Der große Wunsch: Fünf Hessenligisten

Fliedens Trainer Meik Voll zieht Halbzeitbilanz

15. November 2016, 12:01 Uhr

Meik Voll (schwarze Jacke) hatte zuletzt allen Grund zum Jubeln. Foto: Charlie Rolff

Nach Fliedens Fehlstart mit drei deutlichen Niederlagen, legte der Hessenliga-Absteiger ausgerechnet im Derby gegen den Hünfelder SV den Hebel um und ist seitdem ungeschlagen. Wir haben mit Trainer Meik Voll (41) Halbzeitbilanz gezogen.

3. Platz, 34 Punkte. Zufrieden?

Wenn man unseren Saisonstart mit drei Niederlagen anschaut, dann sind wir natürlich zufrieden.

Der Fehlstart soll das Stichwort sein. Wie groß waren die Selbstzweifel?

Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch. Natürlich habe ich nach dem Abstieg nicht zuerst die Fehler im Umfeld oder der Mannschaft gesucht, sondern auch mich hinterfragt. Und genauso war das auch nach den Niederlagen zu Beginn. Wir haben interne Gespräche im kleinen Kreis mit Frank Happ, Winfried Happ und Jochen Koppel geführt, die ich gesucht hatte. Dabei habe ich die nötige Rückendeckung verspürt und außerdem: Wenn man Wochen zuvor erst um zwei Jahre verlängert hat, da schmeißt man nicht einfach mal so drei Jahre weg.

Also tatsächlich Rücktrittsgedanken gehegt…

Das Hünfeld-Spiel war das Schlüsselspiel. Das war für alle der Neuanfang. Konsequenz wäre bei weiteren Negativerlebnissen, das ich meinen Hut genommen hätte, weil man der Mannschaft ein Alibi nehmen muss. Umso schöner ist es, solch einen Schritt zu umgehen. Wir haben im Team eine tolle Moral, einen tollen Zusammenhalt. Ich hatte nie das Empfinden, einen Stinkstiefel im Kader zu haben.

Also war das 0:0 gegen Hünfeld nach den drei Pleiten zum Start auch das Highlight der Hinrunde?

Was sind Highlights? Das sind Veranstaltungen außerhalb des Ligabetriebs, wenn wir gegen die Bundeswehr-Nationalmannschaft oder Afghanistan spielen. Für mich ist es vielmehr ein Highlight, bei einem Verein Trainer zu sein, bei dem ich selbst sieben Jahre gespielt habe. Mir macht das persönlich unglaublich viel Spaß.

Und das bisherige Negativerlebnis?

Ich habe vorher ja schon Erfahrungen in Neuhof und bei Borussia Fulda gesammelt. Es ist ganz einfach so, dass man in weniger erfolgreichen Zeiten sieht, wer zu einem steht und wer nicht. Wie die Vereinsführung zu mir gestanden hat, war stark. Aber: Bei manchen, bei denen ich gedacht hatte, dass das feste Fürsprecher sind, war das nicht so. Man sieht, wer Freund und Feind ist. Was mir auch nicht gefallen hat, ist, dass nach drei Niederlagen wirklich alles so schlecht geredet wurde, zumal wir jetzt 14 Spiele ungeschlagen sind, was es weder in den Meisterjahren 1996 oder 2001 gab.

Wie beurteilst du die Liga?

Für mich war klar, dass wir nicht durchstarten werden und alles gewinnen. Das hat nach einem Abstieg in den vergangenen 15 Jahren auch nur Hünfeld geschafft. Ich wusste, dass die Liga sehr ausgeglichen besetzt ist und lag mit meinen Favoriten ziemlich richtig. Sand und Hünfeld. Wobei ich auch Bad Soden noch dazugezählt hätte. Was total enttäuschend ist, sind die Zuschauerzahlen. Die Derbys sind ja noch okay, aber sonst du lockst du keinen vorm Fernseher oder aus dem Schrebergarten hervor. Wir sind 14 Spiele ungeschlagen und haben gegen Eintracht Baunatal 150 Zuschauer. Wir wünschen uns alle bessere Zahlen.

Abschließend: Wie lautet die Zielsetzung?

Wir bleiben bescheiden in der Zielsetzung. Für mich ist es ein Erfolg, wenn sich die Spieler entwickeln. Wir arbeiten mit so vielen jungen Spielern zusammen, die den finanziellen Gedanken nicht in den Vordergrund stellen. Ziel von jedem ist aber natürlich auch, so erfolgreich wie möglich zu sein. Wir wollen bereit sein, wenn jemand von ganz oben stolpert, wobei sich erst im März und April zeigen wird, wer den längsten Atem hat. Und wir wissen auch, dass Sand gewachsen und auch Hünfeld gestanden ist.

Und wenn du träumen dürftest…

Dann würde ich mir wünschen, dass Flieden und Hünfeld in die Hessenliga aufsteigen und unsere drei Hessenligisten auch drinnen bleiben. Dann hätten wir eine wahnsinnige Hessenliga. Aber: Wie oft im Leben werden Wünsche schon genauso erfüllt?

Autor: Johannes Götze

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