Meinhardt über Geisterspiele

"Es findet eine andere Kommunikation statt"

13. Januar 2021, 08:45 Uhr

Dennis Meinhardt war in den vergangenen Monaten häufiger Assistent als Schiedsrichter. Foto: Charlie Rolff

Sportler aus Osthessen, die aktuell ihrer Leidenschaft im Wettkampf nachgehen dürfen, sind fast an einer Hand abzuzählen. Drei dieser vermeintlichen Glückspilze sind die Regionalliga-Schiedsrichter Joshua Herbert (Schwarzbach), Dennis Meinhardt (Flieden) und Timo Wlodarczak (Weiterode). Meinhardt ist wie Wlodarczak zudem als Assistent in der Dritten Liga unterwegs.

"Ohne Zuschauer ist es extrem, denn davon lebt die Dritte Liga ja auch. Egal ob Magdeburg, Rostock oder Kaiserslautern, das ist schon ein riesiger Unterschied", betont Dennis Meinhardt, der sich nicht mehr durch die Kulisse in Wettkampfstimmung bringen kann, sondern das allein erledigen muss. Und wenn der Ball dann erst einmal rollt und jedes einzelne Wort zu vernehmen ist, ändert sich auch das Miteinander: "Es findet eine andere Kommunikation statt. Es macht einen Unterschied, da viel mehr wahrgenommen wird."

Der 28-Jährige war am Ende des vergangenen Jahres mehrfach im Gespann von Patrick Glaser (Wiesbaden) in Liga drei im Einsatz - mit dem er aufgrund der Corona-Empfehlungen nicht zusammen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto, sondern bestmöglich allein anreisen soll. Nun pfiff er vergangenes Wochenende in Koblenz erstmals wieder seit fast drei Monaten selbst. Eine ungewöhnlich lange Pause für den Fuldaer. "Man muss neben dem sportlichen Fithalten auch das Auge mitschulen und so diszipliniert sein, um sich zu Hause Videosequenzen anzusehen", macht Meinhardt klar.

In Koblenz war wieder ein Schiedsrichterbeobachter für den Referee des SV Flieden im Einsatz. Kontakt gab es zwischen beiden nicht unmittelbar nach dem Spiel. Wie in der Dritten Liga, wo sich zwei Beobachter von zu Hause aus zuschalten und mit Hilfe der Fernsehbilder analysierten, fand die Bewertung erst einen Tag später in Form von einer Videokonferenz statt. Dass die Unparteiischen weiter beobachtet werden, ist allein schon für den Auf- und Abstieg der Schwarzkittel wichtig, den es auch nach dieser ungewöhnlichen Saison geben wird. Die Videozusammenfassungen alleine reichen aufgrund der Qualität dort aber nicht aus, anders als in Liga drei.

Meinhardt befürchtet keinen Schiedsricherschwund

Apropos ungewöhnliche Saison: Seit Sommer ist Meinhardt neben seiner eigenen Schiedsrichter-Tätigkeit zudem Regionallehrwart. Regelmäßigen persönlichen Austausch mit seinen Kollegen gab es seitdem aber nicht. "Mit der Leistungsprüfung fand genau eine Präsenzsitzung statt. Sonst gibt es nur digitale Sitzungen, wobei wir durch weitere Online-Angebote versuchen, in kleineren Gruppen individuell zu arbeiten. Wichtig ist, dass die Leute dranbleiben."

Wenn es dann wieder los geht, ist es geplant, die Schiedsrichter im Vorfeld mit Hilfe von Videoszenen zu schulen. Einen Schiedsrichterschwund aufgrund der langen Fußballpause befürchtet der Lehrer nicht. "Die meisten sind heiß und wollen unbedingt, dass es bald wieder los geht. Auf Regionsebene habe ich nicht das Gefühl, dass Schiedsrichter aufhören werden."

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