Sich jetzt als Opfer zu gerieren ist wenig überzeugend.

Dieter Elsenbast
Kreisfußballwart Wiesbaden