15.11.2017

Herbstmeister mit blütenreiner Weste

Frauen-Gruppenliga: Lispenhausen hat sich weiterentwickelt

Die Fußballerinnen des SC Lispenhausen mit ihren Trainern Uwe Schögin (links) und Mario Reichhardt. Foto: Laura Reichhardt

11 Spiele, 33 Punkte, 49:4 Tore – der SC Lispenhausen ist in der Frauenfußball-Gruppenliga das Maß aller Dinge. Mit acht Punkten Vorsprung auf Verfolger SC Soisdorf ist die Meisterschaft in diesem Jahr greifbar. Ob der SCL sein Aufstiegsrecht im Falle der Fälle jedoch auch wahrnehmen würde, wird sich erst in den kommenden Wochen entscheiden.

Seit 2006 ist Trainer Uwe Schögin in Lispenhausen der Vater des Erfolgs der Frauen- und Mädchenabteilung. Zunächst als Coach der Juniorinnen, die schließlich den Sprung in die Hessenliga schafften, später als Trainer der Frauen, die im ersten Jahr Kreisoberliga über die Relegation den Aufstieg in die Gruppenliga realisierten. Dort ging es in den vergangenen Jahren immer eine Platzierung nach vorne.

Nach Rang vier in der Vorsaison hatte sich der SC Lispenhausen für die neue Runde zunächst eine weitere Steigerung als Ziel gesetzt. „Es sieht gut aus, dass wir den dritten Platz auch erreichen werden“, sagt Uwe Schögin mit einem Augenzwinkern. „Mit dem bisherigen Erfolg konnten wir aber nicht rechnen. Ich bin auch Freund davon, nur von Spiel zu Spiel zu denken, denn es gibt immer mal Phasen, in denen man mehrere Verletzte hat. Zum Glück sind wir in dieser Saison aber weitgehend gesund geblieben“, berichtet der erfahrene Coach.

Den Erfolg habe sich seine Mannschaft jedenfalls als Team verdient. „Die Spielerinnen haben sich über die Jahre einfach weiterentwickelt. Früher konnten sie es beispielsweise nicht ertragen, wenn es einen Rückschlag gab oder ein Spiel mal knapp war. Heute juckt sie das nicht mehr. Sie fokussieren sich mehr auf ihr Spiel“, sagt Schögin und betont: „Jeder hat bislang seinen Beitrag geleistet. Auch die, die nicht regelmäßig gespielt haben und eingesprungen sind, wenn wir Leute gebraucht haben. Zudem ist die Bereitschaft da, auch mal auf einer ungewohnten Position zu spielen. Die Mannschaft kann wirklich stolz auf sich sein.“

Soisdorf und Rückers die größten Konkurrenten

Auch der Siegeswille zeichne seine Truppe aus. So seien er und Co-Trainer Mario Reichhardt beim Spiel in Freiensteinau kurz vor Schluss eigentlich mit dem torlosen Remis zufrieden gewesen, ehe Torjägerin Alina Stöhr in der 89. Minute noch für den Sieg gesorgt habe. Knapp war auch die Partie beim Tabellendritten SG Rückers, die mit 1:0 gewonnen wurde: „Die Rückerser Mannschaft wird gar nicht müde, war 90 Minuten in Bewegung und hat uns richtig unter Druck gesetzt. Da waren wir eine halbe Stunde am Schwimmen.“ Dementsprechend sei der Verbandsliga-Absteiger neben dem SC Soisdorf (Schögin: „Ein wahnsinnig druckvoller Sturm“) auch einer der größten Konkurrenten im Titelrennen.

Bei acht Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz und nur noch neun Saisonspielen darf sich der SC Lispenhausen dennoch bereits Gedanken machen, was im Falle der Fälle passieren würde. „Im großen Rahmen haben wir noch nicht darüber gesprochen, ob wir aufsteigen würden. Ich denke, dass wir im Winter mal ernsthaft darüber reden werden. Ich als Trainer weiß, dass die Verbandsliga einen Mehraufwand bedeuten würde und der Aufstieg punktuelle Verstärkungen nach sich ziehen würde.“ Auch das Pokalspiel gegen die TSG Lütter (0:4) habe gezeigt, dass die Trauben in der Verbandsliga deutlich höher hängen würden. Außerdem ist der Frauenfußball laut Schögin „ein unplanbares Geschäft. Jedes Jahr muss man erneut sehen, ob nach Abitur und aufgrund von anderen Verpflichtungen noch genügend Spielerinnen zur Verfügung stehen.“ Dementsprechend ist Schögin auch froh, in Lispenhausen noch über eine eigene Nachwuchsmannschaft verfügen zu können: „Das hilft ungemein.“ Und so wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob der SCL seine Farben bald auch wieder überregional vertreten wird. Ausgeschlossen sei jedenfalls nichts.

Autor: Viktoria Goldbach

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