27.08.2018

Schiedsrichter wird sechs Monate, Spieler acht Spiele gesperrt

Tätlichkeiten in Heenes abgeurteilt

Jörg Dehler (von links), Horst Holl und Hans Stoß hatten das Urteil zu fällen. Foto:

Keine alltägliche Sportgerichtsverhandlung am Montagabend in Ronshausen: Dort wurde Schiedsrichter Karl-Heinz Rockel (SV Hopfgarten) wegen einer Tätlichkeit an dem Spieler Sinan Senol (Ober-/Untergeis) und fehlerhafter Berichterstattung für sechs Monate gesperrt. Senol selbst, der nach dem fraglichen Spiel, die Rote Karte sah, wurde für acht Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Verhandelt wurden die Vorfälle aus dem A-Liga-Spiel vom 17. August in Heenes, als sich die SG Heenes/Kalkobes mit 1:1 von der SG Ober-/Untergeis getrennt hatte. Dabei warfen sich Schiedsrichter Karl-Heinz Rockel und Sinan Senol (Spieler SG Ober-/Untergeis) gegenseitig vor, vom jeweils anderen attackiert worden zu sein. Rockel gab an, dass Senol nach einem Wortgefecht über die gegen Senol nach Spielausschuss wegen Beleidigung ausgesprochene Rote Karte per Faust in den Bauchbereich geschlagen worden sei und er danach zurückgestupst hätte, bevor Senol zurückgehalten worden sei. Senol wiederum beschuldigte Rockel, dass die Aktion von Rockel ausgegangen sei und er so heftig am Hals attackiert worden sei, dass er ob der Verletzungen gar ins Krankenhaus musste. Zugetragen habe sich das Ganze im Kabinentrakt.

Letztlich gab die Kammer um Horst Holl (Vorsitzender des Regionalsportgerichts) den Ausführungen Senols Recht. So habe sich Rockel im Laufe der Verhandlung mehrfach widersprochen, außerdem seien die Aussagen Senols in Summe schlüssig gewesen, auch weil er die Verletzungen am Hals einerseits direkt nach dem Spiel per Foto protokolliert hatte, und andererseits noch am Abend im Krankenhaus war, um sich die Verletzungen dokumentieren zu lassen. Die Strafe gegen Rockel fiel so drastisch aus, weil er die Rote Karte zunächst nicht im Spielbericht aufgeführt hatte – und damit der korrekten Berichterstattung nicht nachkam. Rockel nahm das Urteil an. Senol wiederum wurde für seine Beleidigung („Sie pfeifen nur scheiße“), die er freimütig zugab, gesperrt. Dass diese mit acht Spielen so drastisch ausfiel, lag vor allem an der Tatsache, dass er noch ein zweites Mal den Weg zu Rockel suchte, was die Vorfälle erst ermöglichte.

Zeugenaussagen wenig hilfreich

Von den zahlreich geladenen Zeugen konnte kaum jemand zur Aufklärung der Geschehnisse beitragen. Die größte Hoffnung hatte das Gericht zweifelsohne in Frank Henning (Vereinsverantwortlicher SG Heenes/Kalkobes) gesetzt, der sich nach dem Platzverweis Rockel als Platzordner annahm, um ihn in seine Kabine zu führen. Dabei kam es zum Zusammentreffen zwischen Rockel und Senol, wobei sich laut Henning Senol zwischen Rockel und Henning gedrängt hätte, beide aneinander gerieten, er aber ob der versperrten Sicht nichts habe sehen können, bis er Senol am Bauch packte und wegzog. Pasqual Belosicky (Torwart der SG Ober-/Untergeis) sagte genau wie Hamza Dönertas (Vater des Obergeiser Spielers Emre Dönertas) aus, dass Rockel Senol am Hals gepackt habe.

Die Verhandlung begann mit einer großen Entschuldigung Rockels, da er im Sonderbericht nicht Senol sondern Romeo Onetiu als Rotsünder vermerkt hatte. Dies sei jedoch ein Missverständnis von Rockel gewesen, und so wurde Onetiu samt Dolmetscher nach Gegenüberstellung sogleich wieder entlassen. Auch der Sonderbericht hatte zunächst für Aufsehen gesorgt, da Rockel die Rote Karte nicht im originären Spielbericht angegeben hatte und gleichermaßen den Haken für den Sonderbericht nicht gesetzt hatte.

Kreissportgericht gibt Fall wegen Befangenheit zurück

Dies sorgte tags drauf für Verwirrung, weil die Obergeiser Vereinsvertreter sich wegen der nicht aufgeführten Karte bei Klassenleiter Karl-Heinz Blumhagen (Bebra) erkundigten und wissen wollten, ob Senol für den nächsten Tag spielberechtigt sei. Blumhagen habe nach eigenem Bekunden bereits zu diesem Zeitpunkt von den vermeintlichen Handgreiflichkeiten Rockels erfahren, habe daraufhin Rockel telefonisch kontaktiert und sich erkundigt, warum die Rote Karte keine Erwähnung fand.

Rockel erklärte dies folgendermaßen: So sei er nicht nur seit 25 Jahren Fußball-Schiedsrichter, sondern auch seit 40 Jahren Handball-Schiedsrichter und er die Verfahrensweisen bei einem solchen Falle vertauscht hätte. Rockel, zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg in den Urlaub befindlich, beauftragte anschließend seinen Sohn, den Sonderbericht zu fertigen. Dies sei noch am Samstag erfolgt.

Das Regionalsportgericht um den Vorsitzenden Horst Holl (Rotenburg) wurde zuständig, weil sich sowohl der Vorsitzende des Hersfeld/Rotenburger Kreissportgerichts Wilfried Olschewski (SG Ober-/Untergeis) als auch sein Stellvertreter Norbert Vollmar (SG Heenes/Kalkobes) als befangen erklärt hatten. Das Verbandssportgericht ordnete die Vorfälle dem Regionalsportgericht zu. Da mit Rockel auch ein Schiedsrichter unter Anklage stand, war mit Jörg Dehler (Großentaft) ein Vertreter der Schiedsrichterei Teil des Gerichts. Dehler ist Schiedsrichter-Regionalbeauftragter der Region Fulda. Zweiter Beisitzer war Holls Stellvertreter Hans Stoos (Marjoß).

Autor: Johannes Götze

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