24.05.2018

Schießt Neuhof Soden in die Gruppenliga?

Verbandsliga: Der Kampf um Platz zwei spitzt sich zu

Soden bangt – und will solche Bilder wie im Hinspiel, als Feingeist Lukas Ehlert gerade die große Chance zum Siegtreffer vergeben hatte, mit aller Gewalt vermeiden. Foto: Ralf Hofacker

Fußballherz, was willst du mehr? In sieben der acht abschließenden Verbandsliga-Saisonspiele am Samstag (alle 17.15 Uhr) geht es noch um etwas – und im achten zwischen Weidenhausen und Eschwege zumindest um eine Menge Prestige. Alle osthessischen Teams greifen somit direkt oder indirekt in Auf- oder Abstiegskampf ein.

Hünfelder SV – TSV Lehnerz II.

In Hünfeld wird schon vor dem Spiel eine Menge gerichtet sein: Der HSV wird alles für die große Meisterparty bereiten, zu der der Verein alle Freunde, Förderer und Sponsoren ab 19.30 Uhr herzlich einlädt. Die Vertreter des TSV werden hingegen gebannt an der Strippe hängen und auf das Ergebnis der ersten Mannschaft in Lohfelden warten (Abpfiff gegen 16.50 Uhr). Denn nur wenn das Hessenliga-Team den zweiten Platz erreicht, und anschließend auch den Aufstieg in die Regionalliga Südwest vollführt, darf die Reserve überhaupt die Aufstiegsspiele zur Hessenliga wahrnehmen. Erledigt das Hessenliga-Team zumindest erstere Hausaufgabe nicht, verkommt das Spiel auf der Rhönkampfbahn zur Randnotiz.

TSV-Coach Sedat Gören geht selbstverständlich davon aus, dass die "Erste" sich Platz zwei nicht mehr nehmen lässt – und bereitet sein Team intensiv auf die Aufgabe vor. Den Spaß der vergangenen Wochen erneut auf den Platz bringen, sich von der Situation nicht beeindrucken lassen, einfach wieder das Abrufen, was die Mannschaft derzeit so stark mache. "Wir müssen zusehen, dass wir unsere Arbeit zu allererst erfüllen und dann schauen wir, was wir noch daraus machen können", sagt Gören, der betont, "dass die Saison, ganz egal wie sie ausgeht, ein Erfolg ist. Die Statistiken sprechen für die Mannschaft, und jeder, der dazu einen Teil beigetragen hat, kann zufrieden und stolz sein". Das beste Rückrundenteam kann am Samstag wieder auf Lukas Marvin Friedrich zurückgreifen, wie der Kader ansonsten gestaltet sein wird, gilt es noch final mit dem Coach der ersten Mannschaft, Marco Lohsse, abzustimmen.

Hünfelds Coach Dominik Weber ist sich indes gewiss, dass die vergangenen zwei (Feier)-Wochen Spuren hinterlassen haben, gleichwohl gelte es Fans wie Sponsoren am letzten Spieltag noch einmal zu zeigen, warum der HSV ab Ende Juli Hessenliga spielen darf. Von Schützenhilfe für Lehnerz II, Johannesberg oder Sand will er dementsprechend nichts wissen. "Wir wollen unser Spiel durchziehen und gewinnen, das ist nur fair und sind wir allen Mannschaften schuldig. Und uns selbst sind wir schuldig, noch einmal ein letztes gutes Heimspiel abzuliefern", sagt Weber.

