04.09.2019

"Keiner kommt auf die Idee, die Alarmglocken zu läuten"

A-Liga Fulda: Hauswurz und Link haben sich bewusst für neuen Weg entschieden

In dieser Saison bislang nur zweiter Sieger: Niklas Rützel (rechts) und der SV Hauswurz, hier im Duell mit Germania Fuldas Fazli Shala. Foto: Charlie Rolff

Auf den ersten Blick kommt es für viele Außenstehende vermutlich überraschend, dass der SV Hauswurz nach acht Pleiten in acht Spielen die Rote Laterne in der A-Liga Fulda inne hat. Doch die aktuelle Situation hat seine Gründe und wurde im Vorfeld bewusst in Kauf genommen.

Vor der Spielzeit 2018/19 hatte der SV Hauswurz noch das Fernziel, einmal gegen Nachbar Spvgg. Hosenfeld in der Gruppenliga zu spielen. Dafür wurde ordentlich Geld investiert, doch der Aufstieg von der A-Liga in die Kreisoberliga wurde als Achter klar verpasst. Mit Peter Link übernahm inmitten der Saison ein neuer Trainer für Michael Koch - und der Übungsleiter war im Frühjahr auch eine der federführenden Personen, die sich im Frühjahr für einen krassen Kurswechsel einsetzte.

"Wir haben bewusst den Weg gewählt, dass wir auf bezahlte Spieler verzichten. Wir wollen nur noch einheimische Jungs in der Mannschaft", betont Link, der selbst in Hauswurz wohnt. Die Folge: Gleich 15 Spieler verließen den SVH im Sommer, einen echten externen Neuzugang gab es nicht. Rund 25 Mann, die fast alle direkt aus Hauswurz stammen, aus der letztjährigen A- und C-Liga-Mannschaft befinden sich noch im Kader, eine Reserve gibt es nicht mehr.

Im neuen Sportlerheim ist noch lange viel los

Überraschend kommt es auf den zweiten Blick also nicht, warum der Saisonstart mit acht Pleiten in die Hose ging. "Wir hatten sogar eine unglaublich tolle Vorbereitung, unter anderem im Trainingslager in Grünberg haben die Jungs diszipliniert mitgezogen. Mit ein paar Dauerverletzten hat es uns aber heftig getroffen", erklärt Link, der sein Team nur für die Niederlagen bei Petersberg II (0:4) und Maberzell/Gläserzell (2:6) kritisieren möchte. Deutlich enger war unter anderem die Partie gegen die Johannesberger Reserve (0:2), die der frühere Freiensteinau-Coach als Top-Favorit auf dem Zettel hat.

"Wir wissen das absolut einzuschätzen. So ein harter Schnitt braucht nun mal Zeit, da müssen wir geduldig sein. Im Verein herrscht trotzdem eine angenehme Ruhe, keiner wird nervös oder kommt auf die Idee, die Alarmglocken zu läuten", unterstreicht der Coach, der von einer "Lernsaison" für seine Mannschaft spricht. "Und wenn am Ende der Abstieg kommen sollte, bricht auch keine Welt zusammen."

Vielmehr imponiert es Link, welche fußballerische Fortschritte einige seiner Schützlinge schon gemacht haben, nachdem sie im Vorjahr noch in der C-Liga unterwegs waren. Und auch das Miteinander im Verein stimmt wieder, im neuen Vereinshäuschen ist oft noch Stunden nach dem Training etwas los. "Die Stimmung ist gut, trotz der null Punkte. Wir arbeiten genauso weiter, schließlich ist die Trainingsbeteiligung immer noch top. Jetzt spielen wir fast nur noch gegen Gegner von oben, vielleicht liegen die uns aber sogar mehr."

Autor: Steffen Kollmann

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