Serie: Geschichte des Hünfelder SV

Spieler aus der ganzen Republik

05. Dezember 2020, 08:54 Uhr

Direkt nach Kriegsende gab es in Hünfeld wieder Fußball. Das erste Spiel wurde bereits im Herbst 1945 gegen Hofaschenbach ausgetragen.

Nachdem der Spielbetrieb beim Hünfelder SV im Oktober 1944 zum Erliegen kam, meldete sich der Club im September 1945, direkt nach Ende des Zweiten Weltkrieges, schon wieder zurück.

Bereits im Herbst 1945 fand das erste Freundschaftsspiel wieder statt. Der Nachbar aus Hofaschenbach war beim 2:2-Unentschieden der Gegner. Zu jener Zeit wurde Rolf Kissing zur vielleicht wichtigsten Person im Verein. Durch seine Möglichkeiten und Beziehungen – auch zur Firma Wella – half er dem HSV durch die Nachkriegsjahre. Da zudem in vielen Teilen Deutschlands kaum Arbeitsmöglichkeiten bestanden, wurde Hünfeld für einige junge Spieler die neue Heimat. Hier fand so mancher einen Arbeitsplatz bei Wella – und sogar ein Hünfelder Mädchen. Beispiele gibt es einige: Fritz Leschinski (SW Essen), Gustav Landsberger (RW Essen), Heinz Aumann, Hans Fassbender (beide aus dem Rheinland) und Hans Weigt (Schlesien) sind nur einige, dazu fand Helmut Albert (später zu 1860 München) den Weg von Borussia Fulda zum HSV, dessen Heimat die alte Rhönkampfbahn war.

Ebenfalls entscheidend war der Wechsel von Walter Werner, der von Hessen Hersfeld kam und das Amt des Spielertrainers übernahm. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits Mitte 30, jedoch ein toller Techniker. Die Kameradschaft und die Stimmung innerhalb des Vereins war nach der harten Zeit des Krieges nun auch wegen Werner so fröhlich und ausgelassen. Er war eine echte Stimmungskanone, was er nicht nur in der Faschingszeit unter Beweis stellte, in der er besonders groß auftrumpfte.

Jetzt folgte die Zeit, in der sich die Teams des HSV nach und nach in die Spitze des Bezirks schossen. Ein Meilenstein für die Entwicklung war die Saison 1947/1948, in der Hünfeld Meister der A-Klasse wurde. Gegner waren in der zwölf Mannschaften starken Liga die Teams aus Roßbach, Langenschwarz, Niederaula, Obersuhl, Weiterode, Friedlos, Ronshausen, Lispenhausen, Kathus, Kalkobes und Schenklengsfeld. Vor allem die Derbys gegen Roßbach (4:3) und Langenschwarz (2:2) waren enge Spiele.

Protest sorgt für Wiederholung

Die Mannschaft des HSV Ende der 1950er-Jahre.

Es war das Jahr mit dem unvergessenen, entscheidenden Wiederholungsspiel um die Meisterschaft in Breitenbach. Das eigentlich reguläre Spiel musste wiederholt werden. Ein Kuriosum waren die 90 Minuten. So trugen nur die Torhüter verschiedenfarbige Trikots. Das „Hünfelder Sportblatt“ (ein wöchentliches Sport-Mitteilungsblatt in dieser Zeit) berichtete, dass alle 20 Feldspieler in nicht zu unterscheidenden Trikots in der gleichen Farbe spielten. Hinzu kam, dass der Schiedsrichter aus dem nur vier Kilometer von Breitenbach entfernten Mecklar kam.

Entsprechend reden bis heute viele Zeitzeugen davon, dass Hünfeld damals „verpfiffen“ wurde. Unter anderem gab es früh einen strittigen Elfmeter, den Breitenbach zur Führung verwandelte. Dazu soll der Hünfelder Spieler Schwab von Zuschauern tätlich angegriffen worden sein, ohne dass der Schiedsrichter dies bemerkt haben will. Nach einem 0:3-Rückstand verkürzten Burschel und Zentgraf zwar noch, doch der HSV verlor, protestierte und bekam Recht. Das Spiel wurde wiederholt.

Beim erneuten Aufeinandertreffen, das erst nach dem regulären Ende der Saison gespielt wurde, machte der HSV den Aufstieg perfekt. Es war eines der wichtigsten Spiele und der vielleicht wichtigste Sieg der ersten 15 Nachkriegsjahre. Mit dem 4:1 gelang der Aufstieg in die Bezirksklasse (heutige Gruppenliga). Alfred Lühn als gerade einmal 18-Jähriger überragte mit seinen drei Toren. Das vierte Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 markierte Rudi Burschel. Es war neben den bereits genannten Spielern die Zeit von Leuten wie Otto Helmer, Alfons Malkmus, Robert Drinneberg oder Ludwig Zentgraf, der aus seiner Mühle die Mannschaftskameraden mit so manchem Kilo Mehl versorgte.

Lühn wechselt nach Gladbach

Ab diesem Sieg in Breitenbach spielte der Hünfelder SV niemals mehr wieder unterhalb der Gruppenliga Fußball. Für die damalige Zeit bedeutete der Aufstieg, dass 14 Spielzeiten in Folge in der Gruppenliga (damals Bezirksklasse) folgen sollten.

In dieser Zeit bewegte man sich von 1949 bis 1961 immer im Mittelfeld der Bezirksklasse, die 1954 in zweite Amateurliga umbenannt wurde. Bemerkenswert: Alfred Lühn, der später nach Hünfeld zurückkehren sollte, verließ den Verein 1951 Richtung Borussia Mönchengladbach. Er studierte im Textilwesen und schloss sich den Gladbachern an, ehe er drei Jahre später, zunächst über die Borussia aus Fulda, wieder in die Region zurückkehrte.

1959 folgte der nächste wichtige Schritt der Vereinsgeschichte: Der Bundesgrenzschutz (BGS) eröffnete in Hünfeld einen Standort. Dadurch kamen starke Spieler Spieler wie Horst „Bumm“ Nickel, Herbert Baugut, Karl-Heinz Kaus, Kowalewski, Dieter Hennigfeld und Edmund „Teddy“ Jochum nach Hünfeld und beflügelten so den Aufschwung beim HSV, der Anfang der 1960er Jahre einer großen Zeit entgegen schaute.

Kommentieren