Rückblick aufs Derby

Mentalität, Götze, Schaub und Standards

22. November 2021, 20:28 Uhr

Hünfelds Christoph Sternstein (blau) ist auf dem Sprung zum 2:1 und kann von Fliedens Jacob Müller nicht aufgehalten werden. Foto: Charlie Rolff

Sieben Spiele ist der HSV nun sieglos – und muss sich allein aufgrund dieser Tatsache nicht wundern, dass der Play-off-Traum alsbald zu platzen droht. Flieden hingegen zeigte auf der Rhönkampfbahn, was Mentalität ist.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wir verspielen dreimal eine Führung, weil wir im Defensivverbund mehrfach Komplettversagen an den Tag legen. So ein Spiel darfst du nie verlieren“, sagte Marcel Dücker. Der HSV-Kapitän war bitter enttäuscht von sich, seinem Team und der Ist-Situation, die vor dem spielfreien Wochenende ernüchternd wie einfach ist: „Die Play-offs sind jetzt meilenweit entfernt.“ Gewinnt der HSV das Spiel, das er nie verlieren darf, sind die Top-5 zum Greifen nahe. So aber braucht es nun aller Wahrscheinlichkeit nach Siege in Baunatal und gegen Fernwald plus Schützenhilfe der Konkurrenz.

Dass Dücker von Komplettversagen in der Defensive sprach, ist verständlich. Die Tore eins und zwei erzielte Flieden nach Ecken. Jeweils flipperte das Objekt der Begierde sekundenlang durch den Strafraum, doch der HSV setzte nicht energisch nach. Dass, wie Dücker sagt, sein Team „gefühlt 15 Ecken und 17 Freistöße“ gegen die so standardstarken Buchonen verursachte, passte ins Bild. Viele davon waren unnötig.

Die beiden Treffer vom gefeierten Marc Götze fielen nach dem anderen Schema X der Buchonen. Sturmtank Fabian Schaub stellte seinen Körper geschickt, dann war der Weg frei für Götze, dessen zweiter Treffer nicht herrlicher hätte sein können: ein Heber über den falsch postierten HSV-Keeper Fabian Brunner hinweg. „Derby-Götze“ war nachher glückselig. „Die Torhüter machen in so einer Situation oft einen Schritt nach vorne. Das habe ich gesehen, das habe ich genutzt.“ Dass seinem Team nur ein Sieg hilft, war vorher klar. Nun könnte sogar noch Platz fünf in greifbare Nähe rücken.

Götze will davon nichts wissen, sein Trainer Bardo Hirsch ebenfalls nicht. Götze war vielmehr stolz auf die wahnsinnige Mentalität seiner Mannen. Denn das Fliedener Defensivverhalten war ebenfalls dilettantisch, bei allen drei Gegentreffern stand Flieden viel zu offen. Dazu fielen diese allesamt zu psychologisch schlechten Zeitpunkten: kurz nach Anpfiff, kurz vorm Pausenpfiff und mitten in eine eigene Drangphase hinein. Doch mit der ureigenen Mentalität schlug Flieden immer wieder zurück, kaschierte so die fußballerische Unterlegenheit auf dem von Hünfeld präferierten Kunstrasen und vertraute auf Standardstärke sowie Fabian Schaub als Ballfestmacher, Ballverteiler und Wegbereiter.

Für Flieden geht es nun in Folge gegen Baunatal und nach Fernwald. Baunatal liegt den Buchonen: gelingt da ein Sieg und Fernwald verliert am Samstag in Hanau, könnte es tatsächlich noch in Richtung Play-offs gehen. Oder doch für Hünfeld? Es bleibt eng.

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