Kreisoberliga-Nord-Analyse

Knallbonbon ganz zum Schluss?

04. Januar 2021, 09:10 Uhr

Einer gegen alle: Dominik Will (rot) vom Rasdorfer SC muss sich hier gleich gegen drei Akteure der SG Dittlofrod/Körnbach (von links David Käsmann, Hadeer Jamal Fattah Fattah, Jonas Hofmann) behaupten. Für beide Mannschaften läuft es bislang überhaupt nicht rund in der Kreisoberliga Nord. Foto: Kevin Kremer

Durch Corona geht in den Fußballligen seit Ende Oktober nichts. Wie es weitergeht, steht in den Sternen. Dennoch blicken wir in unserer Torgranate-Analyse auf das Geschehene zurück und wagen einen Ausblick. Heute geht der Blick auf die Kreisoberliga Nord.

Die Lage

Ein solch klares Titelrennen war gewiss nicht zu erwarten. Ein Zweikampf zwischen Niederaula/Kerspenhausen und Wildeck ist entstanden, wobei letztgenanntes Team die Pole-Position innehat. Mitte Oktober setzte Wildeck mit dem 1:0-Sieg im direkten Duell das Ausrufezeichen – und brachte den bis dato verlustpunktfreien Spitzenreiter ins Ungleichgewicht. Eine Niederlage und ein Remis vor der Spielpause schlagen der SG aufs Gemüt. Bei bis zu vier Absteigern geht der Blick bei fast allen anderen Teams nach unten.

Top

Neben Wildeck, das zehn Siege aus elf Partien holte und sich anschiebt, Gemeinderivale Hönebach in die Gruppenliga zu folgen, muss allen voran Niederjossa/Breitenbach genannt werden. Der Abstieg war im Vorjahr quasi besiegelt, eine Pleite nach der anderen kam allerdings Corona zur Hilfe. Panik kam aber nie auf, auf etliche junge Spieler wird in dieser Runde gebaut. Und die zahlen das Vertrauen mit einem herausragenden fünften Platz zurück.

Flop

Ein wirklicher Flop ist schwer auszumachen, vielmehr bleibt eine ganze Reihe an Mannschaften hinter den eigenen Erwartungen. So wollte beispielsweise Weiterode in die Top drei rücken oder aber Dittlofrod/Körnbach mit viel individueller Klasse viel weiter von den Abstiegsrängen entfernt sein. Gleiches gilt für Mecklar/Meckbach/Reilos, für etliche Ligainsider Titelkandidat Nummer eins vor Saisonstart. Auch bei Dittlofrods Nachbar Haunetal dürften die Gesichter schon freudiger gewesen sein, 45 Gegentore sind zudem die meisten der Liga und lassen das Hauptproblem erkennen. Rasdorf hingegen kann die Abgänge einiger Stammspieler schlichtweg nicht kompensieren.

In Erinnerung bleibt

Zwei Ereignisse schlugen hohe Wellen. Zum einen der Fall Niko Pepic. Sah der Festspielstädter im Pokalfinale Ende August noch Rot und erhielt zwei Spiele Sperre, wirkte er bereits in Spiel zwei nach dem Feldverweis gegen Dittlofrod/Körnbach wieder mit, da der Sportgerichtsvorsitzende Wilfried Olschewski grünes Licht gab. Nach einigen Tagen war klar: Pepic hätte nicht spielen dürfen, statt des erspielten 3:3 stand die Festspielstadt nun mit einem 0:3 in den Büchern. Zum anderen ging Mecklar/Meckbach/Reilos Gastspiel in Gudegrund durch die Decke. Ein Nichtangriffspakt in den letzten zehn Minuten wie beim Bundesliga-Spiel zwischen Hoffenheim und Bayern sahen die Zuschauer. Der Grund? Die ersten drei Platzverweise gegen MMR in der Saison, wobei deren Trainer Roman Prokopenko viel Willkür des Schiedsrichters sah und aus diesem Grund seine Mannen vor dem Nichtangriffspakt in die Kabine schickte, um der befürchteten Eskalation entgegenzuwirken.

Zahlenspiel

70 Prozent aller Tore schießen Bekim Mustafi und Fabian Koch für Niederaula/Kerspenhausen. Mit ihren 28 Buden haben sie mehr Treffer als 14 Mannschaften in der bisherigen Spielzeit erzielt. Nur Wildeck, Neuenstein und Steinbach II übertrumpfen das Duo. Der derzeitige Tabellenführer sollte seine Offensivkräfte in Watte packen, sofern die Rückkehr in die Gruppenliga gelingen soll.

Ausblick

Was könnte der 13. Juni für ein Highlight werden. An jenem Tag steigt der letzte Spieltag, an dem ausgerechnet Niederaula/Kerspenhausen und Wildeck aufeinandertreffen. Es könnte ein Knallbonbon sein. Oder kann vielleicht doch noch der Dritte Bebra eingreifen? Zu viele Ausrutscher sollte sich das Top-Duo jedenfalls nicht leisten. Im Kampf um den Verbleib in der Kreisoberliga Nord sollten sich eigentlich eine Handvoll Teams nach dem Re-Start schnell aus der Gefahrenzone verabschieden. Doch manchmal nützt alle individuelle Klasse vor dem Schaden nichts.

Kommentieren