Torgranate-Analyse

Ohne Avanesian ging nichts

Verbandsliga: Eichenzell im Tief, aber noch mit allen Chancen

08. Januar 2020, 20:43 Uhr

Sein Ausfall schmerzt die Britannia brutal: Ohne Mikael Avanesian tut sich Eichenzell schwer. Foto: Kevin Kremer

18 Spiele, nur 13 Punkte, Rang 14 in der Verbandsliga Nord. Für die Britannia aus Eichenzell lief die erste Saisonhälfte alles andere als optimal. Doch noch ist nichts verloren: Bei einem Spiel mehr in der Hinterhand hat die Mannschaft von Spielertrainer Heiko Rützel nur sechs Zähler Rückstand, die es auf Hombressen/Udenhausen und somit den sicheren zwölften Platz aufzuholen gilt.

So lief die bisherige Runde:

Der Start hätte nicht besser sein können. Mit einem Feuerwerk startete Eichenzell beim in der Höhe sensationellen 5:0 beim CSC 03 Kassel, der als Titelkandidat gehandelt war. Aufgrund des schweren Programms (im August hatte Eichenzell zwei Mal Spitzenreiter Hünfeld, Hessenliga-Absteiger Flieden, Sand und Weidenhausen) war die Britannia lange zufrieden, zumal die wichtigen Spiele gegen Ehrenberg, Sandershausen und in Körle gewonnen wurden. Doch als sich das Jahr dem Ende entgegen neigte und der Kader immer dünner wurde, ging es steil bergab. Mit nur noch einem Punkt seit Ende September haben sich die Eichenzeller mächtig in die Bredouille gebracht.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Vor der Runde hat Eichenzell den Umbruch eingeläutet und die Leute, die dafür geholt wurden, haben fast durchweg eingeschlagen. Allen voran Mikael Avanesian. Mit neun Treffern war der aus Kerzell gekommene Offensivspieler eine entscheidende Stütze. Bis zum 26. Oktober und dem Heimspiel gegen Willingen, wo er sich die Kreuzbänder riss. Ab diesem Moment hat Eichenzell keinen einzigen Punkt mehr geholt. Ebenfalls eine gute Verstärkung ist Alexander Ganß. Zwei Spiele fehlte der Neue aus Bronnzell, der ansonsten 16 Begegnungen über die vollen 90 Minuten ging. Der 23-Jährige ist vom ersten Tag Stammspieler.

Nur eine einzige Partie hat Rudi Wasirow verpasst. Von der SG Rückers aus der Kreisoberliga gekommen, fehlt dem 21-Jährigen nur noch ein kleiner Schritt, um auch zwei Spielklassen höher ein ganz wichtiger Spieler zu werden. Wie Wasirow stand auch Mehmet Bagci, der aus Müs geholt wurde, 17 von 18 Spielen auf dem Feld. Auch er sprang zwei Ligen nach oben. Je 15 Einsätze haben Aron Loui Jahn (23, kam aus Kerzell) und der erst 20-jährige Tim Ströder (RSV Petersberg) auf dem Buckel. Beiden gehört die Zukunft, sie werden mit der gesammelten Erfahrung aus Fehlern lernen und reifen. Die Entwicklung im ersten Halbjahr Verbandsliga ist deutlich zu erkennen.

Ferhat Yildiz kam aus Johannesberg, war durch seine Erfahrung (spielte auch schon in Hünfeld, Steinbach und Petersberg) der vermeintlich wichtigste Neuzugang. Diese Ansprüche konnte der 23-Jährige nur selten erfüllen. Sieben Treffer sind zwar eine ordentliche Zwischenbilanz, aber insgesamt ist noch viel Luft nach oben. Der neue Torwart Marcel Röder wurde von der SG Ehrenberg geholt und schwankt in seinen Leistungen. Ganz wichtig war sein parierter Elfmeter gegen Sandershausen beim Stand von 0:0. Kurze Zeit später hatte Eichenzell drei wichtige Punkte mehr auf dem Konto.

In Erinnerung bleibt:

Vor allem über den fulminanten Start beim CSC 03 redet die Liga noch heute. Aber in Erinnerung bleiben auch "dumm" verlorene Spiele. Ein Beispiel war die 2:4-Heimniederlage gegen Bad Soden, als der FCB bis zur 79. Minute 2:1 führte, aber 90 Sekunden später 2:3 hinten lag und verlor. Auch beim 3:5 in Johannesberg war die Rützel-Elf lange drauf und dran, führte 2:1 und 3:2, um dann in den letzten acht Minuten doch noch den Kürzeren zu ziehen.

Ausblick:

Das erste wichtige Zeichen ist gesetzt. Trainer Heiko Rützel wurde mit der Vertragsverlängerung über die laufende Saison hinaus das Vertrauen ausgesprochen. Jetzt kommt es darauf an, ob sich das Lazerett lichtet, ob der FCB gut durch die Vorbereitung kommt und vor allem wie der Start ins Jahr 2020 aussieht. Daheim gegen Körle und Türkgücü Kassel sowie doppelt gegen Melsungen muss gewonnen werden. Werden diese Pflichtsiege eingefahren und entscheidet die Britannia gegen Sandershausen (Hinspiel 2:0) und Hombressen (2:2) die direkten Vergleiche für sich, könnte es doch noch für den Klassenerhalt reichen. Zumal man im Vorjahr zur gleichen Zeit aus 21 Spielen nur 18 Punkte holte, ebenfalls vor der Winterpause stark abfiel, sich dann aber ab Anfang April mit 15 Punkten in knapp sechs Wochen die Liga sicherte. Die Hoffnungen ruhen auf Leuten wie Lukas Heil, der nach einjähriger Pause zurückkehrt, sowie Neuzugang Benedikt Rützel. Der aus Hosenfeld geholte Stürmer soll die nötigen Tore schießen.

Autor: Ralph Kraus

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