Auf Reise

Gelebt wie hier – nur 12000 Kilometer entfernt

Kerzells Stephan Depta trieb sich neun Monate in Südostasien umher

Blauer Himmel, weißer Strand. Stephan Depta genoss neun Monate herrliche Bedingungen in Südostasien. Foto: privat

Einfach mal raus aus dem Alltag, den Job aussetzen und die Welt bereisen. Stephan Depta, Spieler bei der SG Kerzell, hat sich mit seiner Freundin Jacqueline Bohrmann diesen Traum erfüllt. Neun Monate lang erkundete das Paar eine völlig neue Kultur.

Thailand, Singapur, Malaysia, Laos, Vietnam und Kambodscha. Mal länger, mal kürzer waren die beiden in den sechs Ländern unterwegs – und mussten dabei nicht einmal auf ihren Job verzichten. Während Depta seit 2017 im Bereich der Web-Entwicklung selbstständig ist, arbeitet seine Freundin als freie Journalistin. „Problemlos“ konnte der Kerzeller demnach arbeiten, einzig WLAN war vonnöten, wenngleich die achtstündige Arbeitszeit wie in der Heimat nur selten erreicht wurde.

Für den 31-Jährigen war es bereits seit längerer Zeit ein Traum, sich auf eine solche Reise einzulassen, etwas anderes kennenzulernen. „Es ist ein Unterschied, ob du nur ein paar Wochen Urlaub machst oder mal so richtig rauskommst“, weiß Depta. Eine komplett neue Kultur sollte es sein, weshalb Europa oder aber Nordamerika schnell aus der Wahl fielen. „Für uns war recht rasch klar, dass es Südostasien ist, mit dem Hauptaugenmerk auf Thailand. Dort ist die Infrastruktur ganz gut.“ Für das Paar war wichtig, sich vor allem zu integrieren, das Leben aufzusaugen. Nur auf dem Sprung sein und möglichst viel sehen, war nicht die erste Priorität.

Die Basis bildete „Siam“, wie das Königreich Thailand bis 1939 hieß. Sechs Monate verbrachten Depta und Bohrmann hier, wobei sie sich für jeweils drei Monate feste Orte auserkorten. Mit Koh Samui und Phuket fiel die Wahl auf den Süden. Der ungewohnte Alltag hielt schnell ein. „Anfangs war es ein Kulturschock. Teilweise sieht es im Vergleich mit unseren Verhältnissen übel aus. Der Verkehr ist sehr wild, fast alle fahren Roller. Das ist zum Teil nicht ganz ungefährlich, aber man gewöhnt sich schnell an die Sitten“, berichtet Depta, der vor allem von der einfachen Lebensweise der Einheimischen angetan war: „Eine Familie wohnt zu sechst in nur einem Raum, alle sitzen am Boden und schauen Fernseh. Wir selbst haben auch nicht luxuriös gewohnt. Es prägt dich, wenn du merkst, dass nicht immer die neuesten Dinge notwendig sind.“

Yoga für die Beweglichkeit

Stephan Depta (links) will nach seiner Reise wieder bei der SG Kerzell auf dem Platz helfen. Foto: Kevin Kremer

Gelebt hat das Paar vergleichsweise wie in der Heimat. Die tägliche, kurze Arbeitszeit wurde mit vielen Erlebnissen aufgehübscht. Sehenswürdigkeiten standen auf dem Programm, am Strand wurde entspannt. Auf Koh Samui wohnten sie in einer Ferienwohnung, auf Phuket wurde Housesitting betrieben. „Wir haben in den drei Monaten bei einem deutschen Paar gelebt, die ein großes Haus und vier Bungalows besaßen. Der Mann musste häufiger nach Deutschland, so dass wir uns um den Garten und seine vier Hunde gekümmert haben. Als Gegenleistung durften wir in einem der Bungalows wohnen“, so der 31-Jährige, der vor allem von der Arbeit mit den Hunden angetan war, schließlich habe er selbst keinen Vierbeiner.

Problematisch stellte sich einzig die Sache mit dem Visum dar. In Thailand dürfen Touristen lediglich drei Monate am Stück leben. Kurzum verließ das Paar für einige Tage das Land in Richtung Laos, ehe nach den zweiten drei Monaten Malaysia und Singapur das Ziel waren. Doch zum Ende des Aufenthaltes stand das reisen auf der Tagesordnung. Sechs Wochen lang war das Paar auf dem Sprung, besuchte nach Nordthailand erneut Laos, Kambodscha und Vietnam.

„Es war eine mega schöne Zeit, aber nach neun Monaten freut man sich wieder auf die Familie und die Freunde“, sagt Depta. Bereits während der neunmonatigen Reise wurden die Liebsten mit Videoanrufen auf dem Laufenden gehalten, zudem wurden die Eindrücke auf Instagram geschildert. Richtig Heimweh trat nie auf, einzig um Weihnachten wurde es ungewohnt, „weil die richtige Atmosphäre bei 30 Grad nie auf kam.“

Von der Corona-Krise bekam der Selbstständige lediglich in den vergangenen vier Wochen etwas mit. Die Heimreise sollte über Peking gehen, der Flug allerdings wurde storniert. „Da die Chinesen eine Reisesperre haben, gab es in den Nachbarländern Vietnam und Kambodscha wenige Touristen. Das war spürbar. Zudem wurden viele Infotafeln errichtet und überall gab es Händedesinfektionsmittel“, lässt Depta durchblicken.

Über den Fußball hat der 31-Jährige derweil erst mit zunehmender Dauer nachgedacht. „Man genießt es, nach elf Jahren im Seniorenbereich mal nicht vor den Ball zu treten und keine Termine wahrnehmen zu müssen. Je mehr Zeit allerdings ins Land zog, desto mehr dachte man wieder daran“, erzählt Depta. Der Sport war teils in Vergessenheit geraten, zu viel war er tagsüber unterwegs. Allerdings probierte er sich im „Muay Thai“, dem Thaiboxkampf, aus, dem Nationalsports Thailand. „Ansonsten habe ich viel Yoga gemacht. Das hat tatsächlich viel Beweglichkeit bei mir wiederhergestellt. Ich fühle mich richtig gut regeneriert, weshalb ich es jedem empfehlen kann.“

Autor: Tobias Konrad

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