Hessenliga: Barletta zurück in Alzenau

"Können nicht erwarten, frühere Erfolge zu wiederholen"

06. Januar 2022, 12:10 Uhr

Angelo Barletta trägt wieder die Klamotten des FC Bayern Alzenau. Foto: Charlie Rolff

Der Aufstiegstrainer ist zurück. Ziemlich genau zwei Jahre, nachdem Angelo Barletta den FC Bayern Alzenau Richtung Kickers Offenbach verließ, ist der 44-Jährige zurück auf der Trainerbank des Hessenligisten.

"Ich bin froh, dass Alzenau mich aufgefangen hat. Ich hätte auch ein Jahr lang nichts machen können – aber ich mag es zu sehr, auf dem Platz zu entwickeln", betont Barletta. Ende September war er nach nicht einmal drei Monaten beim Regionalligisten FSV Frankfurt entlassen worden, nachdem der frühere Zweitligist nur acht Punkte aus neun Spielen geholt hatte. Wirklich besser lief es in Alzenau, seinem neuen Club, in der bisherigen Runde nicht. Der Absteiger verpasste überraschend die Play-offs und muss nach der Winterpause in der Hessenliga-Abstiegsrunde um den Klassenerhalt kämpfen. Wenig überraschend gingen der FCB sowie Trainerduo Peter Sprung und Murat Özbahar daher getrennte Wege.

"Die Ergebnisse in Alzenau habe ich immer verfolgt. Wirklich überrascht bin ich über die bisherige Saison nicht. Nach dem Abstieg haben viele Spieler den Verein verlassen, zudem hast du den Rucksack des ehemaligen Regionalligisten auf. Da kann es schnell in die andere Richtung gehen", weiß der neue, alte Übungsleiter. Immerhin starten die Bayern mit einem ordentlichen Polster in die Abstiegsrunde: Kein Konkurrent hat mehr als die Alzenauer 20 Punkte, auf die sechs Zähler Vorsprung auf einen möglichen Abstiegsrang dürfe man sich laut Barletta aber nicht ausruhen.

Aufstiegstrainer muss Ambitionen zügeln

Abstiegskampf statt Aufstiegslust. Entwicklung über Erfolg. Der Aufstiegstrainer, der sich über den Sprung in die Regionalliga im Sommer 2019 wie wohl kein Zweiter freute, weiß, dass er seine Ambitionen zügeln muss. "Wir können nicht erwarten, dass wir wiederholen, was zu meiner ersten Zeit hier möglich war", unterstreicht Barletta, der beim FCB nicht nur die erste Mannschaft trainieren wird. Vielmehr soll er für einen geregelten Übergang der Jugendspieler in den Seniorenbereich sorgen, Fördertraining für die größten Talente anbieten und diese in der Hessenliga auch mal ins kalte Wasser werfen.

Ein "Full-Time-Job", wie der 44-Jährige sagt, der nach zwei Jahren im Profigeschäft dennoch wieder seine alte Stelle an einer Schule aufnehmen möchte. Aus der Zeit in Offenbach und Frankfurt kann der Deutsch-Italiener jedenfalls einiges mitnehmen: "Ich konnte viele gute Erkenntnisse sammeln, wie der Profibereich läuft. Ich könnte ein ganzes Buch schreiben. Natürlich habe ich gehofft, länger in Offenbach bleiben zu können. Leider konnte ich coronabedingt nicht den vollen Genuss erleben, was dieser Verein mit sich bringt. Meiner Meinung nach war die Ampel am Ende auf grün, ich bin der felsenfesten Meinung, dass wir es hinbekommen hätten", sagt Barletta, dessen Zeit beim OFC am Jahresende 2020 nach 13 Monaten endete.

Nach einem halben Jahr Vereinslosigkeit folgte im Sommer der Wechsel zum FSV Frankfurt, den der 44-Jährige im Nachhinein als "viel zu kurze Zeit" bewertet. Nun also wieder Amateurbereich, Feierabendkicker statt Profifußballer. "Ich denke, ich werde mich schnell wieder anpassen können. Über das Finanzielle kann man hier nicht punkten, der Spaßfaktor muss höher gehängt werden. Amateure sehen den Fußball nach der Arbeit als Ausgleich zum Job."

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