13.11.2018

Gaul meldet sich in Pfaffenhausen furios zurück

KOL Gelnhausen: Zehnmonatige Leidenszeit des Ex-Fliedeners ist vorbei

Marco Gaul hat nach seiner Verletzungspause langen Atem bewiesen und mischt nun wieder auf dem Platz mit. Foto: Verein

"Das zweite Jahr ist immer das schwerste" ist eine klassische Phrase, die sich ein Aufsteiger im Fußball Jahr für Jahr anhören darf. Allerdings trifft sie auch im Falle Marco Gauls zu, der nach einer starken Premierensaison als Spielertrainer beim Gelnhäuser Kreisoberligisten SV Pfaffenhausen in dieser Spielzeit nicht nur mit den Ergebnissen seiner Mannschaft, sondern auch mit seiner eigenen Gesundheit zu kämpfen hatte. Am vorvergangenen Samstag hat sich der 30-jährige Bellingser wieder zurückmeldet - und wie!

Rückblick: Am 2. Februar diesen Jahres ging für Gaul, 2017 Verbandsligameister mit dem SV Flieden, nach dem Testspiel gegen seinen anderen Ex-Club SG Bad Soden gar nichts mehr. "Ich hatte höllische Knieschmerzen", erinnert sich der Offensivmann ungern zurück. Gaul suchte mehrere Spezialisten, unter anderem in Leverkusen auf, ehe klar war, dass das Knorpelgewebe unter der Kniescheibe völlig zerschlissen war. Spätfolgen eines heftigen Motorradunfalls 14 Jahre zuvor, seinerzeit ebenfalls in Bad Soden, bei dem sich Gaul einen Schien- und Wadenbeinbruch im Unterschenkel zugezogen hatte.

"Ich habe offensichtlich seitdem eine Schonhaltung eingenommen und das rechte Bein mehr belastet als das linke. Ein wichtiger Muskel für die Kniescheibe ist dann irgendwann inaktiv geworden, weil er nicht mehr gebraucht wurde. So wurde die Kniescheibe immer weiter nach links gezogen - und irgendwann hat das der Knorpel nicht mehr mitgemacht", gewährt Gaul Einblicke in seine Krankenakte. Eine OP, bei der der Knorpel geglättet und zudem noch eine Zyste entfernt wurde, war schließlich unausweichlich. Gut, dass Gaul selbst aufgrund seines Jobs als Sporttherapeut im Fuldaer Herz-Jesu-Krankenhaus über Expertise besitzt und so wusste, welche Übungen in der anschließenden Reha angesagt waren.

Tor und Vorlage beim Comeback

Nach zehn Monaten feierte er nun - gemäß dem gemeinsam mit dem Doc ausgetüftelten Comeback-Plan - zum Hinrundenende in der Kreisoberliga Gelnhausen seine Rückkehr auf den Platz, wechselte sich in der Partie gegen Altenmittlau zur Pause ein - und wurde gleich zum Matchwinner. Gaul, Instinktfußballer durch und durch, spielte erst zwei "ordentliche Fehlpässe", war danach aber wach, erzielte das 2:0 per Lupfer aus 25 Metern selbst ("Um noch weiter zu rennen, hat mir die Luft gefehlt") und bereitete schließlich noch das Tor zum 3:0-Endstand durch Youngster Jannik Auer vor. Ein Moment, für die sich die ganzen Entbehrungen der letzten Monate gelohnt haben. "Es war schon brutal, als ich das Ganze immer nur von draußen beobachten konnte. Ich war richtig unleidlich in der Zeit", gibt Gaul zu, der im Sommer 30 geworden ist und früher immer Leute belächelt hatte, "die sagen, dass es ab dem 30. Geburtstag mit dem Körper bergab geht. Und jetzt stand ich plötzlich da und hatte das Szenario vor Augen, dass es das schon gewesen sein könnte mit dem Fußball."

Ist es glücklicherweise nicht, und so kann Gaul den Blick jetzt wieder mit seiner Mannschaft nach vorne und vor allem nach oben richten. Nachdem Pfaffenhausen in der vergangenen Saison nur knapp an der Rückkehr in die Gruppenliga Frankfurt Ost gescheitert war, sind die Mannen aus dem Jossgrund derzeit nur auf Rang neun notiert. Schuld daran war laut Gaul das "Robin-Hood-Syndrom": "Wir nehmen die Teams von oben die Punkte und geben sie ihnen von unten. So wie beim letzten Spiel, als wir 1:2 in Neuses verloren haben", hadert der Bellingser, der allerdings in den restlichen Partien bis Winter - gespielt wird in der 18 Mannschaften starken Klasse bis 9. Dezember - mit seinem Team noch in die Top sechs möchte, "damit wir nicht in der Restrunde um die Goldene Ananas spielen müssen. So viele Punkte Rückstand nach oben sind es auch nicht". Favorit auf den Titel sei freilich der FC 03 Gelnhausen um die Ex-Lehnerzer Steven von der Burg und Osman Özlük.

Ob Gaul bei seiner ersten Trainerstation auch in ein drittes Jahr geht, darüber will der wortgewandte Angreifer erst im März reden. Wichtiger sei erst mal, wieder richtig auf die Beine zu kommen und als Team eine gute Vorbereitung zu absolvieren. Spaß macht es Gaul auf jeden Fall beim SVP. "Obwohl ich ja selbst gerne mal einen mache, muss ich die Jungs mittlerweile fast schon bremsen", erklärt er lachend, um anzufügen, "dass der Teamgeist einfach stimmt, und auch dem Vorstand bin ich sehr dankbar, der mich in meiner zehnmonatigen Verletzungspause immer unterstützt und nie unter Druck gesetzt hat."

Autor: Christian Halling

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