16.04.2019

Schiri Korell gesteht Fehler ein

Kreisoberliga Süd: Schweben erwägt Protest gegen Spielwertung

Drunter und drüber ging es zwischen Schweben (rot) und Mittelkalbach - und womöglich hat das Derby sogar noch ein Nachspiel. Foto: Charlie Rolff

Das Kellerduell der Kreisoberliga Süd zwischen dem SV Schweben und dem SV Mittelkalbach (1:3) schlägt auch am Tag danach hohe Wellen. Grund ist der Kalbacher Treffer zum 1:0, in dessen Entstehung der Ball die Linie nachweislich nicht überschritten hat.

Brisanz hat diese Szene dadurch gewonnen, dass unsere Zeitung in Person von Ralph Kraus die Partie auf Video aufgezeichnet hat: Auf dem auf torgranate.de zu sehenden Mitschnitt ist eindeutig zu erkennen, dass Schiedsrichter Alexander Korell aus Frischborn auf Tor entschied, obwohl der Kopfball von Till Schäfer vom Pfosten wieder ins Feld und nicht ins Tor gesprungen war.

Der Referee selbst geht mit Größe voran, bekannte sich gestern in einer an unsere Zeitung verschickten Stellungnahme, die wir unten gerne veröffentlichen, zu seinem Wahrnehmungsfehler und entschuldigte sich gleichzeitig bei den Schwebenern.

Während Mittelkalbachs Trainer Florian Günther (42), der nebenbei in Schweben doch noch einmal die Schuhe geschnürt und erstmals für seinen neuen Verein aufgelaufen war, erklärt, „dass wir die Szene im Getümmel gar nicht richtig erkannt haben“ und sich die Kalbacher nach dem Torpfiff einfach nur noch gefreut hätten, ist das Gerechtigkeitsempfinden im Schwebener Lager strapaziert. „Wenn du unten drin stehst, kommt alles zusammen“, hadert SVS-Vorstand Klaus Stey. Dass Spielertrainer Christian Birkenbach sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen hat und das große Schwebener Lazarett vor dem kriegsentscheidende nächsten Wochenende mit Spielen gegen Lauterbach und bei Vogelsberg vermutlich noch erweitert, rückt angesichts der Szene in Minute 39 des Derbys gegen Mittelkalbach fast schon in den Hintergrund.

Stey und seine Vorstandskollegen wollen sich nun beraten, ob man als Verein SV Schweben gegen die Wertung des im Abstiegskampf so enorm wichtigen Spiels sportjuristisch vorgehen will. Aus den Reihen des Schlüchterner Sportgerichts und des Regionalsportgerichtes blieben Stellungnahme zu diesem Fall – logischerweise – noch aus, denn wo (noch) kein Kläger, da auch kein Richter.

Fakt ist allerdings, dass es sich bei dem Tor um keinen klaren Regelverstoß, sondern eine Wahrnehmungsfehler des Schiedsrichters handelt. Dass derlei Tatsachenentscheidungen juristisch grundsätzlich unanfechtbar sind, das entschied unter anderem das DFB-Sportgericht im Herbst 2013 im wohl bekanntesten Fall im deutschen Profifußball in der jüngeren Vergangenheit, der dem Schwebener Fall ähnlich ist – dem Phantomtor von Bayer Leverkusens Stefan Kießling bei 1899 Hoffenheim. Zur Erinnerung: Der ehemalige Nationalspieler hatte seinerzeit einen Ball ans Außennetz geköpft, wobei das Spielgerät durch ein Loch im Netz noch ins Tor gefallen war. Den Videobeweis gab es damals in der Bundesliga noch nicht – und das Spiel wurde letztlich nicht wiederholt, Leverkusens 2:1-Sieg blieb bestehen.

Eine Ausnahme bildete das Phantomtor von Bayern Münchens Thomas Helmer gegen Nürnberg 1994, als der Ball ins Toraus statt über die Torlinie gegangen war. Diese Partie wurde wiederholt, weil Referee Hans-Joachim Osmers ein Signal seines Assistenten falsch gedeutet hatte – seinerzeit ein Regelverstoß, weil sich Osmers keine Auskunft zur konkreten Situation eingeholt hatte.

Anders als in der Bundesliga, wo der Videobeweis mittlerweile eingeführt wurde, gibt es diesen im Amateurbereich nicht – unabhängig davon, ob das Spiel von Medien- oder Vereinsvertretern gefilmt wurde. „Sonst könnte man ja am Ende jede falsche Abseitsentscheidung anfechten“, meint Mittelkalbachs Coach Florian Günther. Die Tatsachenentscheidung Korells steht – und damit dürfte Schwebens Chancen auf ein Wiederholungsspiel vor dem Sportgericht kaum existent sein.

Die Stellungnahme von Schiedsrichter Alexander Korell:

„Nach Sichtung des von torgranate.de erstellten Videos würde ich heute nicht mehr auf Tor entscheiden. Dass Schweben nun sauer ist, ist auch für mich verständlich. Ich ging in dieser Situation zu 100 Prozent von einem Treffer aus und entschuldige mich natürlich im Nachhinein für meine Fehleinschätzung. Danke an torgranate.de, dass dieser Fehler per Video zum Aufschluss gebracht. An alle Hater die mir über Facebook (so nette) Texte geschrieben haben, sei gesagt: Jedes Jahr gibt es einen Schiedsrichter-Lehrgang, für den man sich anmelden kann, um es besser zu machen.“

Autor: Christian Halling

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