15.02.2018

FV Progres landete 1995 auf Platz drei der Oberliga

Historisches: "Jugo-Klub" war der erste "ausländische Verein" der Hessenliga

Mannschaftsbild des FV Progres in den Neunziger Jahren. Archivfoto: privat

Mit dem FV Progres Frankfurt stieg 1994 ein exotischer Verein in die Oberliga Hessen auf. Die Frankfurter Jugoslawen hatten sich in wenigen Jahren von der Kreisliga bis in die damalige 4. Liga katapultiert. Gleichzeitig war es der erste Verein mit ausländischen Wurzeln, der es in Hessen bis in die Oberliga schaffte.

1971 gründete sich mit dem FV Progres der erste jugoslawische Fußball-Club in Frankfurt. Auch der spätere Bundesligatrainer Dragoslav Stepanovic spielte einst für Progres, was so viel wie "Fortschritt" heißt. Später wurde er weit vor seiner Ankunft im Profibereich (Lebbe geht weider) auch der Trainer des FV Progres. Bis in die späten Achtziger Jahre war der Klub im Kreis Frankfurt beheimatet und spielte auf dem Niveau der heutigen Kreisoberliga. Als 1991 der jugoslawische Bürgerkrieg ausbrach spülte dieser Konflikt, der zum Zerfall des Vielvölkerstaates führte, massenhaft jugoslawische Profifußballer in die Mainmetropole. Die meisten landeten bei Progres und damit begann der Aufschwung des Klubs.

Aufstieg in die Bezirksoberliga West, Durchmarsch in die Landesliga Süd 1992 und 1994 der Aufstieg in die Oberliga Hessen. Der heute 37-jährige Zoran Marcetic vom FC Tempo, der als Jugendlicher oft beim "Jugo-Klub" zuschaute, erinnert sich: "1992 kamen durch den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien viele Profis wie Branko Miljus (Hajduk Split) und Muhamed Koljenovic (Buducnost Titograd) zu Progres. Er war Kapitän und spielte mit den Nationalspielern Predrag Mijatovic und Dejan Savicevic im heutigen Podgorica zusammen". Die Profis waren in den Amateurligen unterfordert. Progres spielte in den Neunziger Jahren in Niederrad an der Hahnstraße und war von der dortigen SKG nur geduldet. Nach dem Aufstieg in die Oberliga verkaufte der Klub Nenad Markicevic in die Erste Liga nach Portugal mit einer hohen Ablösesumme.

Nach Platz 3 in der Oberliga 1994/95 ging es bergab

FV Progres in der Oberliga Hessen-Saison 1994/95. Archivfoto: privat

Nenad Drljaca wurde in die 2. Liga zum FC Homburg transferiert. Sensationell war das Abschneiden in der Saison 1994/95, als Progres hinter dem SC Neukirchen und den Eintracht Amateuren Dritter wurde und den Aufstieg in die Regionalliga Süd knapp verpasste. "Progres ist auch während des Bürgerkrieges immer die Jugoschiene gefahren", weiß Marcetic noch. Im Folgejahr ging es bergab. Es kam zu ersten Streitigkeiten zwischen Vorstand und Sponsoren und das erfolgreiche Team brach auseinander. Progres stieg als Tabellenletzter 1996 in die Landesliga Süd ab. Das Aus für den Verein kam zwei Jahre später, als der Hessische Fußball-Verband (HFV) während der Saison 1997/98 festlegte, dass alle oberhalb der Bezirksoberliga spielenden Vereine mindestens zwei Jugendmannschaften zum Spielbetrieb angemeldet haben müssten.

Zur Saison 1998/99 wurde der FV Progres deswegen in die Bezirksoberliga herabgestuft, woraufhin die Mannschaft auseinander fiel und sich der Verein noch vor Beginn der Saison auflöste. Dazu Marcetic, der die Spiele von Progres als Jugendlicher auf dem Sportplatz verfolgte: "Bei Progres wurden die zwei großen Sponsoren wegen Steuerhinterziehung festgenommen,dann gab es kein Geld mehr und die ganzen Ex-Profis waren sofort weg. Dann kam von der FIFA eine Geldanforderung wegen eines Transfers, es konnte zu dem Zeitpunkt keiner mehr die Situation ändern". Die Folge: 1998 wurde das Geschichtsbuch des FV Progres für immer zugeklappt.

Autor: Pedro Acebes

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