Torgranate-Analyse

Eng wie nie

Gruppenliga: Verrückter geht nimmer

14. Januar 2020, 20:06 Uhr

Zwei, die mit ihrem Teams in den Top fünf der Liga zu finden sind: Aulatals Moritz Wernick (links) und Großenlüders Christopher Ripka. Foto: Julian Belz

Schon der Blick auf die Tabelle verrät, dass die Gruppenliga in dieser Saison verrückt spielt. Was einerseits für jede Menge Spannung sorgt, zieht andererseits das Niveau insgesamt etwas herunter.

Die Lage

Zwischen Platz eins und dem ersten Abstiegsplatz liegen gerade einmal sieben Punkte. Und so könnte selbst die Reserve des Hünfelder SV auf dem ersten Abstiegsplatz noch als Geheimfavorit durchgehen. So eng war’s noch nie. Jeder kann jeden schlagen.

Top

Großenlüder wurde erst am letzten Spieltag des Jahres die Chance genommen, als Tabellenführer zu überwintern, weil Elters/Eckweisbach/Schwarzbach das Spiel absagen musste. Dass die Teutonen, vergangene Saison geradeso das Klassenziel erreicht, nun mit Titel-Außenseiterchancen ausgestattet sind, zeigt, was mit beständiger Jugendarbeit möglich ist. Fast alle Spieler haben schon in der Jugend das grüne Trikot übergestreift und zeigen auf dem Feld, dass sie ein echtes Team sind.

Flop

Dass der TSV Künzell nicht zu dem breiten Topfeld zählt, ist erstaunlich. Von vielen Experten als Geheimfavorit bezeichnet, steht der TSV mit nur zwei Siegen gar ganz am Ende der Tabelle. Und mit zwölf Punkten Rückstand bei nur noch zwölf ausstehenden Spielen scheint der Gang in die Kreisoberliga beinahe unvermeidlich. Der Rücktritt von Trainer Markus Pflanz hat sich rückblickend nicht bezahlt gemacht – zumindest nicht in Punkten.

In Erinnerung bleibt

Die starken Aufsteiger: Aulatal ist der Überraschungsdritte, Müs spielt als Sechster eine Saison, die so wohl niemand erwartet hätte. Dass Eiterfeld/Leimbach und Hünfeld II ebenfalls schon deutlich über 20 Punkte gesammelt haben, beweist, dass die Kluft zwischen Kreisoberliga und Gruppenliga deutlich geringer geworden ist.

Zahlenspiel

Wie ausgeglichen die Liga ist, wird auch und vor allem beim Blick auf die Torstatistiken deutlich: Thalau (+1), Aulatal (+2), FT Fulda (0) und Müs (+3) stehen mit sehr ausgeglichenen Tordifferenzen in den Top sechs der Liga. Dass Künzell ganz viele enge Spiele verloren hat, beweist ebenfalls die Tordifferenz von „nur“ -11. Kerzell und Hünfeld II sind in dieser Statistik deutlich schlechter. Eine echte Torgranate, die der ganzen Liga das Fürchten lehrt, hat die bisherige Serie nicht hervorgebracht. Nur sechs Spieler haben bislang zweistellig getroffen. Bester Schütze ist Julian Ankert, der 13 Tore auf dem Konto stehen hat. Seine Brüder Simon (8) und Valentin (5) zeigen sich ebenfalls treffsicher. Die fairste Mannschaft ist mal wieder FT Fulda: die mit Abstand wenigsten Verwarnungen, dazu nur jeweils eine Gelb-Rote und Rote Karte. Glücklich darf sich Schlüchtern/Elm schätzen, dass bei Gelb-Rot keine Sperre fällig wird, gleich zehn Spieler sahen die Ampelkarte. Der mit Abstand höchste Wert ligaweit. Apropos Schlüchtern/Elm: Bardo Hirsch und der Verein trennten sich in gegenseitigem Einvernehmen. Neben Künzell der einzige Trainerwechsel.

Ausblick

Wer Meister in dieser verrückten Liga wird, scheint vollkommen offen. Hosenfeld besitzt sicherlich qualitativ das größte Potential, muss fortan allerdings auf Topstürmer und Identifikationsfigur Benedikt Rützel verzichten, den es zu Verbandsligist Britannia Eichenzell zieht. Und in dieser verrückten Liga scheint eine völlige Überraschung nicht unmöglich. Im Abstiegskampf haben sich Schlüchtern/Elm, Freiensteinau, Kerzell und Künzell hingegen bereits etwas „abgesetzt“ und Minimum sieben Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Für das Quartett wird es schwierig, zumal eher von fünf als von drei Absteigern ausgegangen werden muss.

Autor: Johannes Götze

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