11.12.2018

Einstellung geht Buchonia zu oft ab

torgranate-Analyse: SV Flieden

Grafik: Carlos Viering

Ein ordentlicher Beginn, ein kapitaler Leistungsabfall und ein versöhnlicher Ausklang – so kann man die erste Halbserie des SV Flieden, der nebenbei noch einen Trainerwechsel vollzogen hat, zusammenfassen. In unserer torgranate-Analyse loten wir die Chancen der Buchonia auf einen neuerlichen Hessenliga-Klassenerhalt aus.

So lief die bisherige Runde:

Die zwei Derbysiege gegen Hünfeld (jeweils 2:0) in den erten vier Spielen sorgten zu Beginn des zweiten Hessenligajahres zunächst für ruhige Gemüter rund um den Weiher. Gegen Topteams wie Gießen (1:1), Baunatal (2:2) und Alzenau (3:4) zeigte die Buchonia, zu was sie imstande sein kein, allerdings hatten sich da schon unschöne Auftritte in Eddersheim (0:4) oder bei Türk Gücü Friedberg (0:3) in den Spielplan eingereiht. Nach dem Alzenau-Fight brach Flieden dann völlig ein, holte nur einen Punkt aus den folgenden acht Spielen, fiel zeitweise auf den letzten Platz zurück und ließ bei den meisten Auftritten auch die so oft gezeigte mentale Stärke vermissen.

Die Krise kostete dem lange so erfolgreichen Coach Meik Voll schließlich den Job, dem es letztlich nicht mehr gelungen war, die Mannschaft zu Erfolgen zu pushen. Auf die Interimslösung Sascha Gies folgte Zlatko Radic, der mit einem bitteren Ergebnis (2:4) bei Schlusslicht Ederbergland startete, um in den letzten beiden Heimspielen des Jahres mit Siegen gegen Eddersheim und Neu-Isenburg wieder Hoffnung in Sachen Klassenerhalt zu entfachen. Sieben Punkte Rückstand auf den Tabellenplatz zwölf, der definitiv zum Klassenerhalt reichen wird, sind ein hartes Brett, aber noch keine zu große Hypothek.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Da die Buchonia schon im Winter investiert hatte und nicht über derlei finanzielle Mittel verfügt wie andere Ligakonkurrenten, gestalteten sich die Transferaktivitäten der Fliedener im Sommer übersichtlich: Die Rückkehrer Tobias Rehm und Sebastian Pfeiffer sind Ergänzungsspieler, die Youngster Mike Weismantel (Schweinfurt) und Lucas Hagemann (A-Junioren Kickers Offenbach) deuteten ihr Potenzial hier und da an, können aber noch nicht die Kohlen aus dem Feuer holen. Kemal Sarvan (Lehnerz) wurde zum Königstransfer erklärt, konnte den Erwartungen aber auch wegen Verletzungsproblemen nie in Gänze gerecht werden. Mit dem Ukrainer Taras Zaviiskyi stieß während der Saison ein „Exot“ dazu, der Flieden spielerische Qualität verlieh, mit dem der Verein aber nach dessen abgelaufenem Visum vorerst nicht mehr plant.

In Erinnerung bleibt:

Die beiden Derbys gegen den HSV, in denen Flieden zwar nicht spielerisch brillierte, aber einfach ausgebuffter und konsequenter agierte als der Lokalrivale. Dazu die Heimspiele gegen Gießen und Alzenau, in den die Buchonen ihre Fans mit mitreißendem Einsatz und Spektakel verwöhnten. Auf der anderen Seite aber auch die vielen schwachen Auftritte bei „normalen“ Hessenligaspielen, in denen es den Buchonen nicht gelang, sich hochzufahren. Die Zäsur auf dem Trainerposten fiel den Verantwortlichen nicht leicht, lange hielt man an Meik Voll fest, war dieser doch nicht nur Trainer, sondern gefühlt Teammanager. Auf den ersten Blick erweist sich Neu-Coach Zlatko Radic jedoch als gute Lösung, der erfahrene Mann vom Balkan scheint das Team wachgeküsst zu haben.

Ausblick:

Die ersten drei Spiele 2019 sind kriegsentscheidend: Gegen Friedberg, Neu-Isenburg und Lohfelden sind im Grunde zwei Siege Pflicht, um die Nichtabstiegsplätze nicht völlig aus den Augen zu verlieren. In Sachen Kader wird es nicht viele Veränderungen geben: Weder Alexander Reith von der SG Barockstadt noch Muhamet Arifi (Stadtallendorf), stehen auf dem Fliedener Wunschzettel. „Kein Kontakt, kein Interesse. Ein fette Weihnachtsente“, entkräftet der stellvertretende Vorsitzende Frank Happ alle Gerüchte. Auf der anderen Seite ist unklar, ob die Fliedener noch mit Taras Zaviiskyi planen können, Kemal Sarvan liebäugelt wohl mit einer Rückkehr zur Barockstadt. Deshalb sind die Spieler, die teilweise schon seit Jahren zusammenwirken, gefordert. Mit der richtigen Einstellung kann Flieden seit jeher Berge versetzen – und auch in 2019 die Klasse halten.

Autor: Christian Halling

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