Neuhofer Jan Lübberstedt

Spiele auf dem Tivoli, an der Hafenstraße und in Luxemburg

21. Januar 2021, 11:57 Uhr

Jan Lübberstedt war viele Jahre als Schiedsrichter in der Hessenliga unterwegs. Foto: Charlie Rolff

Mehr als ein halbes Jahrzehnt lang war Jan Lübberstedt Hessenliga-Schiedsrichter, auf den Sportplätzen allseits bekannt. Doch seit drei Jahren ist es in der Region still geworden um den 29-Jährigen – weil er inzwischen in Köln heimisch geworden ist.

Im Januar 2018 zog es den Neuhofer in die Domstadt am Rhein, da er eine berufliche und private Veränderung angestrebt hatte. "Köln war mein Wunschziel, da ich die Stadt immer gut fand", erklärt er. Nach einem halben Jahr begann er im neuen Domizil auch mit seinem Hobby: der Schiedsrichterei. Der Verband Mittelrhein, der sich von Leverkusen bis Bonn und westlich nach Aachen erstreckt, ersetzte den Hessischen Fußball-Verband, die fünftklassige Mittelrheinliga die Hessenliga. Schon früh ereignete sich aber ein Highlight in den Niederungen des Amateurfußballs. "Ich habe immer die Kreisliga-Spiele geliebt. Ein Spiel vom DSK Köln, der auf einem Ascheplatz zwischen Moschee und Fernsehturm zu Hause ist, war eine coole Sache für Nostalgiker."

Doch die Ziele wurden schnell ambitionierter. Nach einer guten Debütsaison stieg Lübberstedt 2019 als Assistent in der mit großen Namen gespickten Regionalliga West ein – und erfüllte sich dort schnell einen Wunsch: "Es war einer meiner Träume, in Essen aufzulaufen. Das ging gegen den 1. FC Köln II in Erfüllung, vor einer Zweitliga-Atmosphäre von 9.300 Zuschauern und mit Ex-HSV-Coach Christian Titz an der Seitenlinie. Der Essener Siegtreffer fiel in der Nachspielzeit, ich stand vor dem Block und hatte eine Gänsehaut. Das sind die Momente, auf die du als Schiedsrichter hinarbeitest."

In der ersten Liga durfte der 29-Jährige ebenfalls schon assistieren – genauer gesagt in Luxemburg. Zwischen der Regionalliga West und der luxemburgischen Liga besteht nämlich immer mal wieder ein gegenseitiger Austausch, auch, um die luxemburgischen UEFA-Referees vor größeren Zuschauerkulissen auf kommende Aufgaben einzustellen. "Es ist schon cool, wenn du nicht mehr nur einen Verein oder Verband, sondern ein Land repräsentierst", betont Lübberstedt, der für den Traditionsverein Fortuna Köln pfeift. Auch, weil er in seiner ersten Wohnung nur einen Steinwurf vom damaligen Drittligisten entfernt wohnte.

2019 letztmals Schiedsrichter in der Region

Optisch hat sich Jan Lübberstedt ordentlich verändert. Foto: privat

Vor Nordrhein-Westfalen machte die Corona-Pandemie aber ebenfalls nicht Halt, so dass sich auch das Hobby des früheren Referees des TV Neuhof und TSV Lehnerz veränderte. "Die Zuschauer fehlen extrem", unterstreicht Lübberstedt, der die tollen Stadien am Aachener Tivoli und der Essener Hafenstraße zuletzt ohne Kulisse erlebte. Um den Auflagen zu entsprechen, muss der Schiedsrichter einen Tag vor dem Spiel einen Corona-Test machen – meist geschieht dies auf dem Sportgelände der Fortuna oder des 1. FC Köln. "Auch wenn der Aufwand größer geworden ist, sind die Spiele eine willkommene Abwechslung zu all den Einschränkungen."

Ansonsten haben die kürzeren Distanzen aber große Vorteile. "Meine längste Anreise in der Regionalliga West nach Münster beträgt nur eine Stunde und 40 Minuten." Viele Unterschiede gibt es zwischen der Pfeiferei in Hessen und am Mittelrhein nicht – auch wenn im neuen Verbandsgebiet seit jeher vier und nicht wie hier drei Wechsel erlaubt sind. Vor der Corona-Zeit pfiff Lübberstedt, der sich in der neuen Heimat pudelwohl fühlt, dennoch immer mal wieder gerne in Osthessen. Zuletzt am 5. Mai 2019 beim Gruppenliga-Spiel zwischen Ehrenberg und Bronnzell. "Den Kontakt außerhalb des Platzes habe ich immer geliebt. Es bestehen auch noch viele Freundschaften mit ehemaligen Weggefährten."

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