11.10.2018

Kunisch: "Sind nicht mehr höherklassig unterwegs"

Verbandsliga Süd: Abstiegskampf bittere Realität

Canel Burcu (links) wurde aus der eigenen U19 übernommen. Foto: Mithat Gürser

Es ist still geworden um Rot-Weiss Frankfurt. Der Verein vom Brentanobad, der in der letzten Hessenliga-Saison die Schlagzeilen nahezu täglich mit Neuigkeiten bestimmte, muss nun in der Verbandsliga Süd kleinere sportliche Brötchen backen. Dafür herrscht jetzt Ruhe im Vereinsumfeld, sodass das Trainerteam mit Ex-Profi Slobodan Komljenovic und seinem spielenden Co-Trainer Sven Kunisch in Ruhe arbeiten kann.

Im Sommer war am Rödelheimer Parkweg nach dem Hessenliga-Abstieg die personelle Fluktuation mal wieder groß. Torhüter Daniel Duschner, Urgestein Patrick Gürser und Kapitän Damir Topcagic blieben aus dem Stammpersonal der Ersten Mannschaft übrig, der Rest verließ den Verein und verteilte sich in alle Himmelsrichtungen. Mit externen Neuzugängen und der Übernahme weiter Teile des starken U19-Hessenliga-Jahrganges wurde der Kader für die laufende Spielzeit bestückt. Früh gerieten die "Roten" mit zwei Auftaktniederlagen bei Aufsteiger Eintracht Altwiedermus (2:3) und gegen Viktoria Urberach (1:3) in der Tabelle ins Hintertreffen.

Dem ersten Saisonsieg beim TSV Vatanspor Bad Homburg (2:1) folgten zwei weitere Niederlagen gegen Meisterschaftsanwärter Hanau 93 (1:3) und beim starken Neuling RW Walldorf (1:4). So fanden sich die Frankfurter schon nach fünf Spieltagen in der Abstiegszone wieder. "Wir tun uns als Traditionsverein vom Selbstverständnis her schwer. Viele Zuschauer trauern den glorreichen Zeiten nach und vermissen diese. Doch wir müssen insgesamt verstehen, dass wir nicht mehr höherklassig unterwegs sind, sondern erstmal den Abstiegskampf in der Verbandsliga annehmen müssen. Das ist unsere Realität und mittlerweile haben es fast alle begriffen", ertönen aus der Stimme von Sven Kunisch realistische Töne.

Immerhin: In den letzten sieben Spielen gab es nur noch zwei Niederlagen, das reichte aber noch nicht aus, um die Abstiegszone zu verlassen. Zu schwankend sind die Leistungen des mit rund 20 neuen Spielern runderneuerten Kaders. "Wir benötigen noch Zeit, bis alle Automatismen greifen. Vor allem Geduld ist immer wieder gefragt", sagt Kunisch zur Entwicklung. Beim 4:0-Sieg gegen RW Darmstadt habe sein Team eine Klasseleistung gezeigt, um vier Tage danach beim torlosen Remis gegen Aufsteiger Unter-Abtsteinach offensiv zu enttäuschen.

"Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die aufgrund der Unerfahrenheit Fehler macht", erklärt der erfahrene Spieler, der vor seiner Rückkehr zu Rot-Weiss Abstecher zu den Sportfreunden Seligenstadt und zu Rot-Weiß Hadamar in der Hessenliga machte. Nachdem vor allem die 1:3-Heimpleite gegen den innerstädtischen Neu-Rivalen SG Bornheim Grün-Weiss vor allem die älteren, alteingesessenen Anhänger des Klubs schockiert hatte, konnten die Komljenovic-Schützlinge zumindest ergebnistechnisch in den letzten drei Begegnungen einen Aufwärtstrend einleiten.

Kein Sprung in die obere Tabellenhälfte absehbar

Fünf Punkte aus den letzten drei Partien und das 1:1 beim starken Aufsteiger Erlensee geben neuen Mut. Kunisch hat aber genau erkannt: "Wir spielen bis zum Saisonende gegen den Abstieg, weil uns die Konstanz fehlt. Um den Klassenerhalt am Ende zu schaffen, müssen wir das Maximum abrufen." Momentan ist kein Sprung in die obere Tabellenhälfte absehbar, der aktuelle 14. Platz würde nach momentanem Stand der Dinge in den höheren Ligen sogar den Absturz in die Gruppenliga bedeuten. "Wir unterliegen noch zu großen Leistungsschwankungen. Dazu haben wir Pech, dass Kapitän Damir Topcagic verletzt ausfällt. Immerhin ist Patrick Gürser nun wieder einsatzbereit", verdeutlicht der in Karben wohnende und arbeitende Kunisch.

Mittelfeldspieler Ozan Keskin ist der torgefährlichste Mann, er konnte schon sechs Treffer beisteuern und kam unter Hicham Tahrioui in der letzten Hessenliga-Rückrunde in fünf Spielen zum Einsatz und markierte dabei zwei Tore. "Im Sturm haben wir ein Manko", weist Kunisch auf nur insgesamt 16 Tore in zwölf Spielen hin. Roland Pauna, vom FC Dietzenbach als Torjäger verpflichtet, hatte bislang mehr mit seiner Achillessehne zu kämpfen.

"Von ihm versprechen wir uns sehr viel, wenn er fit ist. Keskin ist treffsicher, legt aber noch zu viel jugendlichen Leichtsinn an den Tag", berichtet Kunisch. Der Zusammenhalt im Verein sei derzeit besonders wichtig, denn "nur als Team werden wir gemeinsam mit den wenigen treuen Fans diese schwere Zeit überstehen", betont Kunisch. "Der Vorstand hält uns den Rücken frei. Wir können in Ruhe arbeiten", freut sich Kunisch. Das sei vor allem ein Verdienst von Jürgen Strödter und Peter Krawczyk, der nun in der Seniorenabteilung für den Spielbetrieb verantwortlich und in der Verwaltung in die Vorstandsarbeit eingebunden ist.

Nachdem am Mittwoch mit dem 5:1-Sieg beim A-Liga-Tabellenführer JuZ Fechenheim das Viertelfinale im Kreispokal erreicht wurde, richtet sich der Blick nun auf das Heimspiel am Freitagabend gegen den Tabellenzweiten SC 1960 Hanau. "Das ist ein Team mit vielen namhaften Spielern, aber wir wollen den positiven Trend fortsetzen", kündigt Kunisch an. Der Deutsch-Spanier fordert: "Wir müssen bis zur Winterpause den Abstand zu den Nicht-Abstiegsplätzen verringern oder diese verlassen. Legen wir unsere Nervosität ab, landen wir am Ende über dem Strich."

Autor: Pedro Acebes

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