03.12.2019

Region Hersfeld? „Ein Elendsgebiet!“

Klaus Wächter nimmt auf einen Glühwein kein Blatt vor den Mund

Zahlreiche Anekdoten erzählte Klaus Wächter (links) bei einem Glühwein mit Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann. Foto: Tobias Konrad

Ausbach/Friedewald, Eiterfeld/Leimbach, Ober-/Untergeis, Schlitzerland, SVA Bad Hersfeld II, Wölf, Rotensee/Wippershain, Kirchhasel. Die Liste der Trainerstationen von Klaus Wächter ist fast endlos. Und auch heute ist der junggebliebene 66-Jährige noch nah dran am Geschehen, wie der Hersfelder auf einen Glühwein verrät.

Als Sie Ihre letzte Trainerstation bei Ausbach/Friedewald angetreten haben, sagten Sie, dass die Katze das Mausen nicht sein lassen kann. Haben Sie im Sommer nun endgültig einen Schlussstrich gezogen?

Ich will nicht ausschließen, dass ich nochmal irgendwo aushelfe. Mir war aber klar, dass ich bis Winter erstmal nichts machen würde. Ich bin immer noch an den Sportplätzen und beobachte viel, unter anderem die Situation in meiner Region Bad Hersfeld, die schon sehr arm ist. In Sachen Trainingsaufwand, Trainingsleistung und Qualität der Spieler befinden wir uns in einem Elendsgebiet. Das geht im Jugendbereich los und setzt sich oben fort. Es ist bedenklich, dass die Stadt Bad Hersfeld den Fußball nicht hinkriegt.

Auch in Fulda sind Sie bestens vernetzt. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Fuldaer Raum, wo es seit Jahren keinen überregionalen Fußball gibt?

Es gehört ein Leuchtturm in so eine Stadt, wie das zum Beispiel bei Kassel mit dem KSV Hessen der Fall ist. Wenn das einer schaffen kann, dann die SG Barockstadt, aber es muss schnell geschehen, denn für die Hessenliga interessiert sich irgendwann keiner mehr. Die Spieler aus der A-Jugend, die wirklich gut sind, müssten mehr gefördert werden, denn der Verein sät und sät, ohne zu ernten. Da ist die Angst zu groß, die jungen Leute einzubauen und dann ein Spiel zu verlieren. Wie es geht, zeigt Eintracht Stadtallendorf, wo mein Freund Dragan Sicaja tolle Arbeit leistet. Er hat über Jahre bei einem Dorfverein eine starke Truppe mit Jungs aus der Umgebung geformt.

Können Sie sich vorstellen, einmal eine Rolle in anderer Funktion anzutreten? Beispielsweise im Jugendbereich, auch abseits der Trainerbank?

Auf jeden Fall. Ich arbeite schon jetzt im Hintergrund ein bisschen bei Eiterfeld/Leimbach mit, Ante Markesic und seinen Vorgänger Alin Cotan habe ich dort als Trainer mit installiert. Da muss jetzt im Winter auch noch nachjustiert werden, weil die enge Situation in der Gruppenliga ganz schön bedrohlich ist. Auch meine anderen Rumänen, die ich aus Zeiten von Ober-/Untergeis kenne, versuche ich zu unterstützen. Alin Neacsu ist zum Beispiel auf meine Empfehlung hin in Steinbach gelandet, Sorin Sergiu Leucuta und Mihai Alexandru Moise habe ich nach Johannesberg vermittelt.

Autor: Steffen Kollmann

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