01.04.2015

Hendrik Hilpert: USA-Stipendium statt Profifußball

Eiterfelder zieht es in den US-Bundesstaat New York

Hendrik Hilpert verlässt Eintracht Braunschweig im Sommer. Foto: Max Lesser

Hendrik Hilpert wagt mit seinen 19 Jahren einen mutigen, aber keineswegs überraschenden Schritt: Jahrelang trainierte der Eiterfelder bei Carl Zeiss Jena, 1899 Hoffenheim und Eintracht Braunschweig auf eine Karriere als Profifußballer hin, nun kehrt der Torwart Niedersachsen den Rücken. Ab August diesen Jahres studiert Hilpert Wirtschaft im US-Bundesstaat New York an der Syracuse University und will dort für das College-Team den Kasten sauber halten.

Vier Jahre ist es inzwischen her, als Hendrik Hilpert sein Debüt in der U-17-Nationalmannschaft feiern sollte. Als damals 16-jähriger Torhüter in Diensten des Nachwuchsleistungszentrums von Bundesligist 1899 Hoffenheim wurde der Eiterfelder von Bundestrainer Stefan Böger für ein Testspiel gegen Aserbaidschan nominiert. Doch aus dem Debüt wurde nichts: Weil Hilperts Flieger von Frankfurt nach Wien zwei Stunden Verspätung hatte, verpasste er seinen Anschlussflug nach Baku. Der nächste wäre erst nach Spielende in Aserbaidschan eingetroffen, sodass Hilpert zurück nach Frankfurt flog. „Später habe ich von der Nationalmannschaft nie wieder etwas gehört. Das Kapitel war danach beendet“, blickt Hilpert zurück, der sich heute noch darüber ärgert, diese Erfahrung aber als sehr wertvoll und lehrreich erachtet.

Im Sommer wird er dann ein weiteres Kapitel beenden: Den Profifußball in Deutschland. Seit 2012 spielt Hilpert für Eintracht Braunschweig, aktuell ist er zweiter Torwart der Regionalligamannschaft. „Natürlich habe ich mir diese Saison anders vorgestellt, mir mehr Einsatzzeiten erhofft“, sagt Hilpert, der den Blick aber bereits nach vorne richtet, denn „es bietet sich eine Riesenchance für mich in den USA“. Der Abiturient hat ein Stipendium an der Syracuse University im US-Bundesstaat New York angenommen. Neben dem Wirtschaftsstudium wird Hilpert für das College-Team das Tor hüten.

College-Coach besuchte ihn in Deutschland

„Über eine Agentur hatte ich verschiedene Universitäten zur Auswahl. Bei der Syracuse University hatte ich letztlich das beste Gefühl, was auch daran lag, dass der Coach des College-Teams, Jukka Masalin, mich in Deutschland besucht und bei Testspielen beobachtet hatte.“ Für Syracuse wird der Ex-Hoffenheimer in der Atlantic Coast Conference gegen elf weitere College-Teams spielen. Durchschnittlich sind über 1000 Zuschauer bei Spielen seiner künftigen Mannschaft.

„Der Fußball in Amerika ist stark im Kommen, auch weil Weltstars wie David Villa oder Kaka in die Major League Soccer gewechselt sind“, erklärt Hilpert, dessen erster Trip in die Vereinigten Staaten gleichbedeutend mit seinem Umzug in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Angst hat er davor jedenfalls keine. „Der Tatendrang überwiegt. Es ist ein mutiger Schritt, aber ich freue mich riesig auf diese neue Herausforderung“, sagt Hilpert, der bereits in Jena, Hoffenheim und Braunschweig auf sich alleine gestellt war und fließend Englisch spricht.

"Aus Plan B wurde Plan A"

Darüber, dass es in Deutschland nicht mit dem Profifußball geklappt hat, ist der 19-Jährige nicht allzu traurig. „Natürlich wollte ich unbedingt Profi werden, dennoch habe immer zweigleisig in meiner Karriere geplant, sodass ich nie darauf angewiesen war, später einmal mit dem Fußball meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich bin sehr glücklich, wie es nun gekommen ist. Diese Chance habe ich dem Fußball zu verdanken“, weiß Hilpert, der große Lust auf das Studium verspürt. Erste Gedanken an ein Stipendium in den Staaten hatte er im August vergangenen Jahres. „Es ist ja nicht so, dass ich den Fußball ganz aufgebe. Die Atlantic Coast Conference ist der Unterbau der MLS. Vielleicht werde ich auch in Amerika Profi, auch wenn mein Augenmerk natürlich auf dem Studium liegt. Eine hochwertige Bildung gepaart mit Fußball auf hohem Niveau passt einfach. So ist aus meinem ursprünglichen Plan B der Plan A geworden.“

Einen großen Wert auf Bildung legte Hilpert schon immer. Derzeit absolviert er ein Praktikum im niedersächsischen Landtag bei der FDP-Fraktion. „Das Interesse an der Politik ist schon sehr lange da und inzwischen zu meiner zweiten großen Leidenschaft geworden. Seit circa einem Jahr bin ich Mitglied bei den Jungen Liberalen, seit einem halben Jahr bei der FDP. Ich finde es einfach wichtig, dass sich gerade junge Leute eine eigene politische Meinung bilden“, findet Hilpert, der sich trotz seines Stipendiums weiter politisch engagieren möchte. „Ich habe insgesamt vier Monate Semesterferien, da bleibt genügend Zeit für meine Hobbys.“

Autor: Max Lesser

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