27.07.2016

Rangnick: "Trainer müssen sich ihre Autorität täglich neu erarbeiten"

Kenner der Bundesligaszene diskutieren beim ITK über neue Anforderungen an einen Trainer

Zum Abschluss des Internationalen Trainer-Kongress gab sich das „Who-is-who“ des deutschen Fußballs in Fulda die Ehre (von links): Lutz Hangartner (Präsident Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL)), Moderator Michael Leopold, Benno Möhlmann,Sebastian Kehl, Ralf Rangnick, Hansi Flick, Andreas Rettig und BDFL-Vizepräsident Manfred Schaub). Foto:Charlie Rolff

Die Anforderungen an einen Fußballtrainer sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Über den Umgang mit der neuen Spielergeneration, den Einfluss von Social Media und neue Trainingsmethoden diskutierte zum Abschluss des Internationalen Trainer-Kongresses in Fulda eine prominent besetzte Runde.

Neben dem Lahrbacher Ex-Bundesligaprofi Sebastian Kehl stellten sich DFB-Sportdirektor Hansi Flick, der Sportdirektor von RB Leipzig, Ralf Rangnick, der Geschäftsführer des FC St. Pauli, Andreas Rettig, sowie Trainer-Urgestein Benno Möhlmann den Fragen von Michael Leopold (Sky).

Zum lockeren Einstieg zeigte Leopold seinen Gästen ein Bild aus der Kabine der argentinischen Nationalmannschaft nach dem siegreichen Viertelfinale der diesjährigen Copa America, auf dem alle abgelichteten Spielern auf ihrem Smartphone herumspielen. „Bei uns würde es das nicht geben. Eine halbe Stunde vor bis eine halbe Stunde nach dem Spiel hat ein Handy im Mannschaftskreis nichts verloren“, erklärte Rangnick und erntete dafür in der Esperantohalle Applaus. Auch Sebastian Kehl war während seiner Zeit als Kapitän von Borussia Dortmund bemüht, die Nutzungsdauer von Smartphones im Mannschaftskreis einzuschränken: „Da läufst du aber häufiger mal gegen eine Wand.“

Die Kenner der Bundesligaszene waren sich jedoch einig, dass das Smartphone gerade für die bekannten Spieler mittlerweile auch ein wichtiges Instrument sei, um die eigene Attraktivität als Marke zu steigern. „Für die Medienabteilungen der Vereine wird es immer schwieriger, die Spieler zu kontrollieren, wenn sie mit eigenen Posts um die Ecke kommen“, gab Kehl zu bedenken.

Unabhängig vom gesteigerten Einfluss von Social Media brach Ralf Rangnick eine Lanze für die jungen Spieler. „Wenn die Jungs aus den Nachwuchsleistungszentren herauskommen, haben sie ein großes Pflichtbewusstsein intus.“ Daher wüssten insbesondere die Bundesligakicker von heute, welche Trainingsformen ihnen persönlich etwas bringen oder auch nicht. „Du musst dir als Trainer deine Autorität jeden Tag aufs Neue erarbeiten. Die Spieler müssen merken, dass sie durch dein Wirken als Trainer stetig verbessern.“ Andreas Rettig betonte, „dass die One-Man-Shows von Trainern vorbei sind. Die Art der Mannschaftsführung ist anspruchsvoller geworden. Führen und Delegieren ist die Maxime.“

Sebastian Kehl verriet gestern im Rahmen der Diskussion, dass er Trainerscheine erwerben möchte. „Ich glaube, dass wir in Zukunft noch individueller auf die Spieler eingehen müssen. Wenn es einen Torwarttrainer gibt, dann könnte man doch auch spezielle Trainer für die anderen Mannschaftsteile installieren“, schlug der Lahrbacher vor, während Rangnick eher im Bereich „Ernährung im Profisport“ Steigerungspotenzial erkannt hat.

Autor: Christian Halling

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