1. FC Schwalmstadt – SG Johannesberg.

Zunder wird in Ziegenhain geboten sein: Der Gastgeber kämpft gegen den Abstieg, ist zum Siegen verdammt. Der Gast wird für Platz zwei oder drei ebenfalls dreifach liefern müssen. Der Rückstand Johannesbergs auf Lehnerz II beträgt ein Zähler, der Vorsprung auf Sand (gegen Absteiger Hessen Kassel II) ebenfalls ein Punkt. Beide direkten Vergleiche wurden verloren. Allerdings ist die SGJ angeschlagen, kämpft seit Wochen mit personellen Problemen und wird versuchen müssen, noch einmal die letzten Körner aufzusammeln. "Natürlich wollen wir das Spiel gewinnen, wissen aber auch, dass das eine ganz schwere Aufgabe wird", sagt Trainer Jochen Maikranz, der auf Patrik Kaizar, Eric Stephane Kengni Fotsing, Alin Cotan (alle verletzt) und Sven Wiesner (beruflich verhindert) garantiert verzichten muss, Fragezeichen stehen hinter Julian Keller, Radomir Vlk und Ilker Dapar.

SV Neuhof – SG Bad Soden.

Die vor einer Woche an dieser Stelle prognostizierte Situation im Tabellenkeller kommt tatsächlich zum Tragen. Und so kämpfen Rothwesten, Dörnberg, Kaufungen (alle 39 Punkte), Bad Soden (38) und Schwalmstadt (37) gegen den einen oder die noch zwei zu vergebenden Abstiegsplätze. Einer, falls Vellmar doch noch die Hessenliga hält – ein eher unwahrscheinliches Szenario.

Die SG Bad Soden hat den Klassenerhalt somit nicht mehr in der eigenen Hand, will aber natürlich zumindest die eigenen Hausaufgaben erledigen, die Konkurrenz unter Druck setzen. Allerdings werden sich die Hausaufgaben als schwierig gestalten, die Lokalrivalen pflegen untereinander nicht das beste Verhältnis, zudem ist der SVN zweitbestes Rückrundenteam. Neuhofs Sportlicher Leiter Alexander Bär ließ durchblicken, dass man selbstredend das eigene Gesicht wahren wolle, gleichwohl aber auch lieber nach Bad Soden als nach Dörnberg fahren würde. Dass Neuhof nicht nur Bad Soden, sondern dazu noch einen südlichen Gruppenligisten und einen Süd-Kreisoberligisten eine Klasse nach unten schicken würde, sei ihm bewusst. Zahlreiche Whats-App hätten ihn dahingehend bereits erreicht, sein Team solle sich doch bitte zurückhalten.

Abschenken wird der SVN allerdings kaum, da ist sich Soden-Trainer Anton Römmich sicher: "Ich glaube nicht, dass Neuhof das Spiel nicht gewinnen will und ich habe auch keinen Kontakt zu Alex Bär, geschweige denn eine Nummer", verdeutlicht Römmich, der Einblicke in seine Gefühlswelt gibt: "Ich bin angespannt, habe aber ein gutes Gefühl. Die Trainingswoche verlief gut, wir haben versucht, Spaß reinzubringen. Natürlich wäre es scheiße, wenn wir absteigen, aber ich bin mir eigentlich sicher, dass vor uns nicht alle drei Teams gewinnen werden und wir haben einen klaren Plan, wie wir unser Spiel angehen werden, um es zu gewinnen." Hinter Keeper Arturo Gonzalez Garcia (Muskelfaserriss) steht ein Fragezeichen, ansonsten sind alle Mann an Bord.

RSV Petersberg – FSV Dörnberg.

Neben der SG Johannesberg, dem CSC 03 Kassel (in Rothwesten) und dem SC Willingen (in Kaufungen) könnte auch der RSV Petersberg den "Sprudelkickern" Schützenhilfe leisten. Die Elf um Coach Jürgen Krawczyk empfängt Dörnberg, wird sich gut aus der Verbandsliga verabschieden wollen, schließlich werden zahlreiche Spieler das letzte Mal ins grüne Trikot schlüpfen. Und von den Sodenern würde im Erfolgsfall auch noch ein Bonus in die Mannschaftskasse wandern. Römmich hat Kontakt zu Petersbergs Sturmikone Boris Aschenbrücker aufgenommen.

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