Hessenliga: Sicajas goldenes Händchen

Eshele-Show beendet Barockstadts Monsterserie – Fotos

02. Oktober 2021, 14:50 Uhr

Barockstadts Moritz Reinhard (links) und Jan Vogel (hinten) mussten gegen Stadtallendorfs Christopher Schadeberg die erste Pleite hinnehmen. Foto: Charlie Rolff

Die SG Barockstadt kann doch noch verlieren – diese schmerzliche Erfahrung sammelte die Gören-Elf im zehnten Saisonspiel und unterlag verdient mit 0:3 (0:0) gegen Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf und damit den anderen großen Titelfavoriten der Hessenliga.

Der "ewige" Dragan Sicaja ist eben ein Trainerfuchs. Eine Halbzeit schaute er sich das Treiben seiner Eintrachtler an, die im 4-2-3-1 wenig Zugriff auf das Spiel und nur eine vielversprechende Offensivaktion zu verzeichnen hatten. Die allerdings war ein Glücksprodukt, weil Markus Gröger ungewollt für Leon Lindenthal auflegte, der dirket abzog – Marius Grösch verhinderte den Torerfolg (38.). Sicaja reagierte und brachte mit Ephraim Eshele einen zweiten Stürmer und stellte auf ein 4-4-2 um. Barockstadt wurde fortan früher angelaufen, sollte zu Fehlern gezwungen werden.

Der Plan ging schnell auf: Ein ungenügender Abwurf von SGB-Keeper Tobias Wolf bestrafte Eshele eiskalt und war anschließend nicht mehr zu stoppen. Denn nach dem ersten Streich (53.) folgten noch zwei weitere. Die immense Körperlichkeit des 19-jährigen Hünen spürte beim 2:0 Barockstadts Außenverteidiger Kevin Hillmann, der schlicht und ergreifend an Eshele abprallte. Nach schnellem Doppelpass mit Andrej Markovic blieb der Mittelstürmer vo Wolf dann kalt (64.). Und sein drittes Tor leitete er ebenfalls selbst ein: Er bediente Sturmkollege Del Angelo Williams, der nur den Pfosten traf, den Abstauber aber versenkte Eshele (76.). Spätestens da war das Spiel entschieden.

"Wie im Traum", sagte Eshele nach Abpfiff, der vor der Saison von Gonsenheims U19 nach Stadtallendorf gewechselt war und nun das Spiel seines Lebens bestritt. Oder besser gesagt: die Halbzeit seines Lebens. Seine 2,04-Meter warf er in die Waagschale und machte Sicaja glücklich, der nachher stolz auf die Mentalität seiner Mannschaft war und erklärte, "dass wir ab Minute 30 immer besser wurden. Und nach dem 1:0 hatte ich nie das Gefühl, dass hier der Gegner noch zurückkommen kann."

Rot gegen Phillips?

In der Tat: Fulda hatte diesmal wenig entgegenzusetzen. Die Ausfallliste mit Pomnitz, Trägler, Hofmann oder Löbig war vorher schon lang, mit Goalgetter Dominik Rummel (Zerrung) wurde sie beim Aufwärmen noch verlängert. SGB-Coach Sedat Gören ist das nicht verborgen geblieben, auch er haderte nachher mit der Personalsituation und musste einen "verdienten, aber zu hohen Sieg für Stadtallendorf" zu Protokoll geben.

Im ersten Durchgang war die Barockstadt gefälliger, hatte ein halbes Dutzend Ecken, schaffte es aber kaum, in den finalen Torabschluss zu kommen. Zwei, drei Schüsse aus der zweiten Reihe sorgten für Gefahr, die aber von der Qualität keinesfalls mit den Gelegenheiten der Eintracht nach der Pause zu vergleichen waren.

Und nach der Pause war es einzig Jamal Kassa, der für mächtig Betrieb sorgte. Er holte einen Freistoß heraus, den Tolga Duran knapp versetzte. Und einmal fiel er, als sich Barockstadt eine Rote Karte gewünscht hätte – die gab Schiedsrichter Steffen Rabe gegen Malcolm Phillips allerdings nicht (58.). Knifflig. Für Gören die Knackpunktszene des Spiels. Deutlicher war dann die, die Rabe im Schlussakkord gegen TSV-Kapitän Christopher Schadeberg verhängte, die aber nichts mehr am Spielverlauf änderte. Schadeberg hatte Moritz Reinhard gefoult.

Die Statistik:

SG Barockstadt: Wolf; Pecks, Gröger, Grösch, Hillmann (78. Wittke) – Müller (68. Budesheim), Schaaf – Vogel (56. Kassa), Duran, Göbel – Reinhard.
TSV Eintracht Stadtallendorf: Sahin; Schütze, Phillips, Schadeberg, Markovic – Arifi (82. Zucca), Zildzovic – Heuser, Sattorov (46. Eshele), Lindenthal (66. Wiessner) – Williams.
Schiedsrichter: Steffen Rabe (VfB Wetter).
Zuschauer: 800.
Tore: 0:1 Ephraim Eshele (53.), 0:2 Ephraim Eshele (64.), 0:3 Ephraim Eshele (76.).
Rote Karte: Christopher Schadeberg (Stadtallendorf) wegen Notbremse (89.).

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