Spieler im Blickpunkt

„Schalke“ ist für die Drecksarbeit zuständig

07. Januar 2021, 14:49 Uhr

Florian Scherner (links, hier im Duell mit dem damaligen Wiesener Timo Atzler im Jahr 2017) ist ein echter „Löwe“ und gehört beim SV Welkers zum Inventar. Foto: Charlie Rolff

Florian Scherner ist „Mister SV Concordia“: Seit 30 Jahren spielt er für seinen Heimatverein SV Welkers, hat alle Hochs und Tiefs in den vergangenen Jahrzehnten mitgemacht. Selbst, als es bis runter in die B-Liga ging, war ein Vereinswechsel für den mittlerweile 36-Jährigen komplett ausgeschlossen.

Bereits im zarten Alter von sechs Wochen hat ihn sein Vater beim SV Welkers angemeldet. Seitdem spielt sich sein halbes Leben rund um das Sportgelände ab. „Solange ich mich zurückerinnern kann, habe ich die Sonntage am Sportplatz verbracht und bin da quasi groß geworden. Entsprechend eng verbunden bin ich mit dem Verein“, sagt der Maschinenbau-Konstrukteur, der beim SVW schon einiges durchlebt hat.

Alleine in seiner Seniorenzeit hat Scherner drei Auf- und drei Abstiege mitgemacht. Aus eigener Erfahrung ist er also auch fußballerisches Leid durchaus gewohnt. Und so trägt er es entsprechend mit Fassung, was aktuell mit „seinem“ FC Schalke 04 in der Bundesliga passiert. „Das ist alles nicht schön, aber in den 1990er-Jahren habe ich auch schon einige Zweitligaspiele im damaligen Parkstadion gesehen“, so Scherner, der wegen seiner Liebe zu „Königsblau“ auch den Spitzname „Schalke“ trägt.

Scherner ist keiner, der durch Tore oder seine filigrane Spielweise auffällt. Eher erledigt er die Drecksarbeit am Platz, gilt als knallharter Verteidiger, der immer alles für die Mannschaft gibt. „Ich habe es auch mal zwischenzeitlich als Linksaußen probiert, aber das Spiel in der Verteidigung liegt mir einfach eher. Ich bin eben nicht der große Techniker“, gibt er zu.

Der große Torjäger übrigens auch nicht: In 18 Jahren im Seniorenbereich ist Scherner erst ein einziges Tor für die erste Mannschaft gelungen. „2004 war das“, erinnert er sich noch genau. „Das war gegen Kressenbach und es war sogar ein richtig schönes Tor. Nach einer Ecke ist der Ball abgewehrt worden und ich stand außerhalb des Sechzehners und habe das Ding volley in den Winkel geschossen. Das war schon echt gut“, sagt Scherner heute lachend.

Mittlerweile ist er zwar 36 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt der Routinier keineswegs. „Meine Kumpels fragen mich zwar immer, wann ich endlich Schluss machen will, damit ich endlich mit denen draußen während den Spielen mein Bierchen trinken kann. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Solange ich fit bin, will ich noch spielen.“

Fit ist Scherner auf alle Fälle, wobei er schon zwei Mal Rückschläge einstecken musste. Innerhalb von eineinhalb Jahren brach er sich erst das Sprunggelenk samt Wadenbein, ehe er sich einen Meniskusschaden zuzog und sich erneut herankämpfen musste. „Aber das ist längst vergessen. Ich habe damit keine Probleme mehr“, so der Verteidiger, der einen Trainerjob später mal ausschließt. „Das ist nicht mein Ding. Aber einen Job im Vorstandsteam werden sie in Welkers bestimmt für mich finden“, gibt er preis.

Eine Anekdote aus den Anfängen seiner Laufbahn hängt ihm aber bis heute nach. Sein Sportlicher Leiter Jürgen Schlag erinnert sich: „Das war in der E-Jugend. Florian hat damals im Tor gespielt. Leider war da für kurze Zeit der Hubschrauber am Himmel mal wichtiger als der Ball“, sagt Schlag heute schmunzelnd und bricht gleich noch eine Lanze für den langjährigen Weggefährten: „Florian ist ein Glücksfall für den Verein – sowohl als Spieler als auch als Mensch. Sein Lieblingsplatz ist übrigens der an der Theke. Da kann er Stunden verbringen.“ Und Scherner bestätigt: „Es gibt schließlich immer viel zu bereden.“

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