29.07.2019

Für Dücker wurde es teuer

Verbandsliga: Start nach Maß

Trommeln und Plakate hatten die Fans des FC Körle im Gepäck und sorgten damit für eine tolle Stimmung. Foto: Siggi Larbig

"Richtig einordnen". Diese beiden Worte hörte man auf der Hünfelder Rhönkampfbahn nach Abpfiff am Sonntag zigfach. Dass das 7:0 gegen Aus-Versehen-Aufsteiger Körle kein Maßstab ist, war jedem bewusst. Doch ein paar Rückschlüsse ließen sich aus dem Spiel dennoch ziehen.

"Die Tore waren mir gar nicht so wichtig. Viel wichtiger war mir, dass wir nach Ballverlusten aggressiv umgeschaltet haben und dem Gegner so überhaupt keine Möglichkeit geben konnten", sagte HSV-Trainer Dominik Weber, der vor dem Spiel die Qual der Wahl hatte und beispielsweise Florian Münkel nur mit einem Platz auf der Ersatzbank bedachte. "Härtefälle gibt es, aber die Jungs haben es positiv aufgenommen. Dass wir nun 14, 15, 16 Spieler auf hohem Niveau haben, ist wichtig und noch wichtiger ist, dass die, die hinten dran sind, den anderen Druck machen. So können wir unser Niveau peu à peu steigern."

Für Körles Trainer Teane Andezion muss sich das schlimm angehört haben. Auch die Tatsache, dass Weber wie auch Abteilungsleiter Mario Rohde mit der Chancenverwertung zu hadern hatten. Seine ohne vier vermeintliche Stammspieler angetretene Mannen hatten gerade 0:7 verloren und die Gegner sprachen davon, wie sie ihr Spiel optimieren können. Doch auch Andezion wusste das gerade Geschehene richtig einzuordnen. "Gleich gegen Hünfeld starten zu dürfen hat uns aufgezeigt, was für ein Wind in der Verbandsliga weht. Ein ganz anderer als in der Gruppenliga. Wir wussten, was uns erwartet, konnten es aber nicht wirklich auf dem Platz umsetzen."

Meist hilflos schauten die Gäste hinterher, wie Hünfeld einen Angriff nach dem anderen initiierte. Ein Torabschluss blieb Körle verwehrt. Nicht ein einziges Mal musste HSV-Keeper Sebastian Ernst den Ball in die Hand nehmen. "Das habe ich noch in keinem Spiel gehabt, nicht mal in einem Freundschaftsspiel", sagte Ernst nachher, dessen Leistung faktisch nicht zu bewerten war, weil er nicht am Spiel teilnahm.

Körles Fans verbreiten Stimmung

Umso mehr blühte dafür Marcel Dücker auf. In der Vorbereitung fast durchweg auf der Sechs aufgeboten, rutschte er auf die Rechtsverteidiger-Position, gewann dabei jeden Zweikampf, spulte ein wahnsinniges Laufpensum ab, holte zwei Elfmeter heraus und traf auch noch selbst. "Unbedingt wollte ich das Tor, weil es, so ehrlich müssen wir sein, wahrscheinlich nie wieder so leicht wird", sagte er und schleppte dabei gerade die zweite von ihm bezahlte Kiste Bier in Richtung Kabine. Die erste musste er für sein erstes Seniorentor in einem Ligaspiel überhaupt zahlen, die zweite ob der Tatsache im bereits erschienen Torgranate-Spielbericht als bester Mann genannt worden zu sein. Dementsprechend gefiel es ihm auch nicht sonderlich, dass sein Konterfei auch in der Montagsausgabe der Fuldaer Zeitung erschien. Die dritte Kiste wird wohl im Laufe der Woche folgen müssen.

Mächtig Durst hatte auch der Körler Anhang im Gepäck. Und der sorgte über 90 Minuten hinweg für eine fantastische Atmosphäre auf der Tribüne. "Eine Bereicherung für die Liga", stellte Rohde fest und auch Weber fand die Unterstützung "äußerst bemerkenswert". Und Weber verabschiedete seinen Gegenüber selbstredend mit den besten Wünschen: "Ihr werdet sicherlich ganz schnell andere Ergebnisse einfahren und dürft gerne schon nächste Woche damit anfangen." Dann spielt Körle in Flieden. Viel undankbarer hätte das Auftaktprogramm wohl nicht sein können.

Autor: Johannes Götze

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