22.03.2017

Regionalliga: Wer will, wer nicht

Nachgefragt nach der Dreieich-Bombe

SCB-Trainer Thomas Brendel und Dennis Müller sind zuerst gefordert, dann entscheidet der Verein. Foto: Charlie Rolff

Mit drei Fragezeichen hat der TSV Stadtallendorf kurz und knapp die Regionalliga-Verzichtsentscheidung des Hessenliga-Tabellenführers Hessen Dreieich auf seiner Facebook-Seite kommentiert. Und jene Fragezeichen geistern durch die gesamte Liga, beeindrucken lässt sich davon allerdings kein weiteres im Aufstiegskampf befindliches Team. Wir haben bei den Teams nachgefragt, die jetzt mehr denn je Morgenluft im Kampf um ein Regionalliga-Ticket wittern. Dreieich bleibt mit seinem Verzicht wohl alleine.

Der Tabellenfünfte Borussia Fulda hat seinen Wunsch von einem Aufstieg in die Regionalliga schon seit einiger Zeit offen geäußert, eingereicht sind die Unterlagen zur vierten Liga aber noch nicht. Und der Vorsitzende Peter Enders hat hierzu auch eine dezidierte Meinung: "Wir müssen erst einmal am Sportplatz unsere Hausaufgaben erledigen und sollten bestrebt sein, jedes Spiel zu gewinnen." Gerade auf die nächsten Spiele gegen die Kellerkinder Ederbergland und Steinbach komme es dabei wohl an, anschließend würde ein echtes Spitzenspiel gegen Stadtallendorf ins Haus stehen.

Ob Borussia Fulda hiervon abhängig macht, die Unterlagen auch wirklich fristgerecht bis zum 18. April einzureichen, kann und will Enders zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings noch nicht beantworten: "Das ist einfach zu früh." Der Verzicht Dreieichs habe zwar die Chance erhöht, den Aufstiegsrundenplatz zu erreichen, gleichzeitig sei allerdings auch der Druck gewachsen und mit Tabellenplatz fünf befände man sich ohnehin nicht in der Position offen von einem Aufstieg zu reden. Ergo: Die Mannschaft ist erst gefordert, dann wird wohl auch der Verein nachziehen und die notwendigen Schritte in die Wege leiten.

Der Dritte Eintracht Stadtallendorf hat diesen Schritt ebenfalls angekündigt: Vor dem Topspiel gegen Dreieich am vergangenen Wochenende (2:2), gab Rainer Bremer in einem Interview mit der Oberhessischen Presse bekannt, die Unterlagen für die Regionalliga einreichen zu wollen. Auch wenn die Vorraussetzungen in Mittelhessen alleine mit Blick auf das Stadion wohl die schwierigsten der verbliebenen vier Aufstiegskandidaten sind. Marburg und Kassel gelten laut des Berichts der OP als mögliche Ausweichstadien.

Klare Aussagen aus Stadtallendorf und Alzenau

"Das hat schon sehr überrascht", sagt Axel Vonderschmitt zum Entscheid in der Nachbarschaft, der Sportliche Leiter des Tabellenzweiten Rot-Weiss Frankfurt respektiert selbstredend die Situation in Dreieich, lässt sich davon für den eigenen Club aber nicht hetzen: "Dass wir am kommenden Freitag eine Sitzung mit dem kompletten Vorstand mit dem Thema Regionalliga einberufen haben, steht schon länger fest. Vorher möchte ich mich ungern dazu äußern, schließlich darf solch eine Entscheidung nicht im Alleingang gefällt werden, sondern muss mit dem ganzen Vorstand abgesprochen werden."

Dennoch: Bei den Rot-Weissen war bereits im vergangenen Jahr der Wille zum Aufstieg da, dieser wurde erst knapp in den Aufstiegsspielen verpasst. Und auch Vonderschmitt weiß: "Bei uns wurden im vergangenen Jahr alle Auflagen erfüllt. Von daher haben wir keinen allzu großen Stress, schließlich müssen die Unterlagen erst Mitte April eingereicht werden." Es wäre sehr überraschend, wenn rund um das Brentanobad diesmal der Daumen gesenkt wird, zumal die Mannschaft von Daniyel Cimen mittlerweile wieder voll im Soll ist: "Das Team spielt einen tollen Fußball, wir sind sehr stolz und gehen davon aus, dass das Team alles dafür tun will, sportlich einen Aufstiegsplatz zu erreichen."

Die Marschroute in Alzenau, derzeit Vierter, aber bereits mit den meisten Spielen ausgestattet, ist eindeutig: "Die Unterlagen für die Regionalliga sind meiner Meinung nach sogar schon eingereicht worden, sollen es aber auf jeden Fall", sagt Trainer Angelo Barletta, der allerdings weiß: "Nach der jüngsten Niederlage in Vellmar wird es für uns nicht leichter, auch nicht durch den Verzicht von Dreieich. Falls es aber tatsächlich so kommen sollte, wollen wir die Regionalliga auf jeden Fall angehen."

Zulassungsbestimmungen und Co.

Das Aufstiegsrecht zur Regionalliga werden grundsätzlich den Meistern der Hessenliga, der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar und der Oberliga Baden-Württemberg zuteil. Zusätzlich ermitteln die Zweitplatzierten über eine Aufstiegsrunde den vierten Aufsteiger. Nimmt ein Team das Aufstiegsrecht nicht wahr, wie nun Hessen Dreieich, darf bis maximal zum Viertplatzierten ein Team nachrücken, auch für den Aufstiegsrundenplatz ist mindestens Platz vier vonnöten.

Neben diversen sicherheitstechnischen Maßnahmen, gelten deutlich vereinfachte Zulassungsbestimmungen wie noch vor ein paar Jahren: So beträgt die mindeste Zuschauerkapazität nur noch 2500 Plätze (100 Sitzplätze), die Flutlichtanlage benötigt 400 Lux, ausreichende Einrichtungen für Spieler und Medienmitarbeiter sind obligatorisch, Pressekonferenzraum und VIP-Raum müssen vorhanden sein.

Finanziell muss ein Verein eine Zulassungsgebühr von 2000 Euro leisten, zudem eine Spielabgabe von mindestens 250 Euro pro Heimspiel an die Regionalliga Südwest GbR leisten. Und auch eine Barkaution beziehungsweise Bankgarantie von 35.000 Euro muss zur Absicherung für eventuell resultierende Forderungen hinterlegt werden.

Autor: Johannes Götze

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