Flieden-Serie

Mit Klimek kam der Aufstieg

03. April 2021, 08:50 Uhr

1977 war der 1. FC Kaiserslautern zu einem Freundschaftsspiel zu Gast: Hier überreicht Schriftführer Wilbert Weber Lauterns Kapitän Klaus Toppmöller ein Präsent. Foto: Ottmar Schleich

Mit dem Aufstieg 1966 war Buchonia Flieden in der Gruppenliga (damals Bezirksklasse) angekommen. Für zwölf Spielzeiten sollte diese die neue Heimat für den Club aus dem „Königreich“ sein.

Das erste Tor auf Gruppenliga-Niveau gelang den Fliedenern im Spiel gegen den Tuspo Bad Salzschlirf. Es war die Zeit der Generation um Martin Abel, Lothar Scheich, Herbert Maul und Wilbert Weber. Meistens landete man irgendwo im Mittelfeld. Große Ausreißer nach oben oder unten gab es selten.

Ausnahme 1971/1972: Paul Odenwald war als Spielertrainer vom Hessenligisten Borussia Fulda gekommen und pushte die Mannschaft, die im Jahr davor noch Zehnter geworden war. Es war eine packende Spielzeit mit einem Zweikampf gegen den RSV Petersberg. Am Schluss waren beide Vereine punktgleich. Ein Entscheidungsspiel musste her. Am 10. Juni 1972 ging es auf dem Platz des SV Neuhof um alles – mit einem bitteren Ende für Flieden. Nach einer direkt verwandelten Ecke von Helmut Reith hatte Petersberg mit 1:0 die Nase vorne. Aus der Traum von der Verbandsliga, die damals noch Gruppenliga Nord hieß.

Wenige Wochen später bezogen die Buchonen dann ihre neue Heimat. Damals hieß der neue Platz „Am Weiher“ noch B-Feld, heute ist es längst die Haupt-Spielstätte der Fliedener. Das erste Spiel Anfang Juli 1972 fand gegen Borussia Fulda statt. Das erste Tor auf dem neuen Feld erzielte beim 2:2 Berni Kress.

Sportlich fiel Flieden nach dem großen Jahr 1971/1972 zunächst wieder ins Mittelmaß. Die Buchonia landete in den kommenden fünf Jahren immer zwischen den Plätzen 5 bis 14.

Seit 43 Jahren auf Verbandsebene

Dann aber sollte der große Wurf gelingen. In der Saison 1977/1978 schafften die Fliedener den Aufstieg in die Verbandsliga Nord (damals Landesliga Nord). Trainer war längst Lothar Klimek, mit Karl-Heinz Bunzenthal war einer der besten Stürmer seiner Zeit von der SG Steinau gekommen. Es war die Zeit der Fliedener Legenden um Torwart Peter Kreß (wurde Nachfolger von Udo Neuland), den Rückerser Manfred Hüttl, Erwin Koppel und Gerhard Röhrig.

Doch bis der Titel unter Dach und Fach war, musste die Buchonia bangen. Grund: Das entscheidende 1:0 bei Germania Fulda wurde von den Germanen angefochten. Torschütze Hermann Bock sei nicht spielberechtigt gewesen. Es dauerte über drei Wochen und es wurde dramatisch, ehe das Urteil zugunsten der Fliedener gefallen war. Die Saison war bereits vorbei, als der Verbands-Spielausschuss auf Wiederholungsspiel entschied. Gefällt wurde das Urteil zeitgleich zum Verbandsfußballtag. Flieden bekam Wind davon und die Verantwortlichen machten sich auf den Weg nach Grünberg. Reinhold Auth, damals Vereinswirt im „Ochsen“, gleichzeitig aber Vorsitzender beim SV Neuhof und dazu Mitglied im Verbands-Spielausschuss, hatte die Fliedener darauf aufmerksam gemacht. So sprachen die Fliedener schließlich vor den Delegierten und legten dar, dass Bock sehr wohl spielberechtigt gewesen war. Die Wertung blieb bestehen, Flieden war auch dank der 24 Saisontore von Karl-Heinz Bunzenthal aufgestiegen.

Seit diesem Tag hat Flieden niemals mehr die Verbandsebene verlassen. Aktuell spielt der Club im 43. Jahr am Stück in der Verbands- oder gar Hessenliga.

Ein weiteres Highlight dieser Zeit war das Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern in Flieden. Der Bundesligist absolvierte ein Trainingslager in Grünberg und den Funktionären um Wilbert Weber und Winfried Happ (seit 1978 bis heute Vorsitzender der Buchonen) gelang es, die Lauterer nach Flieden zu lotsen. Über 2000 Zuschauer kamen an einem Dienstag (19. Juli 1977) und sahen, wie Erich Ribbeck all seine Stars um den schwedischen Torhüter Ronnie Hellström, den jungen Hans-Peter Briegel, Benny Wendt, Reiner Geye oder Klaus Toppmöller mitbrachte. 2:11 verloren die Fliedener, aber nicht nur die Torschützen Manfred Hüttl (zum 1:6) und Karl-Heinz Bunzenthal (zum 2:8) werden den Tag wohl nicht mehr vergessen.

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