19.01.2018

Einer, der seine Sehnsüchte lebt

„Teddy“ Metzler liebt die Natur weit mehr als den Fußball

"Teddy" Metzler ist ganz bei sich – und genießt die unberührten Schönheiten unserer Erde. Foto: privat

Die Erinnerungen von Johannes „Teddy“ Metzler sind noch frisch: An seine fußballerischen Highlights, an sein „Friedel-Rausch-Erlebnis“, aber vor allem an die sensationellen Eindrücke, die er in den vergangenen Jahren in Kanada, Neuseeland oder Norwegen sammeln konnte. Der 29-Jährige hat sein Leben dem Wandern verschrieben.

Nein, „Teddy“ Metzler hat sich in seinem Wesen nicht verändert: Er ist noch immer der charmante Kerl mit dem ewig breiten Grinsen, dem Bart, den langen Haaren. Jemand, der dem Idealbild eines „Alternativen“ entspricht. Auch weil der gebürtige Gackenhofer immer noch getreu dem Motto lebt: „Job suchen, Geld verdienen, Job kündigen, Geld ausgeben. Und wieder von vorne.“ Das Geld gibt er größtenteils für seine Wandertouren aus. Dafür benötigt er aber gar nicht viel, denn Metzler schläft im Zelt, bekocht sich selbst, lebt monatelang minimalistisch mit der Natur im Einklang. Nachdem er zunächst Kanada bereist hatte, durchquerte er Neuseeland einmal komplett. Sieben Monate, 3000 Kilometer. Unvergessene Eindrücke aus dem Land der Hobbits.

Noch straffer war allerdings sein Programm im vergangenen Sommer: Norwegen von der Südspitze bis zum Nordkapp in 70 Tagen. Nur zu Fuß. 2700 Kilometer. Keine Handvoll Menschen traut sich pro Jahr an jene extreme Herausforderung für Körper und Geist heran. Für Metzler hingegen war die Reise das reinste Vergnügen, wenngleich er mit extrem schwierigen Bedingungen zu kämpfen hatte. „Ich bin am 1. Juni gestartet, zuvor hatte Norwegen einen der härtesten Winter durchlebt, weshalb ich im ersten Monat fast nur durch Schnee, teilweise fünf Meter tief, gelaufen bin und insgesamt vielleicht zehn Tage ohne Regen erleben durfte“, berichtet einer, der bei seinen extremen Touren fast ausschließlich allein unterwegs ist und dabei permanent über 25 Kilo Gepäck am Rücken trägt.

Yoga ist der Ruhepol in den stressigen Tagen

Doch dafür kann er bei seinen Reisen allen anderen Ballast abwerfen. Viel staut sich bei dem positiv Verrückten allerdings auch in den Zeiten des Arbeitens nicht auf. Seit drei Monaten verdient der mit einem Bachelor-Abschluss ausgestattete BWLer seine Brötchen beispielsweise in Amsterdam, seiner Lieblingsstadt. Dort, wo er schon einmal für 18 Monate gelebt hat. Und da seine Freundin als Yoga-Lehrerin in Südtirol arbeitet, verbringt er seine freie Zeit in Italien. Metzler lebt ein Leben, von dem viele träumen, aber kaum einer den Mut aufbringt, diese Träume zu realisieren. Sehnsüchte setzt er einfach in die Tat um. Keine Angst vor Morgen, viel lieber absolute Glückseligkeit im Jetzt.

Warum er sich für „teddygoeshiking“ – so sein Instagram-Name – entschieden hat? „Weil ich die Natur liebe, immer schon gerne Sport gemacht habe und mich so auch ein wenig verwirklichen kann“, sagt Metzler, der mittlerweile auch extrem viel Yoga macht. Auch eine Variante, um ganz bei sich zu sein, ohne bis nach Norwegen reisen zu müssen. Weil er bei Instagram immer wieder begeisternde Landschaftsaufnahmen postet und beispielsweise über seine Norwegen-Reise einen knapp 40-minütigen Film mit phänomenalen Landschaftsaufnahmen abgedreht hat, ist mittlerweile sogar die englische Ausrüsterfirma „sprayway“ auf ihn aufmerksam geworden, die ihn sponsert.

Hundebiss, Dreierpack gegen Altstadt-Wirt und besonderer Premierentreffer

Zeit für Fußball bleibt somit nicht viel, schon gar nicht in Osthessen. Dort begann einst seine Laufbahn. Beim TSV Poppenhausen verpasste ihm sein erster Trainer den Spitznamen, der bis heute blieb – angelehnt an seinen früheren Nachnamen Teteruck. Beim TSV Pilgerzell spielte er als Jugendlicher schon Bezirksliga, mit Flieden II stieg er schnell in die Gruppenliga auf, mit Bachrain spielte er dort lange, mit Ehrenberg ebenfalls und nun liegt sein Pass seit einem knappem Jahr wieder in Pilgerzell, wo er im Mai immerhin mal wieder vier Reservespiele absolviert und dabei standesgemäß sieben Tore erzielt hat.

Und da schließt sich auch ein wenig der Kreis für ihn selbst: Erinnerungen an den Hundebiss – Metzler wurde ganz zu Beginn seiner Seniorenlaufbahn während des Spiels von einem Hund in die Kniekehle gebissen –, sein erstes Gruppenligaspiel, in dem ihm sogleich ein Dreierpack für Flieden II in Müs und dessen Keeper, Altstadt-Kneipier Jochen Köhler, gelang, an die beste Mannschaft mit der er gespielt hat – den Mahrs, Maierhofs und Links beim TSV Bachrain – und natürlich an sein erstes Gruppenligator für Ehrenberg weit in der Nachspielzeit zum 1:1-Endstand bei Ex-Club Bachrain.

„War eine geile Zeit“, sagt Metzler heute, „weil ich keine Station, keine Mannschaft missen will und nirgendwo mit bösem Blut gegangen bin“. Doch mittlerweile haben sich seine Prioritäten verschoben. Japan, Nepal und Patagonien heißen seine Sehnsuchtsorte. Sie werden es nicht bleiben. Das ist das einzige, was bei „Teddy“ Metzler sicher scheint.

Der Film über Teddy Metzlers Norwegen-Reise:

Autor: Johannes Götze

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