HSV-Offensive ragt heraus

Göbel prägte den Top-Sturm der 80er

09. Januar 2021, 07:54 Uhr

Der Hünfelder SV vor der Saison 89/90. Stehend von links: Harald Borngräber, Thomas Fladung, Marco Fladung, Michael Matthaei, Martin Müller, Hubertus Vilmar. Hockend von links: Bernhard Göbel, Karl-Josef Müller, Thomas Hohmann, Winfried Gutberlet, Joachim Michel.

Das Jahr 1982 war in vielerlei Hinsicht ein Höhepunkt in der Geschichte des Hünfelder SV. Sportlich, weil die erste Mannschaft als Meister der Gruppenliga (damals Bezirksliga) nach drei Jahren Abstinenz in die Verbandsliga Nord (damals Landesliga Nord) zurückkehrte.

Doch es gab noch mehr Grund zum Feiern. 1982 war nämlich endlich der so ungeliebte Aschenplatz Geschichte. Die neue Rhönkampfbahn mit sattem grünen Rasen wurde eingeweiht. Das musste gefeiert werden. Und wie: Mit dem Hamburger SV war der „große“ HSV zu Gast beim „kleinen“. Seinerzeit ein echter Knaller, denn die Hamburger waren nach einer Saison mit dem unvergessenen 4:3 bei Bayern München (nach 1:3-Rückstand) gerade erst Deutscher Meister geworden, stellten in Horst Hrubesch den Torschützenkönig. Ein Jahr später holten sich die Hansestädter durch das Tor von FelixMagath den 1:0-Sieg im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen Juventus Turin.

Und die Hamburger kamen mit voller Kapelle nach Hünfeld. Trainer Ernst Happel war dabei, Manager Günter Netzer auch, dazu die Starspieler UliStein, Manni Kaltz, Horst Hrubesch, Jimmy Hartwig oder Dietmar Jacobs. 0:13 verloren die Hünfelder vor einer prächtigen Kulisse von 3500 Zuschauern.

Zurück in der Verbandsliga (damals noch die vierthöchste Spielklasse) verstärkte sich Hünfeld mit Spielern wie Thomas Reith, Stefan Maus (beide Borussia Fulda) oder Antonio Padilla (SV Niederaula). Zudem ging in dieser Saison der Stern von Bernhard Göbel auf, der als 18-Jähriger gleich 19 Tore beisteuerte. Doch es wurde eng: Am Ende musste ein Entscheidungsspiel her, weil der HSV mit dem RSVPetersberg einen unerbittlichen Widersacher hatte, mit dem er am Schluss punktgleich war. 1800 Besucher kamen nach Künzell. Die Hünfelder Fans hielten zunächst den Atem an, als Peter Gehring die Petersberger in Führung schoss. Doch Tore von Bernhard Göbel, Wolfgang van Thiel und Markus Stark brachten für Hünfeld den 3:1-Sieg und damit den Klassenerhalt.

Nicht nur Göbel trifft wie er will

Prachtvoll liegt sie da, die Rhönkampfbahn bei der Einweihung des neuen Rasenlatzes Anfang der 80er

Für den neuen Trainer Josef Pappert war anschließend nach nur einer Saison wieder Schluss. Lothar Klimek übernahm. Der konnte sich weiter auf Bernhard Göbel verlassen. Der Youngster traf, wie er wollte: Den 19 Buden aus seiner Premierensaison folgten 26 Tore (1983/1984) und 27 Treffer (1984/1985). Damit wurde Göbel als 20-Jähriger Torschützenkönig der Verbandsliga, hatte in drei Jahren bereits 72 Punktspieltore erzielt. Doch das reichte nicht für Hünfeld: Weil insgesamt 15 Spiele mit nur einem Tor Differenz verloren wurden, musste der HSV 1985 wieder in die Gruppenliga (damals Bezirksliga) absteigen. Lothar Rehberg wechselte danach in die Hessenliga zu Hessen Hersfeld, Wolfgang Lambrecht nach Schwarzbach, Markus Stark zu Hessen Kassel.

Doch es klappte mit dem direkten Wiederaufstieg. Einerseits, weil Bernhard Göbel gehalten werden konnte. Der Stürmer wurde auch eine Klasse tiefer sofort wieder Torschützenkönig mit 27 Saisontreffern. Hünfeld sicherte sich den zweiten Platz hinter Hessen Hersfeld II, was die Rückkehr in die Verbandsliga (damals Landesliga) bedeutete. Es gab zu dieser Zeit etliche Talente beim HSV: Thomas Fladung beispielsweise, der 1983 aus der Jugend nachrückte. Fladung hatte tolle Veranlagungen und es schienen ihm die Türen offen zu stehen. Unter anderem klopfte der 1. FC Nürnberg bei ihm an. Etliche Verletzungen warfen Fladung aber zurück.

1986/1987 wurde es wieder eng mit dem Klassenerhalt. Zwar hatte Hünfeld das Entscheidungsspiel gegen Hessen Hersfeld II mit 2:3 nach Verlängerung verloren und war eigentlich schon wieder abgestiegen, doch weil später KickersOffenbach den Aufstieg in die zweite Liga schaffte, blieben die Haunestädter über Umwege in der Verbandsliga.
Es folgten 1987/1988 und 1988/1989 zwei ruhige Spielzeiten im gesicherten Mittelfeld, in denen sich der HSVnach und nach zu einer Top-Mannschaft entwickelte. Bernhard Göbel ballerte sich weiter nach Belieben durch die Spiele, doch hatte er nun mit Youngster Marco Fladung und Michael Matthaei zwei weitere extrem gefährliche Offensivspieler neben sich dazu bekommen. Der HSV war jetzt der Verein mit dem gefährlichsten Sturm der Region.

Ein Teil der "Stars" geht

1989/1990 wurde das mit einem Zuschauerschnitt von 940 Besuchern pro Heimspiel honoriert. Göbel (24), Matthaei (20) und Fladung (12) machten in dieser Saison alleine 56 Treffer. Für den ganz großen Wurf reichte es aber nicht ganz: Entscheidend zugunsten des späteren Meisters Borussia Fulda war zweifelsohne der Abgang von Michael Matthaei in der Winterpause zu Bayern München. Viele sind sich sicher: Wäre Matthaei geblieben, dann wäre der HSV in dieser Saison Meister geworden.

Mehr noch: Nachdem Hünfeld den Titel verpasst hatte, gingen im Sommer 1990 auch noch Bernhard Göbel und Hubertus Vilmar, die sich beide Hessenligist Borussia Fulda anschlossen. Umso erstaunlicher, dass es dem damaligen Trainer Harald Borngräber gelang, noch einmal eine solche Saison aus dem Hut zu zaubern. Wieder wurde Hünfeld Zweiter, diesmal nur zwei Punkte hinter dem SC Willingen. Marco Fladung (24 Tore), Michael Rausch (23, kam aus Eiterfeld) und Thomas Hohmann (17) trafen nun für die weiter offensiv spielenden Hünfelder. Keiner ahnte in diesen Wochen und Monaten: 1990/1991 sollte vorerst die letzte tolle Saison für den Hünfelder SV sein.

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