Arbeit am "Boxing Day"

Pflanz feierte vorgezogene Weihnachten

22. Dezember 2020, 09:01 Uhr

Markus Pflanz beim Gastspiel in Genk. Foto: privat

Sein erstes halbes Jahr als Profitrainer liegt fast hinter Markus Pflanz. Besinnliche Feiertage stehen dem Co-Trainer des belgischen Erstligisten KV Oostende aber nicht bevor. Ganz im Gegenteil: Berufsbedingt musste Weihnachten vorgezogen werden.

Frau Nicole und Sohn Johannes nutzten die coronabedingte Absage gegen Eupen und machten sich schon vergangene Woche auf den Weg an die belgische Nordseeküste, um zumindest ein paar Tage gemeinsam Zeit zu verbringen. Denn die belgische Profiliga hält in dieser Saison nichts von einer Weihnachts- oder gar Winterpause. Am zweiten Weihnachtsfeiertag steht die Oostender Auswärtspartie bei OH Leuven an. "An Heiligabend werden wir morgens trainieren, am ersten Weihnachtsfeiertag um 14 Uhr. Anschließend machen wir uns auf die Reise zu unserem Spiel", erzählt Pflanz.

Dass er am "Boxing Day", wie der zweite Weihnachtsfeiertag unter anderem auch in England genannt wird, arbeiten muss, stört den 44-Jährigen aber kaum – und das hat wenig damit zu tun, dass das Fest der Liebe auch sonst nicht besonders groß im Hause Pflanz zelebriert wird. "Natürlich ist es dieses Jahr etwas komplett anderes. Aber es ist nun mal Teil des Berufs. Ich empfinde es als riesengroßes Glück und sehe mich als sehr privilegiert an", betont der frühere Trainer des TSV Künzell, der SG Aulatal und der SG Eiterfeld/Leimbach.

"Dürfen unser Hobby zum Beruf machen"

Zuletzt war der Langenschwarzer Mitte November bei der letzten Länderspielpause – Deutschlands 0:6-Pleite in Spanien ist das Stichwort – zu Gast in der Heimat. Dass Hochzeiten oder der 80. Geburtstag des Vaters verpasst werden, nimmt der A-Lizenz-Inhaber für seinen Traum in Kauf. Zumal seine Familie voll hinter ihm steht. "Manchmal denke ich schon, dass ich mich kneifen muss. Zum Beispiel, wenn ich dann plötzlich im Stadion vom RSC Anderlecht an der Seitenlinie stehe. Ich habe auch schon zu den Spielern gesagt: 'Ihr wisst gar nicht, wie gut es uns geht. Wir durften unser Hobby zum Beruf machen.'" Zumindest an Silvester – gleichzeitig Pflanz' 45. Geburtstag – könnte ein kurzer Besuch in Osthessen anstehen.

Ansonsten gehören in Belgien Arbeitstage bis 20 Uhr längst zur Tagesordnung, weil beispielsweise die Trainingseinheiten protokolliert werden müssen. "Aber ich sehe das oft gar nicht als Arbeit an. Es macht Spaß", erklärt Alexander Blessins Co-Trainer, der nebenbei noch ein Fernstudium in den Bereichen Spielanalyse, Scouting und Talentförderung zeitnah abschließen möchte.

Und wie läuft es sportlich für Pflanz und Oostende? Der "Königliche Fußballclub" liegt trotz einer zwischenzeitlichen Negativserie von fünf Partien ohne Sieg im gesicherten Mittelfeld. "Wir haben schon jetzt mehr Punkte als in der gesamten Vorsaison – und hätten eigentlich noch mehr holen müssen. Zuletzt gab es auch eine Statistik, da liegen wir bei den meisten Sprints europaweit auf Platz fünf. Belgien ist dort sowieso die unangefochtene Nummer eins, es ist eine sehr physische Liga. Aber auch gespickt mit vielen tollen Fußballern – nicht umsonst ist Brügge in der Champions-League-Gruppenphase nur knapp gescheitert."

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