30.05.2018

Sicaja: "Wenn der Kopf nicht stimmt, gewinnst du in dieser Liga kein Spiel"

Stadtallendorfs Erfolgstrainer über die Regionalliga und den Zusammenschluss

Dragan Sicaja hat mit Stadtallendorf sensationell den Klassenerhalt gefeiert. Foto: Charlie Rolff

Wovon die SG Barockstadt noch träumt, das hat Dragan Sicaja in den vergangenen zwei Jahren bereits auf die Beine gestellt: Der 51-Jährige hat den TSV Eintracht Stadtallendorf in die Regionalliga geführt und eine Mannschaft, die mit zahlreichen regionalen Spielern gespickt ist, zum Klassenerhalt in Liga vier geführt. Grund genug also, um bei Sicaja mal genauer nachzufragen.

Vor gut einem Monat hat Stadtallendorf – von vielen Experten vor der Saison als Absteiger Nummer eins gesehen – den Klassenerhalt in der Regionalliga eingetütet. Wie kann man diesen Erfolg bewerten?

Der Aufstieg in der vergangenen Spielzeit war schon sensationell, aber was die Mannschaft in dieser Saison geleistet hat, kann man nicht hoch genug einstufen. Wir haben mit dem fast identischen Team gleich sieben Vereine in der Regionalliga hinter uns gelassen und uns Woche für Woche gegen Profis behauptet und teilweise durchsetzen können. Das war eine riesige Leistung von allem im Verein.

Mit dem Aufstieg in die vierte Liga ist in Stadtallendorf eine riesige Euphorie entstanden. War damit zu rechnen?

Nein, auf keinen Fall. Wir hatten plötzlich zu den Heimspielen immer vierstellige Besucherzahlen und es ist eine richtige Fankultur entstanden, die es sonst nur bei den großen Traditionsvereinen wie Waldhof Mannheim oder Kickers Offenbach gibt. Beim Auswärtsspiel in Offenbach waren beispielsweise 700 bis 800 Fans von uns mitgereist, die die Mannschaft wahnsinnig unterstützt haben. Da ist für uns ein Traum wahr geworden, denn wir haben jahrelang gegen die zweite Mannschaft vom OFC gespielt. Schon damals habe ich zu den Jungs gesagt. 'Das ist alles schön und gut in der Hessenliga, aber eines Tages will ich nicht mehr nur noch am Bieberer Berg vorbeifahren, sondern dort auch spielen.' Das wir das nun geschafft haben, ist großartig.

In der Rückrunde drohte der Traum vom Klassenerhalt aber zu platzen, denn der Start ins neue Jahr war sehr holprig...

Wir haben mit 30 Punkten im Jahr 2017 eine überragende Halbserie gespielt. Plötzlich waren einige Spieler sehr zufrieden und zahlreiche Berater haben sich eingeschaltet, die den Jungs etwas von der Dritten Liga erzählt haben. Und wenn du den ganzen Tag erzählt bekommst, dass du dort eigentlich spielen kannst, dann glaubt der Spieler das irgendwann auch – dabei wurden vielen Jungs vor der Saison die Tauglichkeit für die Regionalliga abgesprochen. Und klar ist: Stadtallendorf kann in dieser Liga nur als Mannschaft bestehen. Wenn der Kopf nicht stimmt, gewinnen wir kein Spiel in der Klasse. Das haben wir dem Team immer wieder vor Augen geführt, sodass wir einen Spieltag vor Schluss den Klassenerhalt eintüten konnten.

Kann sich denn ein „Amateurverein“ auf Jahre in der Regionalliga halten?

Das ist brutal schwierig, wobei wir mittlerweile auch sechs Spieler im Kader haben, die sich voll und ganz auf Fußball konzentrieren. Ich glaube, dass jeder Verein einen eigenen Weg finden muss, der für ihn zum Erfolg führen soll. Unsere Überzeugung ist es, dass wir diesen Weg mit jungen, hungrigen Spielern gehen wollen, die bei anderen Vereinen vielleicht durch das Raster gefallen sind und bei uns die Chance bekommen, die sie woanders nicht bekommen hätten. Für uns war aber immer klar: Wenn wir einen „Profi“ holen, dann muss er eine klar besser Qualität als vorhanden haben. Doch auch das gibt dir keine Garantie für Erfolg.

Wie bewertest du den Zusammenschluss vom TSV Lehnerz und Borussia Fulda zur SG Barockstadt?

Die Idee ist grundsätzlich sehr gut, wenn man gemeinsam das Ziel verfolgt, der Region Osthessen eines Tages höherklassigen Fußball bieten zu wollen. Aufgrund der Vielzahl an guten Spielern und des finanziellen Backgrounds ist eine gute Basis auf jeden Fall vorhanden, aber jetzt müssen die richtigen Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Kann man aus den zahlreichen guten Kickern eine funktionierende Mannschaft formen? Kann das Team die Idee vom neuen Trainer Alfred Kaminski umsetzen? Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Verantwortlichen in schwierigen Phasen? Die richtige Arbeit geht jetzt erst los.

Autor: Max Lesser

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