Hessenliga nicht nur ein Traum?

Plötzlich Tabellenführer

04. November 2020, 17:07 Uhr

Aus der Mitte entspringt ein Hammer. Thomas Hammer und der SV Adler sind plötzlich Spitzenreiter der Verbandsliga, nachdem der Start noch mächtig in die Hose gegangen war. Foto: Charlie Rolff

Recht forsch wurden vor der Saison rund um das Chattenloh das Ziel formuliert: oben mitspielen. In Zwischentönen war gar so etwas wie Hessenliga zu vernehmen. Ein Vokabular, das nach Platz acht in der ersten Corona-Saison überraschte, und sich nach missratenem Saisonstart auch nicht relativeren sollte. Doch nun, in der erzwungen Winterpause, stehen Weidenhausens Adler plötzlich auf Rang eins.

Doch auch das ist freilich zu relativieren: Verfolger Nummer eins, Lokalrivale Lichtenau, hat zwei Spiele weniger bestritten. Verfolger Nummer zwei, Meisterschaftsfavorit Bad Soden, gar deren drei. „Wir wissen die Situation einzuschätzen“, sagt Weidenhausens Abteilungsleiter Stefan Stederoth, der aber glücklich ist, dass sein Team in den bis dato letzten fünf Spielen die Maximalausbeute holte. Der Effekt nach dem Rücktritt von Maikel Buchenau auf dem Trainerposten und die erneute Übernahme des vormaligen Co-Trainers Ronald Leonhardt ist beinahe maximal geglückt – nur in Leonhardts Auftakt gegen Johannesberg (1:2-Pleite) gab es keinen Dreier.

„So wie wir jetzt stehen, können wir sagen, dass, ganz egal nach welchen Spielregeln und in welcher Konstellation die Saison weitergeht, für uns Reiz vorhanden ist.“ Und Stederoth will auch nicht verhehlen, dass er auch tief durchgeatmet hat – zumindest im Nachgang: „Ohne die jüngste Serie würden wir ganz woanders stehen, hätten vielleicht nur noch fünf Spiele Zeit, um die Klasse zu halten. Das ist schon eine Extremsituation“, sagt Stederoth, der davon ausgeht, dass bis zum Januar keine Entscheidung des Verbandes hinsichtlich der Weiterführung des Spielbetriebs fallen wird.

Stederoth zieht Hut vor den Hersfeldern

Dass Weidenhausen hohe Ziele ausgegeben hatte, bereut Stederoth nicht, schließlich hätten viele Spieler wie die Gerbigs, Goebels oder Hammers ihren Zenit erreicht, dazu werden die Gonnermann-Zwillinge Tim und Sören mit ihren gerade vollendeten 32 Lebensjahren nicht jünger. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, antwortet Stederoth auf die Hessenliga-Frage und weiß, dass der Mannschaft, die nun schon jahrelang in ähnlicher Besetzung agiert, nicht mehr allzu viel Zeit bleibt. Aber Stederoth weiß auch, dass nach dem schwachen Saisonstart und der unsicheren Corona-Situation die Saison auch ganz schnell vorbei sein könnte und Weidenhausen tatsächlich nur noch fünf Spiele Zeit blieben, um den Platz an der Sonne zu verteidigen. Lichtenau und vor allem Bad Soden müssten einige Federn lassen.

Dass Hessenliga am Chattenloh möglich wäre, steht für Stederoth außer Frage – allerdings betont er, „dass wir deswegen nicht von unserer Philosophie abrücken würden. Wir kennen Beispiele aus Eschwege, Wattenbach oder Asbach, wo es in eine ganz andere Richtung ging. Solchen Gefahren werden wir uns nicht aussetzen.“ Apropos: Von dem leisen Abstieg des SVA profitierte Weidenhausen hinlänglich: Tim Ullrich war der erste, der vom SVA kam. Ihm folgten die Kumpel Yannick Mainz und Fabian Assmann, dazu wechselte mit Jan auch der andere Ullrich ans Chattenloh. Das Quartett bildet eine Fahrgemeinschaft. „Da profitieren wir schlicht auch von der nicht allzu rosigen Situation rund um Hersfeld“, sagt Stederoth und zieht seinen Hut vor den „Hersfeldern“, weil sie eine Menge Aufwand betreiben.

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