22.09.2019

Ganß' ganz bittere Grätsche

Verbandsliga: Soden nutzt Eichenzells Schwächen cool

Des einen Freund, des anderen Leid: Khaibar Amani und Daniele Fiorentino jubeln, während Jonathan Müller als Verlierer vom Platz ging. Foto: Charlie Rolff

Dass die Mannschaft des FC Eichenzell Potenzial besitzt, aber ihr teilweise noch die Erfahrung abgeht, das bekam die Britannia pünktlich zum blau-weißen Sonntag dick aufs Brot geschmiert. Eine lange zu verschnörkelt agierende SG Bad Soden bestrafte die Eichenzeller Unzulänglichkeiten eiskalt.

Britannen-Coach Heiko Rützel stand nach Abpfiff minutenlang mit gesenkten Haupt, welches er immer wieder schüttelte, vor der Bank. Nach dem frühen Rückstand hatte seine Mannschaft eine tadellose Reaktion gezeigt, das Spiel gedreht und den Gegner aus der Kurstadt fast schon im Sack. Aber eben nur fast.

Rützel hatte im Nachgang zwei Gründe, um sich zu ärgern. Einmal, dass seine Mannschaft Mitte der zweiten Hälfte mehrere Konter nicht gut zu Ende fuhr und Ferhat Yildiz das 3:1 nach überragendem Zusammenspiel mit Jonathan Müller liegen ließ (62.). Und dann wegen der Grätsche von Alexander Ganß, der zwar Kapitän, aber immer noch erst 23 Jahre alt ist, gegen Daniele Fiorentino, die nicht nur das 2:2 per Strafstoß durch Christian Pospischil, sondern auch das Eichenzeller Kartenhaus zum Einsturz brachte. „Da darf er nie runter zur Grätsche gehen“, tadelte Rützel Ganß und befand, nachdem seine Elf nur eine Minute nach dem Ausgleich schon das 2:3 gefangen hatte, „dass wir da einfach auf die Nase fallen, weil wir noch zu grün sind, noch nicht so viele Positiverlebnisse in dieser Kombination erfahren haben und dann auch irgendwie der Glaube fehlt.“

Genau die Erfahrung und das Selbstbewusstsein, was die SG Bad Soden derzeit auszeichnet, die nach dem fünften Ligasieg in Serie den Status eines Spitzenteams langsam annehmen dürfte. Zumal die Kurstädter bei den Britannen noch gar nicht ihr ganzes Können abgerufen zu haben schienen, machte es sich das Team von Anton Römmich doch nach der frühen Führung durch einen abgefälschten Schuss Daniele Fiorentinos (4.) etwas zu bequem, ließ sich einlullen – und lag letztlich zur Pause hinten. Erst traf Mikael Avanesian nach einem schnell ausgeführten Freistoß zum 1:1, ehe Ferhat Yildiz nach einem unglücklichen Handspiel von Kevin Demuth noch vor der Pause das 2:1 für Eichenzell folgen ließ.

Auch in der zweiten Halbzeit war Soden lange nicht zwingend nach vorne, wirkte zu verspielt, wenngleich Römmich an seiner früheren Wirkungsstätte betonte, „dass wir nach der Pause, zumindest ab der 55. Minute, das Zepter klar in der Hand hatten.“ Klasse auf jeden Fall, wie abgezockt Amani und Fiorentino die Eichenzeller Schwächephase nach dem 2:2 eiskalt nutzen konnten. Und so die Basis legten für eine Kracherkonstellation am kommenden Wochenende gegen Hünfeld.

Die Statistik:

FC Eichenzell: Kirbus – Chr. Müller, Ganß, Ströder, Schlag – J. Müller, Rützel – Jahn, Wasirow (76. Aydarus), Yildiz (81. Bagci Koray) – Avanesian.
SG Bad Soden: Ersöz – Vlk (71. Ilir), Neiter, T. Paulowitsch, Kymlicka – Pospischil, Moaremoglu – Demuth, K. Paulowitsch (46. Krapf) – Fiorentino (90. Langhammer), Amani.
Schiedsrichter: Daniel Velten (TSV Laufdorf). Zuschauer: 350. Tore: 0:1 Daniele Fiorentino (4.), 1:1 Mikael Avanesian (41.), 2:1 Ferhat Yildiz (44., Handelfmeter), 2:2 Christian Pospischil (79.), 2:3 Daniele Fiorentino (80.), 2:4 Khaibar Amani (86.).

Autor: Christian Halling

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