23.03.2020

Schlechtes Gewissen gegenüber der Familie

Benedikt Müller über seinen Wechsel zu FT, die „Müller-Sippe“ und den Trainerjob

Hier zaubert Benedikt Müller noch im blau-weißen Jersey des FC Eichenzell mit dem Ball. Ab kommender Saison trägt er das rote Trikot von FT Fulda. Foto: Kevin Kremer

Vor wenigen Tagen wurde publik, dass Benedikt und Vincent Müller sich FT Fulda anschließen. Wir haben mit Benedikt (31) über die Hintergründe gesprochen – und zudem herausgefunden, dass die „Müller-Sippe“ gerne gemeinsam auf dem Platz steht.

Der Schritt, zu FT zu wechseln, war sicherlich kein einfacher. Was war für Sie das ausschlaggebende Kriterium?

Ich wurde die vergangenen Tage von vielen mit dieser Frage konfrontiert. Als Außenstehender denken viele, dass ich bekloppt sei, weil ich mit Eichenzell einen tollen Verein habe, bei dem viele coole Jungs spielen und meine Familie eng dabei ist. Für mich war immer wichtig, dass der sportliche Anreiz und die Leute passen. Ähnlich sind die Verhältnisse bei FT. Ich bin im Januar 31 geworden – und nach fünf Jahren in Eichenzell tut eine neue Erfahrung nochmal gut. Zudem ist der Aufwand ein Stückweit kleiner. Ich habe den Weg von FT intensiv verfolgt in den zurückliegenden Jahren, finde das Projekt, das sie mit den vorhandenen Mitteln fahren, sehr interessant.

Auf was freuen Sie sich am meisten bei Ihrem neuen Club? Mit Romeo Andrijasevic haben sie einen guten Freund dann als Trainer …

Es ist das Gesamtpaket, was entschieden hat. Das letzte Zünglein war aber wohl Romeo, weil ich unbedingt mit ihm zusammenarbeiten möchte. Wir kennen uns schon sehr lange – und unter ihm geht es immer bergauf. Außerdem habe ich schon mit David Schwarz, Timo Lofink, Alex Scholz oder Jan Schäfer zusammengespielt, Christian Auth kenne ich seit kleinauf. Der Wechsel hat mich allerdings lange beschäftigt, fiel mir entsprechend schwer, weil ich mit Lukas Heil oder Roman Schad Kumpels in Eichenzell zurücklasse, zu denen ich täglichen Kontakt pflege.

Das Trainergeschäft lockt Sie ebenfalls. Wollen Sie irgendwann das Amt von Andrijasevic übernehmen?

Da müsste schon viel zusammenpassen (lacht). Zuerst muss ich noch viele Erfahrungen sammeln, auf Teufel komm raus möchte ich ohnehin nichts machen. Ich mache mir zwar Gedanken über die Stelle, aber das braucht alles seine Zeit. Unter Romeo will ich weiter lernen, schließlich habe ich in meiner Laufbahn einige Trainer kennengelernt. Bei FT ist Romeo zudem unantastbar. Was er geschaffen hat, ist einmalig und eine Steigerung fast unmöglich. Deshalb distanziere ich mich von dieser Position eher.

Mit Christian, Claudius, Jonathan und Leonard spielen nächste Saison vier Ihrer Brüder in Eichenzell. Haben Sie nicht ein schlechtes Gewissen, dass Sie einen anderen Weg einschlagen?

Das Gewissen war von Beginn an schlecht und hat sich immer noch nicht gebessert, weil es auch an unserem Familientisch Thema war. Leo sagte, dass ich ausgerechnet jetzt abhauen muss, dabei hatte er doch selbst die vergangenen vier Jahre Zeit, nach Eichenzell zu kommen. Immerhin kommt mit Vincent ja ein weiterer Bruder mit mir zu FT.

Für Sie selbst läuft die Saison bescheiden. Nur 97 Einsatzminuten in der Liga stehen zu Buche …

Ich hoffe, dass ich mich noch ordentlich auf dem Platz verabschieden kann. Ob der derzeitigen Lage kann aber niemand sagen, wie es kommt. Nach meinem Muskelbündelriss im zweiten Saisonspiel war ich raus, konnte aber die Wintervorbereitung komplett durchziehen und habe mich riesig auf den Abstiegskampf gefreut. Aktuell stehen aber andere Sachen im Vordergrund.

Vor fünf Jahren haben Sie mit Ihrer Familie beim Sportfest in Kerzell eine Mannschaft gebildet. Dürfen sich die Müller-Fans Hoffnung machen, dass die „Müller-Sippe“ in Zukunft nochmal gemeinsam auf dem Platz steht?

Für solche Events sind wir immer offen, zumal man uns buchen kann (lacht). Damals haben wir zum Spaß die Truppe gebildet, doch auf Vereinsebene wird es schwer, dass wir alle zusammen aktiv sind.

Autor: Tobias Konrad

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