05.07.2018

NLZ? "Möglich und machbar, aber meilenweit entfernt"

Thomas Dreifürst äußert sich zu den Baustellen des osthessischen Junioren-Fußballs

Thomas Dreifürst äußert sich zu der Zukunft des osthessischen Junioren-Fußballs. Foto: privat

Während die SG Barockstadt ihre ersten Gehversuche bereits unternommen hat, bleibt weiterhin die große Frage, wie es künftig im Junioren-Bereich weitergeht. Dort ist der TSV Lehnerz noch mit Viktoria Bronnzell im JFV Viktoria Fulda verankert, während Borussia Fulda mit dem Haimbacher SV als JFV Fulda 2015 e.V. "Borussia" zusammenarbeitet. Zur Saison 2019/20 soll sich das ändern, wenngleich das längst nicht die einzige Baustelle ist.

Offene Fragen gibt es nämlich noch an anderen Punkten. Unter anderem, was mit Bronnzell und Haimbach passiert, wenn das Schwergewicht Barockstadt Fulda-Lehnerz auch in der Jugend die Kräfte bündelt. "Vom rechtlichen ist es möglich, mit allen Stammvereinen gemeinsam weiterzuarbeiten", sagt Thomas Dreifürst, Vorstandsvorsitzender des JFV Viktoria Fulda. "Faktisch ist es aber kaum umsetzbar. Es gäbe dann eine Masse an Jugendlichen, mit mehr als 200 Spielern, da müsste man schon dritte Mannschaften aufmachen. Das ist aber nicht Sinn und Zweck eines Jugendfördervereins."

Apropos Jugendförderverein: Mit einem solchen als Unterbau ist es einer Senioren-Mannschaft nicht gestattet, in die Regionalliga aufzusteigen. Sprich: genau dort, wo die Barockstadt hin will. "Ein Ansatzpunkt ist es, auf unsere Initiative hin die Zulassungsvoraussetzungen für die Regionalliga zu ändern und die Jugendfördervereine zu akzeptieren. Wir sprechen bei uns von Leistungsfußball, und in der Regionalliga beginnt der semi- beziehungsweise professionelle Fußball. Warum sollte ein Jugendförderverein da nicht anerkannt werden?", hofft Dreifürst auf eine Änderung durch die Spielkommission des Verbands.

Aber wie würde der neue Club dann heißen? JFV Barockstadt Fulda-Lehnerz wohl kaum, denn "ein Jugendförderverein kann nie nach seinem Stammverein benannt werden. Eine einfache Namensumbenennung wäre wohl nicht möglich, der Verband ist da nicht so flexibel, dass er Ad-hoc-Lösungen kennen würde." Eine Zusammenarbeit auch im Juniorenbereich ist aber auf alle Fälle angedacht, wie Dreifürst betont: "Die Überlegungen gibt es ja schon länger. Fakt ist, dass wir keine zwei Jugendfördervereine in Fulda brauchen, die das gleiche Ziel "Junioren-Leistungsfußball" verfolgen."

"Unglücklich, zu diesem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit zu gehen"

In den kommenden Wochen und Monaten wartet also viel Arbeit auf Dreifürst und seine Vorstandskollegen, sowie den Verantwortlichen auf JFV Fuldaer Seite. Für die nächsten Jahre wird sogar noch einen großen Schritt weiter gedacht. In einem Interview mit "Osthessen-News" überraschte Barockstadt-Vorsitzender Martin Geisendörfer mit der Aussage, dass es Ziel sei, "ein Nachwuchsleistungszentrum als SG Barockstadt zu unterhalten." Dabei sprach sein Kollege Peter Enders von einer "Fünf-Jahres-Aussicht".

"Ich finde es ein bisschen unglücklich, zu diesem Zeitpunkt mit so etwas an die Öffentlichkeit zu gehen und mit einem Nachwuchsleistungszentrum zu kokettieren. Der Verein spielt aktuell in der fünften Liga und muss doch erst einmal nach der Namensänderung aus den Startlöchern kommen. Was nützt es da, schon jetzt über ein NLZ zu sprechen?", kritisiert Dreifürst, der es grundsätzlich aber für realistisch betrachtet, dass ein Nachwuchsleistungszentrum in den nächsten Jahren umsetzbar ist.

"Es ist eine Vision und ein Ziel, für die Region sicherlich möglich und machbar. So etwas muss reiflich überlegt und konzeptionell erarbeitet werden. Momentan sind das ungelegte Eier, noch sind wir meilenweit davon entfernt." Zunächst müssen grundsätzliche Fragen geklärt werden, wie beispielsweise, ob die Region die Möglichkeit an Spielermaterial hergeben würde, um ein NLZ zu rechtfertigen, oder ob das Einzugsgebiet vergrößert werden müsse. Ferner sei auch die wirtschaftliche und strukturelle Machbarkeit auf den Prüfstand zu stellen. "Grundsätzlich ist das Ziel eines Nachwuchsleistungszentrums aber in Ordnung und für eine Regionalliga-Mannschaft gerechtfertigt."

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